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Diegor Kostner spielt seit zwölf Jahren in der Schweiz. © Saurenmann/Facebook HCAP

Interview | Diego Kostner: „Lieber am Eis, als im Urlaub“

Diego Kostner hat mit seinen 26 Jahren gerade die, wie er selbst sagt, stärkste Saison seiner Karriere gespielt. Für uns Grund genug, um ihn zum großen SportNews-Interview zu bitten. Wir haben Südtirols besten Eishockey-Export in Neumarkt getroffen.

Als Diego Kostner am Parkplatz der Würtharena aus dem Auto steigt, schnauft er erstmal tief durch. Er hat gerade die vier Stunden Fahrzeit von seiner zweiten Heimat Bellinzona nach Südtirol abgespult. Für den Eishockeyprofi aus Runggaditsch bei St. Ulrich geht es auch jetzt, fast zwei Wochen nach seinem letzten Ligaspiel, Schlag auf Schlag. Unmittelbar nach unserem Interview-Termin steht Kostner bereits im Neumarkter Eisstadion auf dem Eis, um sich mit Italiens Nationalmannschaft optimal auf die Weltmeisterschaft im Mai vorzubereiten.


Diego Kostner, Sie könnten jetzt ganz gemütlich irgendwo an einem Strand liegen und die Füße hochlegen. Warum tun Sie sich den Stress an?

Diego Kostner: „Ich bin lieber auf dem Eis, als im Urlaub (lacht). Nein im Ernst, dieser Sport ist mein Leben. Ich freue mich auf jedes einzelne Training – speziell, wenn ich zum Nationalteam fahren darf. Es ist immer wieder schön, die alten Mannschaftskollegen zu treffen, mit denen man ansonsten kaum Kontakt hat. Ich habe die letzten Jahre nur wenige Trainingslager oder Länderspiele ausgelassen.“


Hat die abgelaufenen Saison bei Ihnen die Lust auf Eishockey nochmal gesteigert?

„Klar, denn mit Ambrì Piotta haben wir eine bärenstarke Spielzeit absolviert, die allerdings zu früh geendet hat. Den Playoff-Einzug hatte uns im Vorfeld niemand zugetraut, am Ende aber will man dann natürlich auch die erste Runde überstehen. Das 1:4 in der Viertelfinalserie gegen Biel fiel deutlich zu hoch aus.“


Wie verlief die Saison für Sie persönlich?

„Ich habe nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Ich hatte im Schnitt rund 16 Minuten Eiszeit und bin auch in den Special Teams regelmäßig zum Zug gekommen. Ich würde sagen, dass das bislang meine beste Saison war. Es war 2016 keine einfache Entscheidung von Lugano zu Erzrivale Ambrì zu wechseln, doch jetzt entpuppt sie sich durchaus als die richtige.“

„So etwas gibt es bei keinem anderen Klub“

Ambrì Piotta gilt als Kultverein schlechthin im europäischen Eishockey. Wie sehr spürt man das als Spieler?

„Es ist schon etwas Besonderes, für diesen Klub aufzulaufen. Unsere Heimspielstätte, die Valascia, ist irgendwie aus der Zeit gefallen – und genau deshalb so speziell. Die Stimmung ist einfach gigantisch. Das Dorf zählt keine 300 Einwohner, doch bei unseren Heimspielen sind stets mehr als 5.000 Zuschauer im Stadion. Sie kommen aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Italien oder Deutschland. Erst kürzlich habe ich einen Südtiroler kennengelernt, der zu jedem Heimspiel ins Tessin fährt. So eine Anziehungskraft gibt es bei keinem anderen Klub.“

Die Valascia in Ambrì ist das wohl stimmungsvollste Eishockeystadion Europas.


Wo steht die Schweizer Liga im internationalen Vergleich?

„In Europa ist die National League schon ganz oben anzusiedeln, nur die KHL ist wohl noch besser. Vergleiche sind aber sehr schwierig, da in den Ländern einfach unterschiedliches Eishockey gespielt wird. In Skandinavien wird viel auf die Taktik geachtet, in Deutschland zählt die Physis, in der Schweiz dagegen mehr die eisläuferischen Fähigkeiten, das Tempo.“


Welchem Südtiroler würden Sie den Sprung in die National League zutrauen?

„Da gibt es mehrere. Ich denke an die Spieler, die in der DEL auflaufen, aber auch einige vom HC Bozen. Natürlich müssten sie sich erstmal hinten anstellen, sich anpassen und dazulernen. Grundsätzlich sehe ich aber bei einigen italienischen Nationalspielern das Potenzial, sich bei uns zu behaupten – sofern sie denn die Chance bekämen.“


Sie sprechen von uns Schweizern. Fühlen Sie sich mittlerweile als waschechter Eidgenosse?

„Ich bin bereits als 14-Jähriger zum Eishockeyspielen in die Schweiz übersiedelt, spreche richtiges Schwyzerdütsch und könnte längst den Pass beantragen – doch ich bin Grödner, und werde es auch bleiben.“ (schmunzelt)

„Ich bin Grödner – und werde es auch bleiben“

Wie oft sind Sie noch in Ihrer Heimat?

„Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal hier war. Das müsste zu Weihnachten gewesen sein. Zusammengezählt bin ich im ganzen Jahr vielleicht zehn Tage zuhause bei meiner Familie. Meinen Lebensmittelpunkt habe ich mittlerweile in Bellinzona, dort wohne ich mit meiner Freundin. In der Schweiz wird fast das ganze Jahr über trainiert, da gehen sich nur sehr wenige Abstecher nach Hause aus.“


Sie sind Profi und richten ihr Leben danach aus. Wie seltsam ist es, dann im Nationalteam auf Mitspieler zu treffen, die nebenbei einer geregelten Arbeit nachgehen?

„Ich habe das mal meinen Mannschaftskollegen bei Ambrì erzählt, die konnten es gar nicht glauben. Bei mir dreht sich den ganzen Tag alles um Eishockey, das nächste Training, das nächste Spiel. Da zolle ich jedem Respekt, der das unter einen Hut bekommt. Es zeugt von großer Leidenschaft für diesen Sport.“


Im nachfolgenden Video spricht Diego Kostner über seine sportliche Zukunft und gibt den jungen Eishockeyspielern einen Tipp mit auf den Weg:




Autor: alexander foppa

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