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Alexander Egger tritt als frischgebackener Meister ab. © DLife

TEIL1 | Alex Egger: „Als ich noch den Busfahrer spielte“

Seit jenem magischen Abend im Salzburger Volksgarten, an dem sich der HC Bozen zum zweiten Mal den EBEL-Titel gesichert hat, ist fast ein Monat vergangen. Die Feierlichkeiten sind abgeklungen, mittlerweile ist es ruhig geworden um die Foxes – speziell um deren Kapitän Alexander Egger, der sich mit dem Meisterpokal in Eishockey-Ruhestand verabschiedet hat. SportNews hat mit ihm ein zweiteiliges Interview geführt.

Alexander Egger, wie oft denken Sie noch an die Augenblicke nach Spiel 7 in Salzburg zurück?

Alexander Egger: Das passiert längst nicht mehr so oft, wie noch in der Woche nach dem Triumph. Da stand alles tagelang Kopf und es gab in meinem Leben kaum ein anderes Thema. Das hat sich gelegt. Allerdings sprechen mich täglich immer noch Leute auf den Meistertitel an, dann werden die Erinnerungen automatisch aufgefrischt.


Werfen wir den Blick etwas weiter zurück: Was unterscheidet den Alexander Egger von 1998 vom aktuellen?

Damals war ich ein junger Bub, der gerade erst vom EV Bozen zum HCB in die Serie A gewechselt ist. Ich musste richtig auf die Zähne beißen, um mich bei den Großen zu behaupten. Danach kam eine Phase der Stagnation, in der ich vielleicht etwas überheblich war, mich mit dem Ist-Zustand zufrieden gab. Erst später, als ich bereits Kapitän war und die nötige Erfahrung hatte, habe ich nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Egger der letzten Jahre hat gelernt, seinen eigenen Sturkopf abzulegen, ein Team zu führen und sich stets weiterzuentwickeln.

„Hätte auch früher in die EBEL wechseln können“

Hätten Sie diese Entwicklung früher genommen, wäre Ihnen vermutlich die Tür zu einer noch höheren Liga offen gestanden…

Das war nie meine Ambition. Ich hatte bereits vor dem EBEL-Beitritt des HC Bozen die Möglichkeit, nach Innsbruck oder Székesfehérvár zu wechseln, doch ich habe es vorgezogen, in meinem vertrauten Umfeld zu bleiben. Mir war das als Spieler stets wichtig. Wobei ich sagen muss, dass mich die drei Jahre, in denen ich bei Ritten unter Vertrag stand, enorm weitergebracht haben. Dort musste ich mich als Bozner erstmal unter Beweis stellen, habe gelernt Verantwortung zu übernehmen.

Ein Bild aus dem Jahr 2001: Alexander Egger (r.), damals noch als Center eingesetzt, jubelt nach einem Tor. © Pattis


Hätten Sie zu jenem Zeitpunkt gedacht, später nochmal in der rappelvollen Eiswelle zu spielen und zwei EBEL-Titel einzufahren?

Das hätte ich mir wirklich niemals erträumt. Als Kind bin ich noch zu den Heimspielen in die Romstraße gegangen, habe die ersten Jahre in der Eiswelle miterlebt. Das waren beeindruckenden Momente. Als ich es dann endlich in die Serie A geschafft hatte, spielten wir plötzlich im leeren Stadion, auch auswärts waren häufig nur ein paar hundert Zuschauer auf den Rängen. Da fragt man sich schon: Ist das jetzt alles? Ich bin unheimlich dankbar, dass ich diesen großen Aufschwung in Bozen noch miterleben durfte und Teil dieses Phänomens sein durfte. Wir haben hier einen schlafenden Riesen geweckt.

„Hjalmarsson war der Beste“

Von welchem Ihrer ehemaligen Mitspieler konnten Sie sich am meisten abschauen?

Deron Quint, der 2004 direkt aus der NHL nach Bozen kam, hat mich am meisten beeindruckt. Von ihm habe ich wirklich viel gelernt. Der beste war allerdings Niklas Hjalmarsson, mit dem ich während des NHL-Lockouts über mehrere Wochen in einer Linie spielen durfte. Das war eine riesengroße Ehre für mich. Als Stürmer bleiben mir besonders Sergei Vostrikov und Igor Maslennikov in Erinnerung. Wie die mit ihrer Technik harmonierten, das war der absolute Wahnsinn. Da fällt einem als junger Spieler erstmal die Kinnlade runter.


Wer war der beste Stürmer, der Ihnen am Eis gegenüberstand?

Da könnte ich viele nennen, von einem Henrik Zetterberg über einen Yevgeni Malkin bis hin zu einem Pavel Datsyuk. Wenn man gegen Spieler diesen Kalibers ran muss, dann hat man schon ein mulmiges Gefühl. Allerdings habe ich das immer als Privileg empfunden. Als italienische Nationalspieler hatte ich die Chance, mich bei Weltmeisterschaften mit den absoluten Superstars zu messen. Davon träumen viele andere Eishockeyspieler, die um Längen besser sind als ich, aber nicht die Möglichkeit haben, in einem Nationalteam aufzulaufen.

Alexander Egger (l.) war jahrelang der Kapitän der Nationalmannschaft. © APA/epa / TATYANA ZENKOVICH


Können Sie uns eine Anekdoten aus Ihrem Leben als Eishockey-Spieler erzählen?

Mit all dem, was ich in Bozen erlebt habe, könnte ich ganze Bücher füllen (lacht). Für uns ältere Spieler wurden die vielen Kuriositäten irgendwann zur Gewohnheit, doch die Ausländer mussten sich häufig erstmal ungläubig die Augen reiben. Denen mussten wir dann erklären, dass hier vor kurzer Zeit noch ganz andere Verhältnisse herrschten.


Was nannten Sie ihnen als Beispiel?

Etwa die Zeiten, als ich bei Auswärtsspielen noch den Busfahrer spielte. Damals fuhren wir noch in alten Kleinbussen durch die Gegend. Häufig musste ich hinters Steuer und meine Mannschaftskollegen nachts aus den entferntesten Winkeln Norditaliens nach Hause fahren, während die es sich auf den Rückbänken zwischen den Eishockeytaschen gemütlich machten und schliefen.



Im 2. Teil des großen SportNews-Interviews verrät Alexander Egger, wie sein Alltag ohne Eishockey aussieht und welche Funktion er in Zukunft beim HCB bekleiden möchte.

Autor: alexander foppa

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