h AlpsHL

Ritten geht mit veränderter Spielerdecke und neuen Zielen in die Saison. © Alle Bilder: Facebook Rittner Buam

Ritten | Verjüngungskur soll Buam sexy machen

Der Rittner Eishockeyverein hat in diesem Sommer entschieden, kleinere Brötchen zu backen. Vom Meistertitel spricht plötzlich niemand mehr. Was im Umfeld anderer Klubs einen Sturm der Entrüstung auslösen würde, wird am sonnigen Hochplateau mit Wohlgefallen aufgenommen. Warum, erklärt der letzte Teil unseres großen AHL-Checks.

„Meistertitel?“, fragte Thomas Rottensteiner am Dienstag bei der Kaderpräsentation amüsiert in die Runde, „Um den können andere Teams kämpfen. Wir wollen in die Top-8, also den Sprung ins Playoff-Viertelfinale schaffen.“ Inwieweit diese Zielsetzung untertrieben oder toternst gemeint war, weiß nur der Rittner Klubboss selbst. Fakt ist aber, dass Ritten einen deutlichen Sparkurs eingeschlagen hat und nun nicht mehr mit Titelverteidiger und Dauerrivale Asiago in einem Atemzug genannt werden kann.

Nicht weniger als zehn Spieler – darunter Goalie Patrick Killeen, Kapitän Christian Borgatello und die erfahrenen Roland Hofer und Tommaso Traversa – haben den Klub verlassen. Geholt wurden nur Cracks der Jahrgänge 1991 und jünger, abgesehen vom 32-jährigen Thomas Tragust, der künftig hinten den Laden dicht machen soll. Mit einem Durchschnittsalter von 23,38 Jahren verfügen die Buam über einen der jüngsten Kader der gesamten Liga.

© .

Der Identifikationsfaktor für die Fans ist hoch. Viele Spieler stammen vom Ritten und wurden dort ausgebildet.

Die Verjüngungskur soll am Ritten nicht nur die Spielerbasis stärken und langfristigen Erfolg garantieren, sondern gleichzeitig auch die Attraktivität steigern, kurzum: Die Buam wieder sexy machen. Denn so erfolgreich Spinell & Co. in Vergangenheit auch waren, das Interesse am Vorzeigeklub aus Klobenstein blieb überschaubar. Bei Spielern, Fans und Sponsoren wurde der Kurswechsel so gut aufgenommen, dass sie offenbar selbst das Ende des jahrelangen Titelrauschs in Kauf nehmen. Wobei wir zum Schluss kommen: Ritten ist auch mit neuer Vereinsphilosophie und abgespecktem Budget ein ganz heißer Halbfinalkandidat.

Trainer Riku Lehtonen (hinten rechts) kann auf einen jungen, breiten Kader setzen.

Der Trainer: Riku-Petteri Lehtonen
Dem finnischen Trainer wird nach drei Jahren des totalen Erfolgs eine neue Aufgabe zuteil. Er muss nicht mehr auf Biegen und Brechen Siege und Titel liefern, wohl aber eine junge Mannschaft weiterentwickeln und dabei die oberen Tabellengefilde im Blick behalten. Mit nahezu blindem Vertrauen von Seiten des Klubs ausgestattet, scheint Lehtonen die neue Zielsetzung zu faszinieren. Wohl auch weil ihm diese Rolle nahezu auf den Leib geschneidert ist: Bereits in den erfolgreichen Jahren ließ er konsequent mit vier Linien spielen, gab den jungen Spielern so viel Eiszeit, wie kaum ein anderer Trainer in der Liga.
Der schwerwiegendste Abgang: Patrick Killeen
Der großgewachsene Torhüter aus Kanada war zwei Saisonen lang der Rittner Erfolgsgarant. Er machte, besonders in wichtigen Spielen, ein ums andere Mal den Unterschied aus. Sein Wechsel nach England ist ein herber Verlust – auch weil, sein Nachfolger Thomas Tragust trotz seiner Erfahrung erst beweisen muss, dass er in seine Fußstapfen treten kann.

© .

Patrick Killeen überlässt seinen Platz im Rittner Tor dem langjährigen Nationalteamgoalie Thomas Tragust.

Der wichtigste Neuzugang: Kai Lehtinen
Er ist zwar unerfahrener und weniger offensivstark als Christian Borgatello, soll aber dennoch die völlig neu formierte Rittner Abwehr führen. Das Zeug dazu hat Kai Lehtinen allemal: Er zeigte jahrelang in der zweithöchsten finnischen Spielklasse seine Qualitäten, stieg dort zuletzt zu einem der besten Verteidiger auf. Mit seiner Ruhe und seiner Pucksicherheit kann er für Rittens junge Mannschaft goldwert sein.
Der Schlüsselspieler: Dan Tudin
Mit seinen 40 Lenzen ist der gebürtige Kanadier und nunmehrige Wahl-Südtiroler der mit Abstand älteste Spieler im Kader. Auf dem Eis muss Tudin nach zwölf Jahren im Ritten-Trikot nichts mehr beweisen, wohl aber als neuer Mannschaftskapitän. Anders als sein impulsiver Vorgänger Christian Borgatello, ist Tudin keiner, der laute Töne spricht. Entscheidend wird sein, ob er mit seinem ruhigen Gemüt und seinem Charisma alle jungen Spieler erreicht und sie zu einer richtigen Einheit zusammenschweißen kann.


Bereits vorgestellt wurden:

Wipptal Broncos
HC Gherdëina
HC Pustertal


Weitere Kaderanalysen und viel Wissenswertes zum AHL-Saisonstart lesen Sie auch im heutigen „Dolomiten“-Sonderheft Radius.

Autor: fop

Kommentare ( ... )

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2018 Sportnews - IT00853870210