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Jubel beim KAC nach dem Gewinn des Meistertitels in Bozen. Die Saison 2020/21 ist Geschichte. © APA / EXPA/JOHANN GRODER

Meisterfeier in der Eiswelle: Klagenfurt jubelt, Bozen trauert

Auf den Tag genau drei Jahre nach der märchenhaften Meisternacht in Salzburg erlebt der HCB Südtirol Alperia eine seiner bittersten Stunden in der ICE Hockey League. Er musste dem Klagenfurter AC im eigenen Wohnzimmer die Meistertrophäe überlassen.

Die Saison 2020/21 in der ICE Hockey League ist Geschichte. Am Ende jubelt nicht der Sieger des Grunddurchgangs und der Zwischenrunde, sondern verdientermaßen der Dauerverfolger aus Klagenfurt: Der KAC besiegte den HC Bozen im fünften Finalspiel mit 5:3 und entschied somit die Finalserie 4:1 zu seinen Gunsten.


Für den österreichischen Rekordchampion ist es der Meistertitel Nummer 32. Die Foxes dagegen müssen mit dem Umstand leben, sich im letzten, so hart umkämpften Spiel in der Eiswelle selbst das Grab geschaufelt zu haben. Im Duell mit den neuerlich sehr starken Kärntnern waren die Bozner Strafen ausschlaggebend, allein drei davon führten zu Gegentoren.

Dabei begann die Partie noch ganz nach dem Geschmack der Hausherren, die mit Vehemenz in die Partie starteten und bereits in der sechsten Minute in Führung gingen. Einmal mehr war es der formstarke Luca Frigo, der eine schön herausgespielte Chance mit seinem vierten Playoff-Tor zum 1:0 Abschluss. Zum Vergleich: In der Regular Season und der Zwischenrunde hatte er insgesamt nur fünf Treffer erzielt.

Besonders das Startdrittel war geprägt von hartem Kampf auf beiden Seiten. © V. Antonello


Mit dem Bozner Führungstor nahm die Partie so richtig Fahrt auf, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem jeder der vielen hart geführten Zweikämpfe die Brisanz zusätzlich erhöhte. Mit Fortdauer der Partie gewann Klagenfurt aber allmählich die Oberhand, was in einer enormen Drangphase gipfelte. Diese stellte schließlich auch das Ergebnis völlig auf den Kopf: Noch vor dem ersten Pausentee kam die Scheibe etwas glücklich auf den langen Pfosten zu Nick Petersen, der nur mehr zum 1:1 eindrücken brauchte. Es war der 39. Torschuss des langjährigen DEL-Stürmers in diesen Playoffs – und dabei der zehnte Treffer (!).
Halmo schwächt den HCB enorm
Nach dem ersten Seitenwechsel machten die Rotjacken in der selben Gangart weiter, wobei sie nun Unterstützung aus den Bozner Reihen erhielten, nämlich in Person von Mike Halmo. Der kanadische Hitzkopf, der im ersten Drittel mehrfach hart angegangen wurde, ebnete Klagenfurt durch zwei völlig unnötige Strafen den Weg zur Zwei-Tore-Führung. Im ersten Powerplay traf Matt Fraser per Rebound in die Maschen, das zweite Überzahlspiel münzte Rok Ticar völlig freistehend vor Torhüter Leland Irving ins 3:1 um.

HCB-Coach Greg Ireland reagierte erbost, nahm ein Time-out und ließ Halmo für einige Minuten auf der Bank schmoren. Lange kam der HCB jedoch nicht ohne sein Enfant Terrible aus, denn dann wurde er wieder im Powerplay benötigt. Dieses brachte Bozen wieder ins Spiel zurück: Dustin Gazley stand in der 34. Minute nach einem Catenacci-Schuss goldrichtig und drückte die Scheibe erstmals seit exakt einem Monat über die Linie.

In dieser Szene erzielt Rok Ticar das zwischenzeitliche 3:1 für den KAC. © APA / EXPA/JOHANN GRODER


Die Bozner Aufholjagd wurde im Schlussdrittel aber jäh gebremst. Dan Catenacci musste unmittelbar nach Wiederbeginn wegen Beinstellens auf die Strafbank, was ihn dermaßen auf die Palme brachte, dass die Unparteiischen gleich nochmal zehn Minuten drauflegten. Danach lief die Partie nur wenige Sekunden, als die Refs neuerlich einschreiten mussten und Nick Plastino zu Catenacci in die Kühlbox schickten. Das neuerliche Geschenk nahm KAC-Stürmer Matt Fraser dankend an. Mit dem Klagenfurter 4:2 war die Suppe aber noch nicht gelöffelt, denn elf Minuten vor Schluss brachte Brett Findlay die Foxes mit einem Powerplaytor nochmal heran.
Findlay weckt nochmal Hoffnungen
In der verbleibenden Schlussphase entwickelte sich in der Eiswelle eine elektrisierende Spannung, erst recht als Bozen zwei Minuten vor dem Ende Irving für einen sechsten Feldspieler vom Eis nahm. Findlay und Halmo fanden beste Möglichkeiten zum Ausgleich vor, doch anstatt der Verlängerung folgte nach exakt 58.52 Minuten die bittere Gewissheit: Manuel Geier wurde vor dem verwaisten Bozner Gehäuse zu Fall gebracht, der Treffer per technischem Entscheid zugesprochen − 5:3! Danach gab es auf der Klagenfurter Bank kein Halten mehr.

Die Spieler des HC Bozen beobachteten die Kärntner Meisterfeier mit gesenktem Haupt. Es ist die erste Finalpleite des erfolgsverwöhnten Klubs aus der Landeshauptstadt seit satten 22 Jahren. Letztmals ging der HCB 1998/99, in der damaligen Serie A1, gegen den HC Meran als Verlierer aus einer Endspielserie. An die sechs glorreichen Meistertitel in den Jahren dazwischen mag an diesem Abend in der Eiswelle niemand denken.

HCB Südtirol Alperia – Klagenfurter AC 3:5
HCB: Irving (Fazio); Robertson-Youds, Plastino-Di Perna, Fournier-Tauferer, Pietroniro; Halmo-Catenacci-Bardaro, Frank-Findlay-Gazley, Frigo-Bernard-Miceli, Giliati-Alberga-Deluca, Pitschieler
Coach: Ireland

KAC: Dahm (Madlener); Steffler-Vallant, Strong-Schumnig, Unterweger-Gregorc, Kernberger-Cijan; Fraser-Koch-Haudum, Ganahl-Ticar-Petersen, Bischofberger-Hundertpfund-Witting, Stefan Geier-Manuel Geier-Obersteiner
Coach: Matikainen

Tore: 1:0 Luca Frigo (5.08), 1:1 Nick Petersen (17.07), 1:2 Matt Fraser (21.24), 1:3 Rok Ticar (26.01), 2:3 Dustin Gazley (33.03), 2:4 Matt Fraser (41.26), 3:4 Brett Findlay (48.47), 3:5 Manuel Geier (58.52)

Endstand in der Best-of-7-Serie: 1:4


Hier gibt's den kompletten Spielverlauf zum Nachlesen.




Schlagwörter: Eishockey

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