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Claus Dreschers außergewöhnliche Story: Texanischer Ballkünstler

Claus Drescher, Bozner-FC-Stürmer mit besonderer Vergangenheit (Foto Eheim)

Claus Drescher, Bozner-FC-Stürmer mit besonderer Vergangenheit (Foto Eheim)

21. März 2017, 10:27 Fußball

Gespielt wurde in Texas auf Football-Feldern. "Bei all den Yards-Linien konnte man schon mal die Orientierung verlieren", so Drescher (Foto FB)

Gespielt wurde in Texas auf Football-Feldern. "Bei all den Yards-Linien konnte man schon mal die Orientierung verlieren", so Drescher (Foto FB)

Claus Drescher vom Bozner FC ist kein typischer Oberligaspieler – und das nicht nur, weil unter Stutzen und Hose zahlreiche Tattoos hervorlugen. Oder weil sein Spielstil eher dem eines Straßenfußballers denn eines gewöhnlichen Oberliga-Kickers ähnelt. Vielmehr ist es ein Ereignis in seinem balltechnischen Curriculum, das etwas nicht Alltägliches an sich hat.

Die USA, speziell der Bundesstaat Texas, und Fußball? Das ist ein bisschen so wie Coca Cola und Pepsi – man kennt sich zwar, eine Romanze wird sich daraus aber wohl nicht entwickeln. Das zumindest die gängige Meinung. Claus Drescher kann das so nicht bestätigen – aus gutem Grund. „Vor meinem vierten Oberschuljahr entschied ich mich, ein Auslandsjahr in Marshall, Texas zu machen. Nebenher wollte ich natürlich Fußball spielen, das ist meine Leidenschaft. Da es in den USA keine oder nur sehr wenige Vereinsmannschaften gibt, kam ich in die Schulauswahl. Und da bemerkte ich schnell, dass mit ‚nebenher ein bisschen kicken‘ nichts ist. In der Highschool kann man nämlich anstatt des Fachs Turnen eine Sportart auswählen. Ich optierte natürlich für Fußball. Und da der Stundenplan bei uns jeden Tag derselbe war, hatte ich fünf, sechs Mal die Woche Training oder Spiel. Da entwickelt man sich schon weiter“, so Drescher, der fußballerisch beim SV Kaltern großgeworden ist und im Sommer den Sprung zum Bozner FC gemacht hat.

Für ein Land, in dem Fußball ‚nur‘ eine Sportart von vielen ist, ist das schon recht professionell. Auch, weil einige Mitspieler durchwegs gute Fußballer waren. „Die Amerikaner selbst sind nicht sehr fußballverliebt. Da Texas aber an der Grenze zu Mexiko liegt, gingen viele Mexikaner auf meine Schule – und die hatten es teilweise echt drauf.“


MVP und College-Stipendium

Aber auch für Drescher persönlich lief es gut. Mit seinem Team erreichte er die Play-Offs und somit das beste Ergebnis seit etlichen Jahren, zudem wurde er am Saisonende zum MVP, sprich zum wichtigsten Spieler, der Meisterschaft gewählt. Da ist es nicht wirklich verwunderlich, dass er sogar von einem College angeworben wurde – inklusive Stipendium, versteht sich. „Als 18-Jähriger aber Heimat, Freunde und Familie total hinter sich zu lassen und in den USA ein komplett neues Leben zu beginnen – das wäre schon ein bisschen zu viel gewesen“, kommt Drescher ins Schmunzeln.

Deshalb kehrte der Kalterer nach einem Jahr wieder nach Hause zurück. „Das Jahr in Texas hat mich sehr weitergebracht, vor allem technisch bin ich besser geworden“, erklärt der 23-Jährige, der mittlerweile beim Bozner FC in der Oberliga gelandet ist. Dort gehört er zum Stammpersonal von Trainer Flavio Toccoli. „In Bozen fühle ich mich pudelwohl, wir haben ein super Team und mit Fabio Bertoldi einen Ausnahmestürmer. So kann es gern weiter gehen.“ Und wenn Drescher auf den Talferwiesen wieder Mal einen Gegenspieler vernascht, aus halblinker Position einen 25-Meter-Hammer abfeuert oder einfach nur cool-lässig eine Rabona-Flanke in die Mitte zaubert – ja dann fließt da auch etwas Texanisches mit.



SN/td



Alter: 212 Tag(e)