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Die SportNews-Top-11 der Oberligasaison (Foto SN/ec) Andreas Klotzner, Abwehrchef von Obermais (Foto Griessmair) Riesentalent Emanuele Bocchio vom Bozner FC (Foto Eheim) Luca Consalvo hat bei Brixen eingeschlagen (Foto Perathoner)

CR7-Parfüms & KFZ-Mechaniker: Das ist die Oberliga-11 der Saison

Was die Oberliga-Top-11 der Saison 2016/17 mit einem Schulbus gemeinsam hat? Kommen beide gerne etwas in Verspätung. Deshalb genug der Worte – und lassen wir den Ball sprechen...


TOR

Patrick Psenner (Ahrntal):
Unspektakulär, aber effektiv – was zunächst nach dem Bauchtäschlein eines Opas klingt, sind eigentlich die Haupteigenschaften von Ahrntal-Keeper Patrick Psenner. Auch wenn die Defensive der „Teldra“ mit 44 Gegentreffern statistisch gesehen „nur“ zum Mittelmaß der Liga zählt, darf sich Psenner auch heuer wieder eine dicke Scheibe am Klassenerhalt abschneiden. Hauchte seinen Vorderleuten mit tollen Reflexen, sehenswerten Paraden und auch dem einen oder anderen Wachrüttler-Kommando besonders in den schwierigen Momenten Sicherheit ein.


ABWEHR

Andreas Klotzner (Obermais): Beim Beobachten von Andreas Klotzner drängt sich nicht selten der Verdacht auf, dass er seinen Nachnamen keineswegs zufällig trägt. Präsentierte sich in der Defensiv-Zentrale seines Überraschungs-Teams nämlich immer wieder wie ein beinharter Abwehr-Klotz, der nicht nur ein essenzieller Baustein in der zweitbesten Abwehr der Liga ist, sondern auch Mal offensiv den einen oder anderen Akzent setzt. Beispielsweise mit einem Weitschuss. Aus 60 Metern. Direkt ins gegnerische Tor. Huch.

Bernardo Ceravolo (Bozner FC): Wir haben uns die Freiheit genommen, eine Liste mit Dingen zu erstellen, die in etwa gleich angenehm sind wie einen Zweikampf, eine Rutschpartie oder ein Luftduell mit Bernardo Ceravolo zu bestreiten:
- Kochenden Tee schlürfen
- Crashtest-Dummy sein
- Einen 24-Stunden-Marathon von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ einzulegen

Auch heuer war Ceravolo beim Bozner FC nicht nur eine wichtige Stütze, sondern gleichzeitig auch so etwas wie ein Ziehvater für die meist blutjunge Abwehr der Talferstädter, die zusammen mit Tramin und hinter Trient sowie Obermais den drittbesten Wert der gesamten Liga aufweisen kann (34 Gegentreffer). Darauf eine heißgekochte Blutgrätsche.

Benjamin Althuber (St. Georgen): Zeit vergeht, Klasse bleibt – ein Spruch, wie zugeschnitten auf St. Georgens Benjamin Althuber. Ein Baujahr 1985 und somit zusammen mit Roland Harrasser der älteste Spieler im Kader der „Jergina“, verwaltete er die Geschicke in der Defensive immer noch ähnlich souverän wie der Steuerberater unsere Nebeneinkünfte. Bestach in seinen 28 Spielen vor allem mit herausragendem Stellungsspiel.


MITTELFELD

Emanuele Bocchio (Bozner FC): Einen ersten Berühmtheitstouch erlangte Bocchio vor zweieinhalb Jahren, als er mit gerade einmal 16 Lenzen ungeahnte KFZ-Mechaniker-Fähigkeiten offenbarte und das Star-Ensemble von Virtus Don Bosco mit einem Hattrick in alle erdenkliche Einzelteile zerlegte. Nach einer durchwachsenen Folgesaison hat der Angreiferin der abgelaufenen Spielzeit wieder sein großes Potential aufgetischt und war mit 13 Treffern die zweite große Offensiv-Waffe neben Fabio Bertoldi – und das im zarten Alter von 18 Jahren. Wird nicht ohne Grund mit dem angehenden Serie-D-Klub Trient in Verbindung gebracht. Mechaniker sind eben gefragt.

