Hannes Kirchler hat einen Traum. Der sechsfache Diskus-Italienmeister will sich erneut für Olympia qualifizieren. Dafür geht er ungewöhnliche Wege. Kirchler ist soeben von einem zehntägigen Trainingslager mit dem zweifachen Weltmeister Robert Harting zurückgekehrt. Dort hat der 33-Jährige Meraner u.a. in einer Kältekammer bei minus 110 Grad für London 2012 gefroren. Im April kommt Harting zu einem Gegenbesuch nach Tirrenia.
Hannes Kirchler war sechsfacher Diskus-Italienmeister, Olympia-, WM- und EM-Teilnehmer. Um auch bei den Olympischen Spielen in London dabei zu sein, lässt der 33-Jährige Meraner nichts unversucht. Dank seiner persönlichen Freundschaft zu Weltmeister Robert Harting, mit dem er seit 2007 in ständigem Kontakt ist, durfte Kirchler zwei Wochen lang bis zum 4. Februar im ehemaligen DDR-Leistungszentrum in Kienbaum bei Berlin mit Harting trainieren. "Jetzt weiß ich auch, wieso die Deutschen so erfolgreich sind. Trainingsmethodik und Strukturen sind bis ins kleinste Detail durchdacht. Den Athleten fehlt es an nichts", schwärmt Kirchler. Dazu zählen windgeschützte Wurfhäuser und eigene Hallen, wo Diskuswerfer auch im Winter trainieren können. Kirchler fühlte sich wie im Paradies. Am ungewöhnlichsten war mit Sicherheit die Kältekammer. Die sog. Kryotherapie war ursprünglich für Rheumapatienten gedacht. Sportlern soll sie beispielsweise zur schnelleren Regeneration dienen. "Sich in Badebekleidung, mit Handschuhen, Mütze, Schuhen und Mundschutz zwei Minuten lang in einer Kammer bei minus 110 Grad Celsius zu bewegen ist gewöhnungsbedürftig aber durchaus auszuhalten", erzählt Kirchler. Einziger Wermutstropfen des Trainingslagers in Kienbaum war eine Ischiasnerv-Entzündung, die aber inzwischen fast abgeklungen ist.
Der Gegenbesuch von Harting ist auch schon geplant. Der Weltmeister wird mit seinem Team und Kirchler vom 31. März bis 14. April im Verbandstrainingszentrum in Tirrenia trainieren. Anschließend fährt Kirchler für 20 Tage (17. April - 8. Mai) nach San Diego in Kalifornieren, um dort mit einigen der weltbesten Diskuswerfer zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Der Carabiniere finanziert sich seine Trainingsaufenthalte aus eigener Tasche, um sich den Traum von Olympia zu verwirklichen. 65 m sind dafür gefordert. Diese Weite hat Kirchler im Jahr 2007 schon einmal übertroffen. Im Vorjahr schleuderte er den Diskus immerhin auf 63,58 m. "Ich weiß, dass ich es drauf habe", so Kirchler. Seine wieder gewonnene Selbstsicherheit ist auch auf das Mentaltraining mit der ehemaligen Hürdenläuferin und Sportpsychologin Monika Niederstätter zurückzuführen, mit der er seit dem Vorjahr zusammenarbeitet.
Die Wettkampfsaison eröffnet Kirchler am 15. Februar bei den Winter-Italienmeisterschaften in Lucca. "Das ist für mich aber nur eine erste Standortbestimmung", so der Meraner, der nach dem Tod seines Trainers Silvano Simeon im Dezember 2010 eine Trainingsgemeinschaft mit Stefano Lomater gebildet hat. Der Kampf um das Olympiaticket beginnt dann im Frühjahr. Die EM (A-Norm 63 m) vom 27. Juni bis 1. Juli in Helsinki ist für Kirchler eher zweitrangig. "Die EM ist sozusagen Plan B, falls es mit Olympia nicht klappen sollte. Aber natürlich möchte ich auf dem Weg zu Olympia auch die EM bestreiten."



