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Jadon Sancho zeigte ein T-Shirt mit der Aufschrift „Justice for George Floyd“ – eigentlich ist das in der Bundesliga verboten. © APA/afp / LARS BARON

„Justice for George“: Sport im Politik-Dilemma

Weltweit protestieren Sportler nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Welle erreicht auch die deutsche Bundesliga. Spieler machen ihre Haltung deutlich. Das Narrativ des unpolitischen Sports ist längst dahin – und bringt den DFB in ein Dilemma.

Das traurige Schicksal von George Floyd hat auch die Bundesliga bewegt. Weston McKennie von Schalke 04 zeigte Empörung und Anteilnahme auf einer Armbinde, Mönchengladbachs Marcus Thuram ging symbolisch in die Knie, die Dortmunder Jadon Sancho und Achraf Hakimi forderten auf T-Shirts „Justice for George Floyd“Die Wut über die erschreckenden Bilder aus den USA und den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners hat über Pfingsten auch das Tausende Kilometer entfernte Deutschland erreicht.

Der Franzose Marcus Thuram setzt mit dieser Geste ein Zeichen gegen Rassismus. © APA/afp / MARTIN MEISSNER

Mit ihren starken Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA brachten sie zugleich den DFB und die DFL in ein Dilemma. Den Statuten zufolge sind solche Aktionen untersagt. „Ob es in den vorliegenden Fällen zu Sanktionen kommen muss, bleibt abzuwarten“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch am Montagabend. Doch eine Bestrafung der Profis würde alle Anti-Rassismus-Aktionen ad absurdum führen. Und auch alle Bemühungen, den Profifußball zu verändern und wieder gesellschaftlich relevanter zu machen.

DFB-Präsident Fritz Keller äußerte Verständnis für den Protest. „Ich habe großen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz“, sagte er. „Moralisch kann ich die Aktionen am vergangenen Wochenende absolut verstehen.“
Football: Vorbild Kaepernick
Dass sich Sportler gesellschaftspolitisch äußern, ist nicht neu. Für Deutschland ist das aber noch immer ungewohnt, vor allem im Profifußball. Im American Football hatte Colin Kaepernick 2016 mit einer ähnlichen Geste eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet. Der heute 32-Jährige war während der Nationalhymne auf ein Knie gegangen – war danach selbst rassistischen Schmähungen ausgesetzt und fand keinen Verein mehr.

Ex-Footballprofi Colin Kaepernick stellte sich dem Rassismus entgegen und fand in der Folge keinen Verein mehr. © PIXATHLON/SID

In Deutschland wird mit Spannung erwartet, wie der DFB mit McKennie, Sancho, Hakimi und Thuram umgeht. Schon einmal gab es einen vergleichbaren Fall: Anthony Ujah von Union Berlin zeigte 2014 noch als Spieler des 1. FC Köln ein T-Shirt mit der Aufschrift „I can't breathe“. Seinerzeit wurde Eric Garner auf ähnliche Weise getötet wie Floyd. Der DFB entschied milde: Er beließ es im Fall Ujah bei einer Ermahnung und Erinnerung an das Verbot von politischen Statements.

Autor: cst/dpa

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