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Angelo Miceli, dahinter Paul Geiger und Tim Campbell (rechts). © Alle Bilder: Vanna Antonello

Das große HCB-Zeugnis: Von Musterschüler bis Sitzenbleiber

Mit einem Penaltysieg gegen Skellefteå ist der HCB Südtirol Alperia am 31. August in die Pflichtspielsaison 2018/19 gestartet. Bis zum letzten Auftritt am Freitag in Klagenfurt folgten 234 Tage, die turbulenter kaum verlaufen hätten können. 234 Tage beziehungsweise 67 Spiele, die ausreichen, um die Spieler auf den Prüfstand zu stellen und ihre Leistungen mit klassischen Schulnoten zu bewerten. Hier das SportNews-Zeugnis.

Von Alexander Foppa und Martin Straudi

Torhüter

Leland Irving: 8
Selten wirklich spektakulär, dafür aber genau jener Typ Goalie, den sich jeder Verteidiger im Rücken wünscht: Ein Ruhepol, der Sicherheit ausstrahlt und kaum Rebounds zulässt. Er hielt viele Spiele für den HCB bis zuletzt offen. Ligaweit zweifelsfrei einer der besten seiner Zunft.

Jake Smith: 7,5
„Jake the Snake“ bestach durch Reaktionsschnelligkeit und Wendigkeit. Mit spektakulären Saves parierte er Unhaltbares, dafür ging aber Haltbares manchmal rein. Schafft er es, über 60 Minuten konstant zu sein, so darf er bald Nummer-Eins-Ansprüche stellen. Bis dahin bleibt er als Backup ein Luxus.

Verteidiger

Tim Campbell: 7
Er war der Defensiv-Neuzugang mit der geringsten Erwartungshaltung im Gepäck, erwies sich aber als Glücksgriff. Mit 27 (!) Torvorlagen und 7 Treffern war er Bozens gefährlichster Verteidiger. Jene Klasse, die er in der Vorwärtsbewegung ausspielt, fehlt ihm aber noch in der Abwehrarbeit.

Paul Geiger: 6
Der robuste Kanadier, der im Sommer aus der ECHL kam, stellte seine EBEL-Tauglichkeit zweifelsfrei unter Beweis. Schnörkellos und – bis auf wenige Ausnahmen zum Saisonstart und in den Playoffs – fehlerfrei, doch im Spielaufbau haperte es ein wenig.

Daniel Glira: 6,5
Unter Trainer Kai Suikkanen hatte der Toblacher einen sehr schweren Stand. Mit viel Trainingsfleiß kämpfte er sich aber heran und rechtfertigte seine Eiszeit mit soliden Auftritten – besonders ab Ende des Grunddurchgangs. Bleibt er nun konstant, ist ihm sein Platz ihm Kader nicht zu nehmen, wenngleich der Schritt zum Leistungsträger noch viel zu groß ist.

Matt MacKenzie: 6
Anders als Geiger wechselte der zweite Kanada-Import in der Verteidigung mit viel AHL-Erfahrung nach Bozen – und muss sich auch an dieser messen lassen. Schlussendlich war er mehr Mitläufer als Führungsspieler. Womöglich wäre er mit seiner soliden Spielweise zu einem wichtigen Faktor in den Playoffs geworden, hätte er sich nicht genau zum ungünstigsten Zeitpunkt verletzt.

Stefano Marchetti: Solider Verteidiger und Führungsspieler beim HCB.

Stefano Marchetti: 6,5
Er hat weit weniger Talent als viele seiner Abwehrpartner und dennoch ist er aus dem hinteren Mannschaftsteil nicht mehr wegzudenken. Er genießt teamintern ein sehr hohes Standing. Sein Einsatz und sein Stellungsspiel sind vorbildlich, nur wenn das Spiel schnell wird, offenbaren sich bei ihm Defizite.

Markus Nordlund: 7
Seine Stärken wurden in der zweiten Saisonhälfte ersichtlich: Technisch gefeilt, enorme Spannweite bei Scheibenbesitz und oft erster Spielmacher. Seine wenigen Aussetzer widerfuhren ihm aber immer in Schlüsselmomenten. Das drückt die Note, verhindert aber nicht folgendes Schlussurteil: Nordlund war der beste HCB-Verteidiger.

Tobias Brighenti: –
Der Schritt in die EBEL erwies sich für den jungen Margreider zu Saisonbeginn als zu groß. Da er seitdem aber wieder beweist, dass er einer der zuverlässigsten Verteidiger der AlpsHL ist, hat er sich eine zweite Chance in Bozen verdient.


