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Kaltern jubelt über den IHL-Titel. © Foto Max Pattis

Das Kalterer Märchen: „Waren kurz davor, uns zurückzuziehen“

Der alte und neue Champion in der Italian Hockey League hört auf den Namen SV Kaltern. Die Hechte haben am Donnerstagabend ein hochdramatisches Finalspiel 4 gegen den HC Meran für sich entschieden und sich die Krone aufgesetzt. SportNews liefert die Hintergründe.


Von Thomas Debelyak aus Altenburg, Kaltern


Handschuhe fliegen durch die Luft, Stöcke werden beiseite geschleudert, Jubelschreie dringen weit über die Mauern der Raiffeisen Arena in Altenburg hinaus: Als Michele Volcans „Vulkanschuss“, wie er vom Tagblatt Dolomiten treffend beschrieben wurde, am Donnerstagabend um 23 Uhr im Meraner Kasten einschlug, kannte der Kalterer Jubel keine Grenzen mehr. Die Hechte haben sich erneut zum Meister in der Italien Hockey League gekürt – und somit dem eigenen Märchen ein Happy End verpasst.

Kaltern und Meran waren sich schon 2019 im bisher letzten IHL-Finale (im Vorjahr wurde die Saison bekanntlich abgebrochen) gegenübergestanden, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen – und das nicht nur, weil auf den Rängen noch Zuschauer dabei sein durften. Vielmehr waren es die sportlichen Rollen, die anders verteilt waren: Damals war Kaltern Grunddurchgangssieger, Pokalgewinner – der Meistertitel war also quasi mehr Pflicht als Zuckerle. Schlussendlich ist es auch so gekommen. Heuer sah das Ganze total anders aus.

Übermannschaft Meran, Underdog Kaltern
In dieser Saison war der HC Meran die Übermannschaft, die den Grunddurchgang souverän für sich entschieden hatte und auch in den Playoffs keinerlei Anzeichen von Schwäche zeigte. Bis zum Finale. Dort wartete nämlich Angstgegner Kaltern, der aber angeschlagen war – so schien es zumindest. Die Überetscher, die vor Saisonbeginn nach einem personellen Umbruch keinerlei Titelambitionen hegten, hatten eine turbulente Spielzeit hinter sich, was in erster Linie Corona geschuldet war.

„Eine Woche vor Playoff-Start stand uns krankheitsbedingt ein Dutzend Spieler nicht zur Verfügung. Auf den Italienpokal mussten wir verzichten, in diesem Moment waren wir hauchdünn davor, uns auch von der Meisterschaft zurückzuziehen. Dann kam jedoch ein Lockdown, der Playoff-Start wurde verschoben und wir konnten die Mannschaft wieder zusammenbringen“, erklärt Kalterns langjähriger Kapitän und Vereinspräsident Mathias Lobis (Video unten), der – wie ein Großteil des Vorstandes – im Sommer abtreten wird und mit diesem Meistertitel gebührend verabschiedet wurde.



„Von da“, so Lobis, „hat die Geschichte noch einmal begonnen.“ Denn Kaltern kämpfte sich, angeführt von seinen Ausnahmekönnern Teemu und Marko Virtala, Andreas Vinatzer und Kapitän Michael Felderer, in den Playoffs weiter und weiter, obwohl man des Öfteren schon mit einem Fuß im Sommerurlaub stand. Im Finale boten sich beide Teams dann einen packenden Schlagabtausch. Als Knackpunkt der Serie kann getrost Spiel 3 – oder besser gesagt die finale Minute dieses Matches – angesehen werden: Am vergangenen Dienstag lag Kaltern in Meran mit 2:0 in Führung, ehe die Adler in der allerletzten Minute mit Christian Borgatello und Victor Ahlström innerhalb von 32 Sekunden den Ausgleich wiederherstellten. Dann trat jedoch Hechte-Verteidiger Florian Massar (Video unten) auf den Plan, der 13 Sekunden vor Ablauf der Spielzeit noch zum 3:2 traf und Kaltern den Matchpuck verpasste.


Ein Sieg des Willens
„Für mich war das der Knackpunkt“, meinte ein sichtlich enttäuschter Meran-Goalie Thomas Tragust nach dem verlorenen Finale am Donnerstag. Für Meran geht die schwarze Serie also weiter: Die Adler zogen in den letzten drei Saisonen stets ins IHL-Finale ein, konnten den Pott aber nie abräumen. „Wir hatten auch heute wieder genügend Chancen, das Spiel zu entscheiden. Leider hat es nicht geklappt. Man kann Kaltern nur gratulieren“, so Tragust.

Entschieden hat diese Serie nicht die spielerische Finesse, in der Meran mit seinem hochdekorierten Kader deutlich besser aufgestellt war als Kaltern, sondern eine andere Eigenschaft: „Ich glaube, in dieser Serie hat der Wille den Ausschlag gegeben“, erklärte Hechte-Kapitän Michael Felderer (Video unten). „Wir haben mehr gewollt, haben mehr mit Herz gespielt, hatten einen größeren Zusammenhalt, haben stets bis zum Schluss gekämpft und immer an uns geglaubt – das hat von mir aus gesehen den Unterschied gemacht.“



Das Kalterer Märchen wurde am Donnerstagabend also vollendet. Das Ende fiel dabei sogar ein klein wenig kitschig aus: Denn den Siegtreffer in der Overtime erzielte ausgerechnet Michele Volcan – ein Verteidiger, der in dieser Saison bisher noch nie getroffen hatte. Solche Geschichten schreibt eben nur der Sport.

Schlagwörter: Eishockey

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