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HCB-Kapitän Anton Bernard zieht Bilanz über die Saison. © Alle Fotos: Vanna Antonello

Anton Bernard: „Ich habe einiges begriffen“

In Tagen der Corona-Krise fällt es auch Anton Bernard schwer, das Sportliche in den Fokus zu rücken und die jüngsten Ereignisse fachlich zu analysieren. Im exklusiven Gespräch mit SportNews hat der Kapitän des HC Bozen aber dennoch einen Blick zurückgeworfen und sich erstmals seit der Playoff-Absage zu Themen wie der Entlassung von Trainer Clayton Beddoes, den Wandel einiger Mitspieler und den geplatzten Meistertraum geäußert.


Anton Bernard, wie haben Sie am Dienstag die Entscheidung aufgenommen, dass die Saison so abrupt abgeschlossen wird?


Anton Bernard: „Es ist das eingetroffen, was man irgendwie befürchtet hatte. Es haben sich ja förmlich jeden Tag die Ereignisse überschlagen, deshalb war es keine große Überraschung. Vielmehr ist es einfach eine große Enttäuschung, weil man sich nun eben fragt, was denn in den Playoffs alles möglich gewesen wäre. Wir waren richtig gut in Fahrt. Man muss aber dazu sagen, dass der Sport in diesen Tagen wirklich nicht wichtig ist. Von Bedeutung ist in solchen Momenten einzig unsere Vorbildfunktion und die müssen wir wahren, in dem wir sagen: Stopp, wir bleiben zuhause.“

„Jeder sollte jetzt unbedingt seinen Beitrag leisten.“
Bernard zur Ausbreitung des Coronavirus

Machen Sie sich Sorgen wegen der Corona-Krise?

„Ich habe keine Angst, das nicht. Aber jeder sollte unbedingt seinen Beitrag leisten, dass die Ausbreitung der Krankheit eingedämmt wird und weniger Menschen davon betroffen werden. Nur so können wir alle schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren.“


Was werden Sie in den nächsten Tagen machen?

„Die vergangenen Monate ist zuhause einiges hinten geblieben, das werde ich jetzt anpacken. Ich werde Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen. Mein dreijähriger Sohn lernt gerade das Radfahren, dabei werde ich ihm helfen. Ansonsten werde ich mich aber nicht groß körperlich betätigen, sondern zumindest vorübergehend die Zügel etwas schleifen lassen. Die Saison war sehr kräftezehrend, auch wenn sie früher als geplant zu Ende gegangen ist.“

„Wir hätten das Zeug gehabt, den Titel nach Bozen zurückzuholen.“
Bernard über seinen Meistertraum

Sie sprechen die abgelaufene Spielzeit an. Wie würden Sie diese in wenigen Worten beschreiben?

„Eine einzige Achterbahnfahrt. Wir hatten eine starke Vorbereitung, sind dann schnell in ein Loch gefallen, um dann im Spätherbst einen Mega-Lauf hinzulegen. Erst mit dem nächsten großen Tief kam schließlich die Kehrtwende. Der neue Trainer hat dazu beigetragen, dass jeder seine Rolle im Mannschaftsgefüge gefunden und eingenommen hat. In der Pick Round haben wir dann endlich unser volles Potenzial ausgespielt und sind auch als Team unheimlich eng zusammengewachsen. Wir hätten das Zeug gehabt, den Titel nach Bozen zurückzuholen.“

Anton Bernard erzielte heuer 9 Tore.



Einige Spieler haben in den vergangenen Wochen und Monaten einen enormen Wandel hingelegt. Hat Sie das überrascht?

„Ehrlich gesagt, ja. Aufgrund seiner Doppelfunktion in der Nationalmannschaft und beim HC Bozen, hatte ich gedacht, dass Clayton Beddoes fest im Sattel sitzen würde. Ich hatte zwar die Hoffnung, mit ihm die Kehrtwende zu schaffen, doch von großen Änderung innerhalb der Kabine ging ich nicht aus. Ich hatte schon meine Zweifel, ob das charakterlich alles so zusammenpasst. Binnen weniger Wochen wurde dann aber alles anders.“


Welche Lehren ziehen Sie als Kapitän daraus?

„Das war auch für mich eine enorm wichtige Saison, während der ich einiges begriffen habe. Ich musste Situationen meistern, die ich in dieser Funktion vorher noch nie erlebt hatte. Ich habe gesehen, was möglich ist, selbst wenn die Hoffnung zwischenzeitlich mal schwindet. Dabei wurde ich in meinem Grundsatz bestätigt, dass sich harte Arbeit früher oder später auszahlen wird.“

„Es gilt abzuwarten, wie angespannt die finanzielle Situation beim HCB sein wird.“
Bernard mit Blick auf die nächste Saison

Wie groß ist bei Ihnen die Hoffnung, dass dieses gut funktionierende Team über den Sommer hinaus zusammenbleibt?

„Zunächst einmal gilt abzuwarten, wie angespannt die finanzielle Situation beim HCB nach der Playoff-Absage sein wird. Von den Fans höre ich immer wieder den Satz 'Ihr habt nächste Saison noch was zu Ende zu bringen'. Auch mein Traum ist es, genau mit diesen Mitspieler da weiterzumachen, wo wir am Wochenende aufgehört haben. Doch ich selbst habe ja noch gar keinen Vertrag fürs nächste Jahr, geschweige denn die ausländischen Cracks. Mit Sicherheit wird es auch in diesem Sommer wieder einige Änderungen in Bozen geben. Ich gehe aber davon aus, dass ich und viele meiner aktuellen Mannschaftskollegen im August mit dem HC Bozen wieder durchstarten werden – dann allerdings bei null.“

Seit letztem Jahr ist Beranrd der HCB-Kapitän.



Haben Sie in den vergangenen Tagen ihren Mitspielern als Kapitän noch einen speziellen Gruß mit auf den Weg gegeben?

„Eigentlich wollten wir heute Mittag zumindest nochmal essen gehen und so gemeinsam dieses Abenteuer ausklingen lassen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Ich konnte mich heute Morgen in der Eiswelle nur mehr bei jedem persönlich verabschieden, dann haben alle ihre Sachen gepackt und sind gefahren.“


Vielen Dank für das Gespräch.

„Darf ich nur noch eine kurze Botschaft loswerden?“


Bitte...

„Ich möchte mich bei allen für die unglaubliche Unterstützung in den letzten Heimspielen, aber auch über die gesamte, schwierige Saison hinweg bedanken. Der harte Kern der Fans ist immer wie eine Wand hinter uns gestanden, das hat sich in der Pick Round bezahlt gemacht. Ich hoffe, wir alle sehen uns im Herbst in der Eiswelle wieder. Bleibt gesund!“


Fragen: Alexander Foppa

Autor: fop

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