Jordan Rowley: 5,5

Im November als Überraschungstransfer geholt, erwies er sich nie als richtige Verstärkung, wenngleich gute Ansätze da waren. So musste er vorzeitig wieder gehen – was sich später, aufgrund der folgenden Ausfälle, als falsche Entscheidung erweisen sollte.

Ivan Tauferer: –
Er wurde in der brenzligsten Saisonphase drei Mal eingesetzt und bestach auf Anhieb durch gutes Zweikampfverhalten und einem sicheren ersten Pass. Für eine Bewertung reicht es freilich nicht, wohl aber für einen Tipp an die Klubführung: Vertrag anbieten!

Stürmer

Anton Bernard: 7
Sein erstes Jahr als Kapitän war kein einfaches. Nach einem schwachen Start ist er aber an seiner Aufgabe gewachsen, ging mit Engagement voran. Besonders in heiklen Momenten war er zur Stelle, wie seine Treffer im Unterzahlspiel (4) und in den Playoffs (3) beweisen. Mit 13 Saisontoren fixierte Bernard eine neue persönliche Bestmarke – und das obwohl das „C“ auf der Brust ein schwerer Ballast war.

Eine Enttäuschung: Mike Blunden konnte die Erwartungen in Bozen nicht erfüllen.


Mike Blunden: 5,5
Hätte der Mann nicht 135 Spiele in der NHL auf dem Buckel, wäre ihm eine positive Bewertung sicher. Doch genau das ist der Haken. Von einem Spieler seines Kalibers muss viel mehr kommen. Sein unbestrittenes Talent, seine Härte und seine Persönlichkeit blitzten zwar auf, doch zu deutlich war der Leistungsabfall in den entscheidenden Spielen.

Riley Brace: 6
Als Ersatz für den verletzten Blunden geholt, konnte er die Chance nutzen und sich in der EBEL behaupten. In 27 Spielen sammelte er beachtliche 20 Punkte, doch genau mit Playoff-Beginn verschwand er von der Bildfläche. Wohl auch deshalb bleiben kaum glanzvollen Momente von ihm in Erinnerung.

Massimo Carozza: 5,5
Als Null-Punkte-Spieler kam der junge Italo-Kanadier ohne Vorschusslorbeeren nach Südtirol und Suikkanen schickte ihn prompt monatelang auf die Tribüne. Erst die Verletztenmisere spülten ihn ins Team. Zwar blieb er unauffällig, doch seine Spritzigkeit und sein Antritt werfen eine unbeantwortete Frage auf: Wie hätte er sich in einer kompletten Saison auf Eis geschlagen?

Von Dan Catenacci hatte man sich beim HCB deutlich mehr erwartet.


Dan Catenacci: 5
In der ersten Saisonphase im Dreierbund mit Blunden und Findlay noch phänomenal, entpuppte er sich bald als große Enttäuschung. Der Leistungsträger aus der AHL wirkte in der EBEL viel zu eigensinnig, abschlussschwach und fehleranfällig. Aufgrund seines unbestrittenen Talents wird er Fans anderer Vereine noch Freude bereiten, jenen des HC Bozen mit Sicherheit nicht mehr.

Andrew Crescenzi: 4,5
Er hat das Saisonfinale verletzungsbedingt verpasst, doch sein Ausfall war kein Verlust. Ob Behäbigkeit, Zweikampfschwäche und fehlender Spielwitz auf seine anhaltenden Rückenschmerzen zurückzuführen sind, wird ungeklärt bleiben, ändert aber auch nichts an der Gesamteinschätzung: Crescenzi war einer der größten Fehleinkäufe der jüngsten Klubgeschichte.

Ivan Deluca: 7
Kein Südtiroler hat in den vergangenen Jahren den Sprung in die EBEL so rasch gemeistert wie der 21-jährige aus Sterzing. Mit viel Selbstvertrauen eroberte er sich auf Anhieb einen Fixplatz im Kader und stand regelmäßig am Eis – selbst im Powerplay. Er könnte beim HCB langfristig eine Größe werden.

Brett Findlay: 7,5
Er war der Ausnahmespieler im HCB-Trikot, Topscorer und Assist-König. Mitunter wirkte er etwas verspielt, doch mit seiner begnadeten Technik und seiner blendenden Übersicht brachte er die Fans phasenweise in Ekstase – aber eben nur phasenweise. Auch der begnadete Findlay war nämlich vor Leistungsschwankungen nicht gefeilt.

