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In der Scotiabank Arena in Toronto wurde bereits erste Testspiele absolviert. © APA/getty / Andre Ringuette/Freestyle Photo

Der historische NHL-Sommer

Corona-bedingt völlig neue Wege beschreitet die National Hockey League (NHL) in diesem Sommer. Mit einem historischen Play-off-Turnier unter Ausschluss der Fans und einschneidenden Vorgaben für den Alltag der Teammitglieder betritt die nordamerikanische Eishockeyliga Neuland. Strikte Protokolle und Hygienemaßnahmen sollen die Vergabe des Stanley Cups doch noch ermöglichen.

„Das wird, gelinde gesagt, ein ungewöhnliches Unterfangen“, sagte NHL-Commissioner Gary Bettman vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs am Samstag nach 142 Tagen Pause. Die NHL hat am 12. März die Saison unterbrochen und entschieden, trotz noch nicht fertiggespieltem Grunddurchgang gleich mit einem erweiterten Play-off fortzusetzen. 24 statt wie üblicherweise 16 Mannschaften sind in der K.o.-Phase dabei, wobei 16 Mannschaften in einer Vorqualifikation um einen Platz in der Play-off-Hauptrunde kämpfen.

Connor McDavid und die Oilers genießen „Heimrecht“. © APA/getty / JEFF VINNICK


Gespielt wird in zwei „Hub Cities“: In Edmonton treffen sich die zwölf qualifizierten Clubs der Western Conference, in Toronto die Eastern Conference. Die Conference-Finali und die Endspielserie um den Stanley Cup (22. September bis längstens 4. Oktober) werden im Rogers Place von Edmonton ausgetragen. Ursprünglich waren Las Vegas und Vancouver als Spielorte vorgesehen gewesen, aus Sicherheits- und logistischen Gründen ging man letztlich nach Edmonton und Toronto – zwei Städte mit geringer Virus-Ausbreitung.
Teams müssen gleich nach dem Spiel Kabine räumen
Voraussetzung waren ausreichend Quartier- und Trainingsmöglichkeiten für zwölf Teams und bis zu drei Spielen pro Tag, beginnend mit Mittag. Mannschaften müssen daher eine Stunde nach Spielschluss die Kabinen verlassen, damit diese vor Ankunft der nächsten Teams desinfiziert werden.

Die Mannschaften sind in den zwei Städten abgeschottet, ganz unter sich und müssen sich an strikte Vorgaben halten. Die NHL-Blasen in den zwei Städten sind durch ein Zaunsystem von der Außenwelt abgeschirmt, 97 Security-Mitarbeiter in Toronto und 125 in Edmonton sind zur Überwachung abgestellt.
„Das Verlassen der Blase können wir nicht tolerieren“
NHL-Boss Gerry Bettman
Drei Hotels in Edmonton und zwei in Toronto stehen der NHL exklusiv zur Verfügung. Für Güter außerhalb der Blase hat die Liga ein Lieferservice eingerichtet. „Der Schutz des Hubs und der Blase ist äußerst wichtig, um sicherzustellen, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Menschen gewährleistet sind. Das Verlassen der Blase können wir nicht tolerieren“, erklärte Bettman.
1.000 Pucks, 12.000 Handtücher
Wie detailliert sich die Liga vorbereitet hat, lässt sich auch an Zahlen messen: Für die Quali-Runde wurden in Ost und West jeweils über 1.000 Pucks und Gatorade-Boxen sowie 12.000 Handtücher geordert. Jedes Team durfte 31 Spieler und gesamt maximal 52 Personen mitbringen. Diese müssen sich täglich auf Corona testen lassen. Sollte ein Spieler positiv getestet werden, muss er sich in Quarantäne begeben. Den Namen gibt die NHL nicht bekannt. Die Spieler durften vorab „aussteigen“, einige wenige haben von dieser Möglichkeit aus meist gesundheitlichen Gründen Gebrauch gemacht.

Die Turniere werden in Abwesenheit der Fans jedenfalls zu reinen TV-Events. Dank eines Sound-Archivs von Partner EA Sports soll Stimmung produziert werden, 32 statt wie bisher 20 Kameras sind pro Spiel im Einsatz. Bedenken, dass bei bis zu drei Spielen pro Tag während des Hochsommers die Eisqualität leiden könnte, hat die NHL nicht. Denn entgegen normalen Spielen würde die Körperwärme von 19.000 Zuschauern fehlen.

Autor: apa/fop

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