4 Extremsport

Daniel Jung beim Anstieg zum Portjoch.© Facebook

INTERVIEW | Daniel Jung: „Das ganze Projekt war wunderschön“

Der Extremsportler Daniel Jung ist vergangene Woche den Tiroler Höhenweg in Rekordzeit gelaufen. Ein schönes, aber auch schmerzhaftes Abenteuer zugleich. SportNews hat mit dem 34-Jährigen über das Ereignis gesprochen.

Daniel, wie geht es Ihnen so kurz nach diesen Strapazen?

Mir geht es überraschend gut. Muskulär habe ich keine Probleme, aber ich merke, dass der ganze Körper noch Erholung braucht. Ich werde in den nächsten Tagen sicher viel schlafen und schauen, dass der Körper wieder in einen normalen Schlafrhythmus kommt.


Nach so einer gewaltigen Anstrengung und Verausgabung braucht der Köper sicher eine lange Erholungspause. Machen Sie irgendwas Bestimmtes?

Nichts Spezielles, die nächsten Tage werde ich meinem Körper die nötige Regenerationszeit gönnen und warten, bis das Laktat abgebaut ist. Sportlich werde ich ein wenig Radfahren um eine andere Bewegung in die Gelenke und Muskeln zu bringen. Mit dem Training werde ich erst in 10 Tagen wiederbeginnen. Denn Verletzungen treten oft erst im Nachhinein auf, wenn man zu schnell wieder ins Training einsteigt.

Das wunderschöne Panaroma entlang des Tiroler Höhenwegs. © Facebook


Was war der schönste Moment an diesem Projekt?

Das ist immer schwierig zu sagen, wenn man so lange unterwegs ist. Es gibt sehr viele schöne Momente, zum Beispiel wenn es einem gut geht und man die Natur richtig wahrnehmen kann. Zugleich wird einem klar, was man aufgrund seiner Fitness alles erleben kann. Der Höhepunkt und das Highlight ist dann sicher die Zielankunft, wo endlich die ganze Last von einem Abfällt und man weiß, dass man sein Ziel erreicht hat. Das ist sicher ganz ein emotionaler Augenblick, wenn Freunde und Familie auf einen warten. Hier ist man oft auch den Tränen nahe. Jedoch muss man das ganze Projekt als wunderschön betrachten.


Das Abenteuer hatte nicht nur schöne Seiten. Sie hatten während dem Laufen eine Krise. Wie haben sie diese Überwunden?

Die erste Hälfte der Strecke ist es mir sehr gut ergangen. Dann habe ich wahrscheinlich einen Fehler gemacht und mir zu wenige Pausen gegönnt. Als ich beschlossen habe eine größere Pause zu machen, war es schon zu spät. In der Schneeberghütte habe ich dann versucht ein wenig zu schlafen. Aber ich war schon so übermüdet, dass ich kein Auge zubekommen habe. Nach einigen Stunden in der Schneeberghütte ging es weiter, aber ich merkte, dass ich total im Eimer bin und es mir ging richtig schlecht.

Daniel Jung am Ende seiner Kräfte. © Facebook


Jetzt musste ich einen Entschluss finden: Entweder ich laufe bis zu einem gewissen Punkt und mache dort eine längere Pause, oder ich beende das Projekt. Da das Ziel ja eigentlich die Strecke zu bewältigen und die Zeit nur zweitrangig war, beschloss ich, im Josef-Pixner-Biwak eine zwölfstündige Pause zu machen. Hier habe ich wieder gemerkt, wie wichtig Schlaf ist und wie viel Energie man dadurch tankt.


So eine Krise muss auch mental ganz schön schwierig sein. Was geht einem da durch den Kopf?

Man muss für solche Abenteuer mental brutal stark sein. Irgendwann kann man nicht mehr richtig positiv denken und man ist nur mehr mit der eigenen Müdigkeit und Erschöpfung beschäftigt. Diese Müdigkeit geht dann in den Kopf über und man kann sich nicht mehr vorstellen, wie man weiter kommen und den Anstieg bewältigen soll. Das Beste um aus einer solchen Situation wieder heraus zu kommen, ist, sich kleine Ziele zu setzten und mit diesen Versuchen sich wieder zu motivieren.


Werden Sie noch einmal den Tiroler Höhenweg laufen?


Ja, ich werde ihn sicher noch einmal versuchen. Das nächste Mal wird aber bis auf einen Menschen, der mich begleitet und an gewissen Punkten versorgt, niemand etwas davon wissen. Dieses Mal wollte ich alles selber mitnehmen und hatte dadurch einen viel zu schweren Rucksack. Zudem ist durch die ganze mediale Aufmerksamkeit und dem ganzen Drumherum mit Filmteam ein gewisser Druck entstanden und das ist nicht meine Art. Normalerweise starte ich für mich selber und berichte im Nachhinein davon, was ich Cooles gemacht und erlebt habe. Aber ich habe aus dieser Erfahrung gelernt und werde noch stärker zurückkommen.

Interview: Florin Pfeifer

Autor: fp

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2019 Sportnews - IT00853870210