Daniel Frank: 6,5
Er rackert, läuft, kämpft und das alles mit unermüdlichem Einsatz. Technisch zwar limitiert, aber im Forechecking und Kampf gegen den Puck sehr wichtig, zudem schreckt er vor keinem Zweikampf zurück. Spieler mit dieser Leidenschaft wurden bei Bozen in der abgelaufenen Saison vermisst.

Luca Frigo: 6,5
Der Piemontese bestritt zwar weniger Einsätze als die beiden Spielzeiten zuvor, punktete aber häufiger. Viele seiner 20 Scorerpunkte lieferte er in wichtigen Momenten. Doch nicht nur statistisch, auch in Sachen Spielverständnis und Puckhandling hat er nachgelegt. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass er endlich verletzungsfrei durch eine gesamte Saison kommt.

Marco Insam: 6
Er blieb nach seiner Rückkehr aus Finnland hinter den Erwartungen. Auf die bärenstarken Auftritte in der CHL folgte eine lange Schwächephase, während der immer wieder klar wurde: Bozen braucht einen Marco Insam in Topform. Mit 29 Scorerpunkten war er aber noch immer der gefährlichste Südtiroler im Kader.

Zwei Fehleinkäufe: Andrew Crescenzi jubelte weniger oft als erwartet, genauso wie Matti Kuparinen (rechts).


Matti Kuparinen: 5
Er kam als Kapitän eines finnischen Erstligisten und war eigentlich als Leistungsträgers eingeplant. Diesen Status erreichte er aber nie. Er passte nicht ins System von Suikkanen, blieb im Spiel nach vorne oft wirkungslos. Seine physische Präsenz konnte darüber nicht hinwegtäuschen.

Angelo Miceli: 6,5
Seine war eine Saison mit Höhen und Tiefen. In der Regular Season fiel er häufig als Egoist und mit leichtfertigen Puckverlusten auf, danach wurde er aber stärker, lieferte entscheidende Assists und avancierte zum zweitbesten Scorer. Sein Stickhandling ist eine Augenweide.

Alex Petan: 7
Er konnte nicht an die Leistungen aus der Meistersaison anknüpfen, war aber immer noch einer der Besten beim HCB. Einsatz, Spielübersicht und Technik zeichnen den italienischen Nationalspieler aus. Der Klub täte gut daran, ihn für ein weiteres Jahr zu binden, ehe womöglich ein Ligakonkurrent sein Portmonee öffnet.

Viktor Schweitzer: 6
Der Niederdorfer verbrachte den Großteil der Saison als Zuschauer – selbst als es viele Verletzte zu beklagen gab. Wenn er aber gebraucht wurde, machte er seine Sache ordentlich und traf immerhin drei Mal ins Schwarze. Sollte er nächste Saison nochmal die Chance bekommen, muss der Durchbruch gelingen.

Trainer

Kai Suikkanen: 6
Der Meistermacher hat es in seinem zweiten Jahr in Bozen nicht geschafft, die Spieler an ihr Leistungsmaximum zu führen und den letztjährigen Playoff-Spirit zu entfachen. Nichtsdestotrotz hat er mit dem sensationellen Abschneiden in der Champions League und dem vorzeitigen Erreichen des Playoff-Viertelfinales sämtlichen Vorgaben umgesetzt.

Clayton Beddoes: –
Die Spieler haben seine Art zu coachen sofort angenommen, doch die Ergebnisse waren nicht besser als zur Suikkanen-Zeit. Jedenfalls lässt sich die Arbeit des Trainers nicht anhand von fünf Playoff-Spielen bewerten.

Autor: fop/ms

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Kommentare (1)

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Rampelotto Felix [melden]

Benotungen sind nicht einfach. Habe sämtliche Heimspiele des HCB verfolgt. Brett Findlay würde m.E. zu gut benotet, die Verletzung in Klagenfurt hat er sich in der Rauferei mit N.Kraus in Klagenfurt selbst zuzuschreiben und somit die Mannschaft entscheidend geschwächt, also nur 7. Mike Blunden hat sich zumindest kämpferisch ausgezeichnet und mit dem HCB identifiziert, also zumindest eine 6.
Die größte Enttäuschung war jedoch Rüvkkehrer Marco Insam, dessen gesamte Saison ich mit einem ungenügend quittieren würde, also 5 und keinen Hauch besser als Kuparinen. Eine Steigerung im Play-off konnte dieses Manko nicht wettmachen.

29.03.2019 18:50

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