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Fritz Keller steht im Kreuzfeuer der Kritik. © AFP / INA FASSBENDER

Entsetzen in Deutschland: Nazi-Vergleich vom DFB-Boss

Die Entrüstung über DFB-Präsident Keller nach dessen Nazi-Vergleich ist riesig. Der Spitzenfunktionär aus Freiburg versucht dennoch, seinen Posten zu retten. Wieder einmal sorgt der Verband für eine Affäre.

DFB-Präsident Fritz Keller hat sich mit einer verbalen Entgleisung selbst ins Abseits gestellt, klammert sich aber trotz des öffentlichen Entsetzens über seinen Nazi-Vergleich an seinen Posten. „Einen Rücktritt schließe ich aus“, sagte der 64 Jahre alte Freiburger am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Keller hofft offensichtlich, sich zumindest bis zu einem vorgezogenen DFB-Bundestag im Amt retten zu können.


Keller hatte seinen Vizepräsidenten Rainer Koch bei einer Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag nach übereinstimmenden Berichten von bild.de und Der Spiegel mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Der DFB äußerte sich nicht zu Einzelheiten, bestätigte allerdings die Entschuldigung Kellers. Entgegen den Aussagen des Verbandschefs hat Koch die Entschuldigung bisher jedoch nicht angenommen.

Der 1945 gestorbene Freisler war als Teilnehmer an der Wannseekonferenz einer der Verantwortlichen für die Organisation des Holocaust und später Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofes, wo er etwa 2600 Todesurteile verhängte, darunter auch gegen die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“.

Kellers Erklärungsversuch
Im besten DFB-Duktus ließ Keller am Dienstag mitteilen: „In Zeiten gesellschaftlicher Zerrissenheit sollten wir uns als Fußballer nach meinem Foul die Hände reichen und ein gemeinsames Zeichen der Versöhnung geben. Ich freue mich, dass Rainer Koch zu gemeinsamen Gesprächen bereit ist.“

Keller (rechts) und sein Vize Rainer Koch: Die Fronten sind verhärtet. © AFP / DANIEL ROLAND


Keller hatte zunächst erklärt, dass er sich schriftlich bei Koch entschuldigt und dieser „die Größe“ gehabt habe, „die Entschuldigung anzunehmen“. Diese Einschätzung, revidierte er nun, sei falsch, sagte der DFB-Präsident.
Im DFB brodelt es
In der vom DFB zunächst bestätigten Erklärung sagte Keller zudem: „Manchmal fallen in Kontroversen Worte, die nicht fallen sollen und nicht fallen dürfen (...). Insbesondere auch im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus war der Vergleich gänzlich unangebracht. Ich bedauere dies sehr und werde meine Worte künftig weiser wählen.“

Die jetzige DFB-Spitze gilt schon länger als zerstritten. Seit Monaten tobt ein Machtkampf zwischen Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius, der Kellers Verfehlung Spiegel-Angaben zufolge bei der Ethikkommission des Verbandes angezeigt hat. Der DFB steht seit Jahren durch Führungsschwäche, anhängige Steuerermittlungen und den immer noch nicht vollständig aufgeklärten „Sommermärchen“-Skandal um die WM 2006 in der Kritik.

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