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War mit der unglücklichen Situation völlig überfordert: Annika Schleu. © APA/afp / PEDRO PARDO

Nach Fünfkampf-Drama: Präsident wehrt sich gegen Regelkritik

Der Präsident des Dachverbands der Modernen Fünfkämpfer, Klaus Schormann, hat auf die Kritik an den Regeln nach dem Olympia-Drama um Annika Schleu reagiert. Die deutsche Gold-Kandidatin hatte mit ihrem tragischen Auftritt in Tokio für heftige Diskussionen gesorgt.

„Für uns ist völlig klar: Man muss uns nicht auffordern, über das Regelwerk nachzudenken. Das tun wir permanent“, sagte der Deutsche am Samstag in Tokio. „Wir haben das Regelwerk schon die letzten drei Jahre überarbeitet und haben all das, was jetzt kritisiert wird, schon längst zu Papier gebracht. Aber wir dürfen unser Regelwerk nur alle vier Jahre verändern, das ist in den Statuten festgelegt. Wir mussten die Regeln, die wir haben, hier anwenden.“


Schleu hatte tags zuvor für Aufsehen gesorgt, als sie aus purer Verzweiflung mehrfach die Gerte gegen das ihr zugeloste Pferd Saint Boy einsetzte. Bundestrainerin Kim Raisner forderte die Berlinerin – wie im Fernsehen deutlich hörbar – auf: „Hau mal richtig drauf! Hau drauf!“ Raisner wurde vom Weltverband am Samstag von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Schleu hatte laut Reglement im Vorfeld nur 20 Minuten Zeit, um sich mit dem Tier vertraut zu machen, das zuvor bereits bei einer russischen Sportlerin verweigert hatte.

Schormann fordert mehr Eigenständigkeit
„Wenn ich so etwas sehe, dann darf ich so ein Pferd nicht mehr loslassen. Was wir da gestern erlebt haben, das kennen wir eigentlich gar nicht. Wenn dann die Frau Werth und andere sagen, geht doch auf den Roller, das ist alles ein absoluter Unsinn“, beschwerte sich Schormann über die Kritik unter anderem von der siebenmaligen Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth. Die hatte in Reaktion auf die Vorkommnisse gesagt das Tier sei im Fünfkampf „nur ein Transportmittel“.

Für Schormann ist klar, dass das Pferd nach den Verweigerungen bei der Russin gar nicht mehr für einsatzfähig hätte erklärt werden dürfen. „Dieser Veterinär hat absolut versagt“, sagte er. Die Beurteilung des Pferdes sei „unmöglich, aber wir sitzen ja auf der Tribüne, wir können das ja nicht ändern“. Er wolle in Zukunft mehr Eigenständigkeit für seinen Verband bei Olympischen Spielen und nicht auf fremde Funktionsträger angewiesen sein.

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