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Andreas Bernard mit seinen beiden Kindern und seinen Eltern bei einem Familienausflug. © privat

Andy Bernard ganz privat: „Dann mache ich eben den Hausmann“

Nach zehn Jahren im finnischen Eishockey wollte Andreas Bernard im Frühjahr 2019 etwas Neues erleben. Binnen kürzester Zeit folgte eine Wanderschaft über drei Vereine und drei Länder, die so gar nicht planmäßig verlief. Auch privat musste der 30-jährige Torhüter aus Kaltern in den vergangenen Monaten mehrfach improvisieren.

Fast ein Jahr lang hat Bernard seine Familie und Freunde in Kaltern nicht mehr besucht. Entsprechend groß war die Freude, als er vor drei Wochen mit seinen zwei Kindern im Überetscher Weindorf eingetroffen ist. Bevor es für den Wahl-Skandinavier an diesem Mittwoch zurück nach Finnland ging, stand er SportNews in einem Interview Rede und Antwort. Dabei ging es für einmal nicht primär um den Eishockeysport.


Sie haben in den vergangenen anderthalb Jahren in Mannheim, Helsinki und Budapest gespielt. Was nehmen Sie aus dieser Wanderschaft an Erfahrungen mit?

Andreas Bernard: „Es war eine komische Zeit. Die ständigen Umzüge, Vereinssuchen und der Wechsel meines persönlichen Managements haben Spuren hinterlassen. Ich habe viel nachgedacht, auch über die Zeit nach meiner Karriere. Und dann kam auch noch Corona. Als meine Frau zur Arbeit ging und ich mit den Kindern zuhause war, habe ich mir gedacht: 'Gut, dann mach ich eben den Hausmann'. Das war schon irgendwie ungewohnt.“

„Für mich ist der Zeitpunkt gekommen, auch mal langfristig zu planen“

Welche Schlüsse ziehen Sie für das Leben nach der Eishockey-Laufbahn?

„Ich suche bereits nach einer Tätigkeit, die ich auch nach meiner aktiven Zeit ausüben kann. Ich habe mehrere Interessen, die ich diesbezüglich verfolge. Für mich ist der Zeitpunkt gekommen, auch mal langfristig zu planen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch einige Jahre auf gutem Niveau Eishockey spielen möchte.“


Wie hat Ihre Familie die letzten, turbulenten Monate weggesteckt?

„Eigentlich wollten meine Freundin und ich uns in diesem Sommer in Südtirol das Ja-Wort geben, doch aufgrund der Reiseeinschränkungen mussten wir die Hochzeit um ein Jahr verschieben. Auch so war die Zeit, coronabedingt, keine einfache. Besonders haben das die Kinder gespürt. Deshalb möchten wir für mehr Stabilität im Alltag sorgen. Da wir in Finnland nun glücklicherweise zwei Kindergartenplätze bekommen konnten, wird unsere Familie die nächste Zeit dort ihren festen Lebensmittelpunkt haben. Je nachdem wo ich kommende Saison spielen werde, werde ich aber versuchen, so viel wie möglich bei ihnen zu sein.“

Andreas Bernard ist seit Jahren Italiens Nummer 1. © AFP / PATRIK STOLLARZ


Streben Sie also auch sportlich eine Rückkehr nach Finnland an?

„Im finnischen Eishockey hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Es wird vermehrt auf junge Spieler gesetzte, viele erfahrene Cracks wollen deshalb ins Ausland. Auch das Niveau und die Spielweise haben sich verändert. Klar spielt Finnland in meinen Überlegungen eine Rolle, doch es ist nicht mehr mein großes Wunschziel.“


Stattdessen ist von Interessenten aus der ICE Hockey League die Rede. Wie konkret verlaufen die Gespräche?

„Es gab lose Kontakte in die ICE, auch in Deutschland sind einige Klubs auf der Torhüterposition noch nicht voll besetzt. Doch das ist branchenübliches Vortasten, wirklich spruchreif ist das alles nicht. Kaum ein Klub nimmt jetzt einen Spieler unter Vertrag, wenn die Verantwortlichen noch gar nicht wissen, wann und wie die kommende Saison beginnt. Vereine und Spielerberater stehen in ständigem Austausch, doch kaum irgendwo werden wirklich konkrete Gespräche geführt.“

„Mein Ziel ist Olympia 2026, so lange möchte ich noch spielen“

Sie haben eingangs ihren Beraterwechsel angesprochen. Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Spielern und Agenten vorstellen?

„Die Verbindung zu meinem früheren Manager war mehr eine Freundschaft, als ein Arbeitsverhältnis. Als sich im vergangenen Sommer mehrere Wechsel zerschlagen haben, habe ich gemerkt, dass im Hintergrund viel zu lax gearbeitet wurde. Es folgten schwierige Monate mit unterschiedlichen Beratergesprächen, ehe ich schließlich zu meinem aktuellen Management gefunden habe. Dieses sondiert pausenlos den Markt und gibt mir mindestens ein Mal wöchentlich ein klares Feedback. Leider können aber auch sie in dieser Zeit keine Wunder bewirken.“


Wie wahrscheinlich ist es, dass die heimischen Eishockeyfans Andy Bernard nochmal hierzulande spielen sehen?

„Im Vorjahr war ein Wechsel zum HC Bozen ja zum Greifen nahe (schmunzelt). Mein Fernziel ist Olympia 2026, so lange möchte ich noch spielen. Bis dahin kann noch einiges passieren. Wenn ich meine Karriere in Bozen oder vielleicht sogar in Kaltern beenden könnte, wäre das eine tolle Sache. Und wer weiß, vielleicht zieht meine Familie irgendwann ja doch nochmal um – dann von Finnland nach Südtirol.“



Fragen: Alexander Foppa


Autor: fop

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