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Harry Kane peilt mit England den EM-Titel an. © APA/afp / PAUL ELLIS

Englands große Titel-Sehnsucht – Dänemark-Keeper stichelt

Angetrieben von der Energie der rund 60.000 Fans will England im Fußball-Tempel Wembley die nächste Mega-Party feiern, die emotionsgeladenen Dänen wären nichts lieber als die Spaßverderber. Im zweiten Halbfinale der Europameisterschaft treffen an diesem Mittwoch (21.00 Uhr) in London zwei Welten aufeinander. Die große Frage ist: Wer folgt Italien ins EM-Finale?

Ein Aus auf dem heiligen Rasen für die bislang so kühl und souverän auftretenden Engländer würde eine ganze Nation aus ihren Träumen reißen. Die leidenschaftlichen und von Millionen bewunderten Dänen können dagegen längst nichts mehr verlieren. Nun wollen sie den Engländern die wohl größte Titelchance seit 55 Jahren nehmen.


Am Dienstagabend stichelte Dänemarks Torwart Kasper Schmeichel. Auf die Frage, wie es sich anfühlen würde zu verhindern, dass die Engländer den Titel – wie im Song „Football's Coming Home“ – nach Hause holen, antwortete der Keeper: „War er denn jemals zuhause? Habt ihr den schon mal gewonnen?“ Er habe nur darüber nachgedacht, was ein Sieg für Dänemark bedeuten würde, „und welche Freude es einem Land mit nur fünfeinhalb Millionen bringen würde“. Schmeichel habe ja Recht, entgegnete Englands Kapitän Harry Kane kurz darauf mit einem Schmunzeln. „Wir waren ja noch nie Europameister. Aber wir haben jetzt eine große Chance, das zu schaffen“, sagte der 27-Jährige.

Dänemark-Keeper Kasper Schmeichel stichelte gegen die Engländer. © APA/afp / PAUL ELLIS

So nah waren die Three Lions tatsächlich lange nicht mehr dran. „Für mich und einige der anderen erfahrenen Spieler ist das die letzte Gelegenheit, bei einem großen Turnier in Wembley zu spielen. Was für eine Möglichkeit. Was für ein Moment das sein wird“, schwärmte Kane. Eine ganze Nation träumt vom ersten Einzug in das Endspiel eines großen Turniers seit der WM 1966.
Dänemark will den Spielverderber geben
„Wir haben bei diesem Turnier Grenzen überschritten, und wir haben morgen eine weitere Gelegenheit dazu, weil wir noch nie in einem EM-Finale waren. Wir könnten also die Ersten sein, was sehr aufregend ist“, sagte Englands Coach Gareth Southgate. Nur Dänemark kann jetzt dafür sorgen, dass die bislang so euphorische Stimmung an nur einem Abend kippt. „Die Motivation für uns ist, dass wir die Zuschauer zum Schweigen bringen“, sagte Trainer Kasper Hjulmand.

England gegen Dänemark, es ist ein Duell der Gegensätze. Während die Mannschaft von England-Coach Gareth Southgate von Anfang an zu den Favoriten auf den EM-Titel zählte, erlebten die Dänen eine einmalige und hochdramatische Reise durch dieses Turnier. Kein Team hatte einen längeren Weg in die Runde der besten vier Teams.

Wer behält im Duell der Mittelstürmer die Oberhand? Kane (links) oder Dänemarks Kasper Dolberg? © APA/afp / OLAF KRAAK, ALBERTO LINGRIA

Wie war nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen im ersten Spiel überhaupt daran zu denken? Die Szenen, wie der Spielmacher auf dem Platz wiederbelebt werden musste, gingen um die Welt. Die Belastung für die Spieler in diesen Minuten ist kaum vorstellbar.

Nun stehen Thomas Delaney und Co. auf einmal im Halbfinale. „Plötzlich sind wir da, das ist schwer zu glauben“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund. Mit souveränen Siegen gegen Wales (4:0) im Achtelfinale und Tschechien (2:1) im Viertelfinale sicherte sich Hjulmands Team sein Ticket für den Turnier-Endspurt.
England-Fans deutlich in der Überzahl
Der Coach will aus dem Eriksen-Drama nun sogar Kraft für das Duell mit den favorisierten Engländern ziehen. „In der Sekunde, als die Zeit still stand und wir sehr verletzlich waren, als wir sahen, wie zerbrechlich das Leben ist – das könnte uns helfen, im Jetzt zu sein und es zu genießen“, sagte der frühere Coach des FSV Mainz 05. „Die Liebe der dänischen Menschen hat uns geholfen.“ Vielleicht eine zusätzliche Motivation: Am Dienstag bestätigte die UEFA, Eriksen und dessen Frau zum Finale eingeladen zu haben. Eine Antwort steht noch aus.

Im Halbfinale werden die Dänen die Unterstützung ihrer Landsleute kaum spüren. Nach derzeitigem Stand können nur im Vereinigten Königreich lebende Dänen Karten erwerben, 5000 Tickets sollen diese erhalten. Sie werden der Lautstärke und dem Enthusiasmus der England-Fans so hoffnungslos unterlegen sein. Eine riesige Mehrheit der rund 60 000 Zuschauer wird die Three Lions nach vorne brüllen – aber nur so lange es nach ihrer Zufriedenheit läuft. Dass die Engländer bislang kein Gegentor hinnehmen mussten und nun wieder zuhause spielen dürfen, lässt die Erwartungen steigen. Für die Gastgeber zählt nur das Finale. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

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