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Eishockey-Schauen mit Maske: Das wird auch in Zukunft so sein.

Zu Besuch in der Eiswelle: Eine andere Welt

Am Sonntagabend hat der HCB Südtirol Alperia sein erstes Heimspiel seit fast einem halben Jahr absolviert. Seit der Corona-Krise ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Eindrücke aus dem größten Eishockey-Stadion Südtirols.

Von Thomas Debelyak



Es ist schon bizarr, wie sehr sich die Welt innerhalb von nur 200 Tagen verändern kann. Am 4. März 2020 hatte der HCB in der Eiswelle das erste Viertelfinal-Spiel gegen Znojmo mit 3:1 für sich entschieden – damals noch angetrieben von 3000 frenetischen Fans, die sich nach den Toren abklatschten, umarmten, zusammen sangen, feierten. Dies war das letzte Mal, dass die Eiswelle zu einem solchen Hexenkessel mutierte: Denn danach kam Corona – und alles änderte sich.

Am gestrigen Sonntag, also exakt 200 Tage nach dem letzten Heimspiel, absolvierte der HCB in der Eiswelle wieder ein Spiel. Mit 8:0 fegte man im Testmatch den AlpsHL-Klub Asiago vom Eis, weshalb es nach den 60 Minuten 2 Erkenntnisse gibt: Der HCB hat auch heuer wieder eine der schlagkräftigsten Truppen der Liga – allerdings wird das ganze Drumherum nicht mehr das sein, was es vorher war.

Die Lust auf den HCB ist groß
Insgesamt 200 Fans durften zum Testspiel am Sonntag in die Eiswelle kommen, bei Meisterschafts-Heimspielen sollen es rund 2000 sein. Die Tickets konnte man sich ausschließlich online besorgen, an der Kasse gab es nichts. Eine Vorgangsweise, die – coronabedingt – auch künftig zum Usus werden dürfte. Dass die Lust, wieder Spitzen-Eishockey zu sehen, bei den HCB-Fans groß ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass die 200 Tickets in Windeseile vergriffen waren, sondern auch, dass die Zuschauer bereit sind, für ein Testspiel 14 Euro bzw. 22 Euro (Premium-Plätze) auszugeben.

„Wahre Fans retten die Saison“
Slogan der ICE Hockey League

Bevor es ins Stadion geht, wird natürlich obligatorisch Fieber gemessen. Der Mund-Nasen-Schutz muss immer getragen werden, auch beim Sitzen auf den Rängen. Das halten die Fans am Sonntag gegen Asiago auch vorbildlich ein, genauso wie den Sicherheitsabstand. Ein Platz ist zwischen jedem Fan mindestens frei – wenn nicht, dann wird man vom anwesenden Security-Personal zur Einhaltung gebeten.

Auch der HCB wirbt auf dem hochmodernen Video-Würfel immer wieder mit dem Liga-Slogan: „True Fans save the Season.“ Zu deutsch: Wahre Fans retten die Saison. Das bedeutet: Abstand halten, Mundschutz tragen, Hände desinfizieren. Denn Eishockey ohne Fans – das geht nicht. Stimmungsmäßig würde es der eine oder andere Verein wohl verkraften, nicht aber finanziell – denn in kaum einer anderen Sportart sind die Vereine hierzulande so auf die Zuschauereinnahmen angewiesen wie beim Eishockey.

Dem Testspiel gegen Asiago durften 200 Fans beiwohnen.


Apropos Stimmung: Die wird in den nächsten Wochen und Monaten auch in Bozen gedämpft sein. Nicht zuletzt auch deshalb kommt man sich in gewisser Weise wie in einer anderen Welt vor. Die berühmt-berüchtigte Bozner Kurve, die ligaweit als die beste Fan-Gruppierung gilt, ist leer. Dass hier hunderte von Anhängern dicht an dicht zusammenstehen, Anfeuerungsrufe brüllen, Schlachtgesänge grölen, Pfiffe aufs Eis schmettern oder sich nach Toren jubelnd in den Armen liegen – das ist in naher Zukunft so gut wie ausgeschlossen. Gegen Asiago wurden die 8 Bozner Tore mit einem kurzen „Oho“ oder „Bravo“ und viel Applaus quittiert, recht viel mehr geht in der aktuellen Situation auch nicht.
Das Spiel an sich steht im Vordergrund
Ganz lässt sich die „Curva“ ihre Leidenschaft aber nicht nehmen. Nach dem Spiel am Sonntag fackelten die Fans vor dem Stadion eine Pyro-Show ab und sangen lauthals ihre Lieder. Dass auf Corona-Regeln nicht so genau geachtet wurde wie im Stadion, sei nebenbei auch erwähnt.

Alles in allem ist es eine ungewohnte Situation, ein Eishockey-Match in Bozen zu verfolgen. Wie aber auch in anderen Sportarten – wie etwa dem Profifußball – steht nun das Spiel an sich zu 100 Prozent im Vordergrund. Und hier hat der HCB heuer einiges zu bieten. Die 22 Tore in den 3 Vorbereitungsspielen gegen die AlpsHL-Klubs Wipptal Broncos und Asiago waren ein willkommener Appetitanreger für das, was in den nächsten Wochen in der Meisterschaft folgen soll. Denn eines ist klar: Dieser HCB kann heuer Großes erreichen – auch, wenn die Fans für einmal etwas leiser sein müssen.

Autor: det

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