Martin Ritsch (St. Georgen): Wie viel Spaß es machen muss, als Ball von den Füßen des Martin Ritsch behandelt, gestreichelt, umgarnt zu werden? Vermutlich so wie als Gaspedal von Lewis Hamilton zu fungieren, als bester Kumpel von Snoop Dogg zu gelten oder das Eau de Toilette von Cristiano Ronaldo zu sein. Das feine Füßchen des „Jergina“-Mittelfeldspielers gehört nämlich mit zum Besten, was die Oberliga zu bieten hat – und, alle Achtung, heuer sogar zum treffsichersten. Insgesamt zwölf Mal setzte „Ritschi“ mit seinem breiten Arnold-Schwarzenegger-Lächeln zum Torjubel an, wobei besonders St. Martin seine Torgefahr auf grausamste Art und Weise zu spüren bekam und sich gleich fünf Buden einfing.

Stefan Pareiner (Ahrntal): Lief im Ahrntaler Mittelfeld mehr als Ozzy Osbournes Nase nach einer durchzechten Partynacht, ackerte in den Zweikämpfen emsiger als ein fleißiger Bauer auf der Wiesn und wies mit fünf Toren so nebenbei auch noch den besten Trefferwert seines Teams auf. Ein Blondschopf, wie gemacht für die Mittelfeldposition neben Martin Ritsch.

Daniel Lanthaler (St. Martin): Mit 68 Gegentreffern hatte St. Martin statistisch gesehen die wackligste Abwehr der gesamten Liga. Dass die Klasse am Ende trotzdem gehalten wurde, das muss also logischerweise an der Offensivabteilung gelegen haben, in der neben Marco Baggio (15 Tore, davon 7 Elfmeter) vor allem Daniel Lanthaler herausragte. Besonders nach dem Amtsantritt von Trainer Klaus Schuster (er kam nach sechs Spieltagen) blühte der Passeirer Stürmer stärker auf als ein Maiglöckchen bei frühlingshaften Temperaturen und erzielte insgesamt 12 Treffer. Unvergessen sein Doppelpack am letzten Spieltag, mit dem er der Weinstraße Süd den Gnadenstoß versetzte und den Abstieg der Unterlandler besiegelte.


ANGRIFF

Luca Consalvo (Brixen): Hat nach seinem Wechsel von Landesligist Stegen zu Oberligist Brixen besser eingeschlagen als Barney Stinson beim High-Five nach einer seiner Frauengeschichten. Rannte, kämpfte und ackerte was das Zeug hielt – und erarbeitete sich so herausragende 16 Treffer, was uns zu zwei Erkenntnissen kommen lässt: Einerseits ist Consalvo der so lange herbeigesehnte Vollblutstürmer für Brixen, andererseits müssen wir uns keine Sorgen mehr wegen des Baumsterbens machen – der Angreifer hat nämlich Luft für alle. Die Überraschung der Oberliga-Saison.

Enrico Gherardi (Trient): Gherardis Haarpracht und der Ball – das ist ein bisschen wie Ketchup und Mayo: Haben nur wenig gemeinsam, können in Kombination aber ein wahrer Genuss sein. Mit 36 Treffern hat er nicht nur ein Drittel aller Trientner Tore geschossen, sondern zeitgleich auch den Uralt-Rekord von Peter Mair eingestellt. Um auf die eingangs erwähnte Phrase zurückzukommen: Gut zwei Drittel seiner Tore erzielte der ehemalige Profi mithilfe seiner Lockenpracht auf dem Kopf – und das, obwohl er mit einer Größe 1,85 Metern keineswegs ein Riese ist. Man könnte nun also den Hut ziehen – wir haben uns aber leider schon auf den Weg zum Friseur gemacht.

Fabio Bertoldi (Bozner FC) : Was vielen Amateurfußballern nicht einmal im Training (ohne Torwart) gelingt, hat Fabio Bertoldi in der höchsten regionalen Spielklasse geschafft – nämlich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren über 30 Tore zu erzielen. Waren es im Vorjahr 33, so leuchten auf dem Torkonto des Salurners in dieser Saison 32 auf. Wahrscheinlich ist er der beste Angreifer, den die hiesige Oberliga jemals zu Gesicht bekommen hat – und gerade deshalb auch zu schade dafür. Muss sich auch ein thailändischer Profiklub gedacht haben, der Bertoldi vor kurzemzu einem Probetraining eingeladen haben soll.



SN/td




Autor: sportnews