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Von links: Die Sarner Fußball-Brüder Harald, Norbert, Raimund und Georg Kienzl.

RÜCKPASS | We are Family

Was den SportNews-Rückpass mit den Zügen der Trenitalia vereint? Gelegentliche Verspätungen gehören dazu. Dafür ist die Freude dann umso größer, wenn sie ruhig und gemächlich eintrudeln. Zumindest, was die Züge anbelangt. Beim Rückpass? Naja. Hier jedenfalls eine Extra-Ausgabe, die das Fußball-Jahr 2021/22 endgültig abschließen soll.

Wild, unterhaltsam, mitunter auch chaotisch: Was gut und gerne auch als Beschreibung für einen Wochenend-Trip an den Ballermann herhalten könnte, dient in unserem Kontext als Charakterisierung der Saison des SC Sarntal in der 2. Amateurliga. Von engen Spielen über Kantersiegen bishin zu dramatischen Schlussphasen war alles dabei. Was die Sarner Fußballer aber absolut speziell machte? Sie besaßen diese fundamentale Eigenschaft, die man ansonsten nur von den für Mallorca typischen Greifautomaten kennt, bei denen man verzweifelt versucht, sich ein Kuscheltier zu angeln: Sie verlieren einfach nie!


22 Saisonspiele, 14 Siege, 8 Remis, keine einzige Niederlage – da bleibt nichts Anderes übrig, als den Hut zu ziehen. Nur ein Makel bleibt: Trotz dieser herausragenden Bilanz musste sich Sarntal mit dem zweiten Platz in der Tabelle zufrieden geben. Diese 0-Niederlagen-Geschichte ist aber nur die eine Story, die in dieser Sarner Saison so besonders war. Für die andere sorgten gleich vier Brüder, die gemeinsam den etwas anderen Familienzauber bewerkstelligt haben.

Ein Spiel, vier Brüder
Es war der 29. Mai, also ein Sonntag, der nun schon einige Zeit her ist. Und doch ereignete sich dort eine Geschichte, die auf der Gewöhnlichkeitsskala irgendwo zwischen grüner Coca Cola und alkoholfreiem Vodka angesiedelt ist. Dass nämlich gleich vier Brüder in einem Spiel gemeinsam auf dem Platz stehen, das hat es in der Geschichte des Südtiroler Amateurfußballs wohl noch nicht oft gegeben. Wenn es überhaupt einmal so weit gewesen sein soll.

Raimund Kienzl (vorne) ist der Kapitän von Sarntal.


Bei besagtem Quartett handelt es sich um die Kienzl-Brüder. Raimund (31 Jahre jung) ist Kapitän der Sarner und eine feste Stütze im Team, genauso wie sein um sechs Jahre jüngerer Bruder Georg (25). Norbert (34) ist erst im Winter zur Ersten Mannschaft von Sarntal gewechselt, nachdem er die letzten Jahre für die Freizeit (Vrgiftite Eishitt) gekickt hat. Und da wäre auch noch Harald (33), der sich im vergangenen Winter nach langer Pause dazu entschieden hat, wieder Fußball zu spielen. Das große Ziel der vier Brüder: Einmal noch zusammen auf dem Feld zu stehen.
Fünf Minuten für die Ewigkeit
Ein machbares Ziel, immerhin hat eine Meisterschaftshälfte elf Spiele. Alles easy, doch dann ist Harald Kienzl ein Missgeschick passiert: Er verletzte sich schon in der Vorbereitung und war die gesamte Rückrunde nicht einsetzbar. Dann aber kommt das letzte Meisterschaftsspiel gegen Teis Villnöss, Sarntal liegt mit 5:0 in Führung, Georg, Raimund und Norbert stehen bereits auf dem Platz – und dann wird in den letzten fünf Minuten auch noch der angeschlagene Harald eingewechselt. Wenige Augenblicke, kurze Momente und gewiss nicht in Hochform. Doch das ist am Ende egal: Denn die Kienzls haben ihr Ziel erreicht. Sie können nun behaupten, zu viert gemeinsam ein Fußballspiel bestritten zu haben.

Drei Mal dürfen Sie also raten, was das Hauptgesprächsthema beim nächsten Weihnachts-, Oster- oder Geburtstagsessen sein wird. Der Wochenend-Trip nach Mallorca wird es sicher nicht sein – obwohl?

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In der Rückpass-Rubrik arbeitet die SportNews-Redaktion regelmäßig besondere und kuriose Ereignisse im Südtiroler Amateurfußball mit etwas Witz und Heiterkeit auf.

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