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Die jüngste Durstrecke treibt HCB-Trainer Kai Suikkanen die Sorgenfalten ins Gesicht. © APA / EXPA/JFK

Drei Versuche der Krisenbewältigung

Zwei Tage vor dem wichtigen Spiel gegen Klagenfurt hat SportNews dem HCB Südtirol Alperia einen Trainingsbesuch abgestattet und dabei festgestellt: Die Foxes suchen noch nach dem richtigen Weg aus dem Tief.

Mit der Heimniederlage gegen Salzburg ist der HC Bozen dem „Strich“ bedrohlich nahe gerückt. Nur mehr fünf Punkte trennen den Meister von den Relegationsplätzen – und die Aussichten sind düster, denn es warten gegen den KAC, Linz und Wien hammerharte Heimspiele, zudem stehen noch die ungeliebten Auswärtsfahrten nach Znojmo, Graz und Székesfehérvár an. Nach fünf Pleiten aus den jüngsten sechs Spielen muss der HCB das Ruder sofort rumreißen, um seine Playoff-Teilnahme nicht aufs Spiel zu setzen. Doch: Wie soll das gelingen?

Die Knoll-Methode: Reden

Klub-Boss Dieter Knoll scheint seine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Er führte noch am Sonntagabend, unmittelbar nach dem Salzburg-Spiel, in den Katakomben der Eiswelle erste Gespräche. Weitere folgten in den vergangenen Tagen. Er nahm sich den Trainer zur Brust, dann die einheimischen Spieler und die ausländischen Cracks. Er wollte von den Protagonisten hören, was ihrer Meinung nach schiefläuft, redete ihnen ins Gewissen und appellierte ans vielzitierte Bozner Kämpferherz.

Sollte der Abwärtstrend anhalten, dürfte Knoll seinen Worten alsbald Taten folgen lassen. Streichkandidaten im Kader gäbe es gleich mehrere, allerdings hat aufgrund ihrer jüngsten Leistungen bis dato noch kein möglicher Abnehmer angeklopft.

Die Suikkanen-Methode: Ruhe beibehalten

Einen ganz anderen Weg wählt indessen Trainer Kai Suikkanen. Er lässt Ruhe walten. Zwar sucht auch er das Gespräch mit den Spielern, macht das aber in unverändertem Ausmaß. Es kommt selten vor, dass der Finne richtig laut wird, gleichzeitig sind aber auch lobende, aufbauende Worte äußerst rar.

Auch bei Personalentscheidungen setzt Suikkanen auf seine eigene, bewährte Art: Spieler, die sich nicht einbringen, wie zuletzt Dan Catenacci, verdonnert er noch während der Partie auf die Ersatzbank. Andere werden im Liniensystem strafversetzt. So geschehen beim emsigen Kuparinen, der bei seinem Landsmann hinter der Bande kein allzu hohes Standing genießt. Am Ende lässt aber auch „General“ Suikkanen häufig Gnade walten. Ob Catenacci, Cresenzi, Geiger oder MacKenzie – sie alle müssen ob fehlerhafter Auftritte nicht um ihren Platz im Kader fürchten, dabei wäre mit Glira, Carozza oder Schweitzer durchaus Ersatz zum Rotieren vorhanden. Suikkanen zehrt (zu Recht) noch immer vom Meisterbonus, nun muss er sich aber aufs neue als Krisenbewältiger beweisen – die Wahl der Methoden dazu steht ihm frei.

Die Spieler-Methode: Zusammenhalten

Nicht nur Knoll und Suikkanen suchen nach Wegen aus dem Tief, auch die Spieler selbst sind nach Lösungen bemüht. Dabei sickert immer wieder eine Devise durch: Wir müssen zusammenstehen! „Eine feste Einheit müssen wir sein. Nur so kann die Kehrtwende gelingen“, predigt Marco Insam unermüdlich. Dazu muss eine durchaus intakte Mannschaft aber noch weiter zusammengeführt werden, es gilt die Blöcke an einheimischen, skandinavischen und kanadischen Spielern zu lösen. Insam selbst, aber auch Kapitän Anton Bernard oder Mike Blunden als teaminterner Anführer, der trotz noch auszukurierender Verletzung beim Training auf dem Eis steht, sind nun gefordert. Sie müssen ihren Mitspielern den unbedingten Siegeswillen einimpfen und dafür sorgen, dass keiner aus der Reihe springt. Ansonsten droht die Methode Zusammenhalt zu scheitern.
„Ich hoffe auf meine Chance“
Daniel Glira
Dazu zählen auch die zu Randfiguren gewordenen Cracks, wie Verteidiger Daniel Glira, der selbst sagt: „Ich kann mich nur voll reinhängen und hoffen, dass ich meine Chance bekomme, dem Team in dieser Situation zu helfen.“ Ein Detail am Rande: Glira war beim Mittwoch-Training einer der letzten, der das Eis verlassen hat. Nur Insam drehte danach in der Eiswelle noch seine Extrarunden. Zu dem Zeitpunkt waren Suikkanen und sein Assistent Phil Barski zwar schon längst im Kabinengang verschwunden, doch das Engagement dürfte auch ihnen nicht verborgen bleiben.

Autor: fop

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