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Hannes Kiem und die Frage: Bleibt er oder bleibt er nicht? Dietmar Pfeifer hält beim FC Südtirol die Zügel in der Hand

„Beim FCS gibt es keinen Südtiroler-Bonus“

Der FC Südtirol hat die wohl turbulenteste Saison seiner jüngeren Vereinsgeschichte hinter sich. Geblieben sind zahlreiche Zweifel und Fragezeichen, die die Klubspitze vor schwierige Personalentscheidungen stellt. Geschäftsführer Dietmar Pfeifer will sich allerdings nicht unter Druck setzen lassen und wählt eine klare Linie. Diese versucht er im Interview mit SportNews.bz zu erläutern.


Herr Pfeifer, seit Wochen wird über einen Abschied von Sportdirektor Luca Piazzi spekuliert. Gibt es einen Plan B, sollte Piazzi seinen bis Sommer 2016 dotierten Vertrag nicht erfüllen?

„Natürlich beobachten wir das Geschehen ganz genau, doch wir sind mit keinem potenziellen Nachfolger in Kontakt getreten. Warum auch? Sollte Piazzi wirklich Abschied nehmen, so müsste er uns dieses Vorhaben zunächst mitteilen, immerhin hat er einen gültigen Vertrag. Unser Sportdirektor ist aktuell damit beschäftigt, gemeinsam mit dem Trainerstab, eine schlagkräftige Mannschaft für die kommende Saison auf die Beine zu stellen.“


Wird dieser Mannschaft auch Kapitän Hannes Kiem angehören?

„Kiem ist noch bis zum 30. Juni an den FC Südtirol gebunden. Bis dahin haben wir Zeit, eine definitive Entscheidung zu fällen und ihm eventuell eine Vertragsverlängerung anzubieten. Hier werden wir den Rat der sportlichen Leitung befolgen, die sich aktuell ein Gesamtbild verschafft und dann entscheiden wird, ob uns Kiem auch in Zukunft weiterhelfen kann.“


Greifen beim Kapitän und dienstältesten FCS-Profi also ausschließlich sportliche Kriterien?

„Bei uns gibt es weder eine Treue-Prämie, noch einen Südtiroler Bonus. Das ist Fakt! Der Spieler muss unssportlich überzeugen, die Herkunft oder Vergangenheit sind zweitrangige Faktoren.“


Offen ist auch die Zukunft von Gabriel Brugger. Hat sich die sportliche Leitung bei dieser Personalfrage bereits festgelegt?

„Nein, eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen gefällt. Ein weiteres Profijahr mit kaum Einsatzzeit wäre auch für Brugger nichtzufriedenstellend, deshalb muss uns der Trainer sagen, ob er in Zukunft auf ihn zurückgreifen möchte oder nicht.“


Andere Spieler wie etwa Chinellato, Pacifico oder Zullo haben noch Vertrag beim FCS, sollen aber abgegeben werden. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten?

„Bislang haben wir keinen Abnehmer für diese Spieler gefunden. Unser Sportdirektor ist aktuell aber um eine Lösung bemüht, ebenso wie im Fall Manuel Marras. Wir würden den Spieler gerne unter Vertrag nehmen, allerdings müssen wir die Entscheidung seines Stammvereins Spezia abwarten, der die Möglichkeit hat, ihn zurückzuholen.“


In der kommenden Saison wird der FC Südtirol in der Lega Pro auf namhafte Gegner wie die Serie-B-Absteiger Brescia, Cittadella und Varese treffen. Inwieweit beeinflusst dies ihre Zielsetzungen?

„Es ist noch verfrüht, über irgendwelche Ziele für die kommende Saison zu sprechen. Fest steht allerdings, dass es die wohl schwierigste und zugleich interessanteste Saison seit langem wird. Vergessen wir nicht, dass in unserem Kreis ohnehin zahlreiche Topklubs wie etwa Pavia oder Cremonese spielen, hinzu kommt noch Aufsteiger Padova. Auf die Zuschauer warten als mehrere Leckerbissen, auf die Spieler hingegen enorm hohe Herausforderungen.“


Sie wirken bereits wieder voller Tatendrang. Ist die Kritik der vergangenen Wochen und Monaten vollständig an Ihnen abgeprallt?

„Ich bin mittlerweile seit einigen Jahren im Fußballsport tätig und weiß, wie dieses Geschäft läuft. Man wird schnell gefeiert und zum Helden erklärt, um nur Augenblicke später wieder als der totale Depp dargestellt zu werden. Dieses Wechselbad mussten wir in der abgelaufenen Saison auf brutale Art miterleben. Ich habe aber die nötige Standhaftigkeit und zugleich dieÜberzeugung, dass auch wieder bessere Zeiten hereinbrechenwerden."


Autor: sportnews