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Daran muss man sich gewöhnen: Alexander Egger im feinen Zwirn anstatt im Eishockeytrikot. © Neumayr/Leo

TEIL2 | Alex Egger: „Ich würde gerne im Verein mit anpacken“

Seit knapp einem Monat ist Alexander Egger im Eishockey-Ruhestand. Sein Leben hat sich seit Spiel 7 der Finalserie gegen Red Bull Salzburg schlagartig geändert – und dennoch: Die schnellste Sportart der Welt lässt ihn so schnell nicht los.

Im 1. Teil des großen SportNews-Interviews haben wir die bewegte Laufbahn des ehemaligen Kapitäns des HC Bozen Revue passieren lassen, nun wollen wir mit ihm einen Blick auf die Karriere nach der Karriere werfen.


Alexander Egger, haben Sie Ihren Entschluss, die Karriere zu beenden, nach dem Sieg im entscheidenden Finalspiel nochmal hinterfragt?

Eines vorweg: Für mich ist es sicherlich nicht der von vielen zitierte perfekte Zeitpunkt, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Ausgerechnet jetzt, im schönsten Moment abzutreten, ist sehr schwierig. Doch die Entscheidung steht, daran wird nicht mehr gerüttelt. Ich habe mich bewusst für die Familie entschieden, da ist der sportliche Erfolg zweitrangig.

„Es ist nicht der perfekte Zeitpunkt zu gehen“

Also war die Meisterfeier gleichzeitig eine Abschiedsfeier. Konnten Sie den jüngeren Cracks denn beim Party-Marathon das Wasser reichen?

Aber klar! Zumindest die erste Nacht war ich einer der letzten Drei oder Vier, die nach Hause gegangen sind. Ich muss aber zugeben: An den Tagen danach habe ich die eine oder andere Verschnaufpause gebraucht. In Bozen ist man es gewohnt Meistertitel zu feiern, aber nach einer solch dramatischen Saison war es dann doch etwas ausgelassener als sonst.

© DLife

Alexander Egger tritt als zweifacher EBEL-Meister ab.


Mit wie viel Wehmut werden Sie die Champions-League-Auslosung in Kopenhagen verfolgen?

Natürlich wäre es schön gewesen, nochmal gegen die ganz großen Klubs zu spielen, nochmal neue Städte kennen zu lernen. Doch diesen Anreiz wollte ich nicht gelten lassen. Denn im Laufe der Saison wären dann wieder die langen, mittlerweile gewohnten Auswärtsfahrten nach Tschechien oder Ungarn angefallen. Spätestens dann wäre die Motivation wohl wieder geschwunden, auch weil meine Kinder an Wochenenden zuhause weiter nach ihrem Vater fragen gemusst hätten.


Richten wir den Fokus nach vorne: Welche Zukunft prophezeien Sie dem italienischen Eishockey und speziell dem HC Bozen?

Der HCB hat mit dem EBEL-Beitritt alles richtig gemacht, allerdings wurde die Jugendarbeit lange vernachlässigt. Das hat man mittlerweile erkannt und mit Enrico Dorigatti einen kompetenten Mann für diesen Bereich gewonnen. Ich sehe den Verein jetzt gut aufgestellt. Generell gilt für das heimische Eishockey: Wir müssen die jungen Spieler behalten und sie zuhause weiterentwickeln. Dafür müssen aber die Nachwuchsbereiche mehr gefördert und gute Jugendtrainer engagiert werden. Bislang ist es leider immer noch so, dass Spieler, die im Ausland ausgebildet wurden, in der Entwicklung meilenweit voraus sind.

© APA / EXPA/JFK

Das siebte Finalspiel in Salzburg war des letzte in der Karriere des Alexander Egger (r.).


Haben Sie Ihre Dienste dem HCB bereits angeboten?

Ich habe Dieter Knoll gesagt, dass ich zur Verfügung stehe, wenn er mich braucht. Ich würde gerne im Verein mit anpacken. Allerdings hat das noch Zeit, mal sehen was die Zukunft so bringt.

„In der Landwirtschaft fehlt es nie an Arbeit“

Können Sie sich denn überhaupt ein Leben ohne Eishockey vorstellen?

Ich bin auch so zur Gänze ausgelastet, machen Sie sich keine Sorgen (lacht). Ich werde weiterhin im Handwerksbetrieb meines Vaters mithelfen und mich zudem noch mehr in die Landwirtschaft reinknien. Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin bewirtschafte ich einen kleinen Hof mitsamt Apfelanlage, da fehlt es nie an Arbeit. Und dann sind noch meine Kinder, die langsam in einem Alter sind, in dem dauernd irgendwas unternommen wird. Darauf freue ich mich riesig.


Wo werden Sie Ihren Sommerurlaub verbringen?

Anfang Juni geht es mit der Familie, ganz klassisch, für paar Tage nach Jesolo, später ist noch ein Sardinien-Urlaub geplant. Ende August könnte ich mir einen Städtetrip ganz gut vorstellen – wohin genau, wird die Champions-League-Auslosung am Mittwoch zeigen. Aber keine Angst: Aufs Eis kehre ich nicht zurück. Ich will das ganze Drumherum einfach mal genießen, das hat mir in all den Jahren etwas gefehlt.



Fragen: Alexander Foppa




Autor: fop

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