a Deutschland

Sigi Heinrich meint zu Hansi Flick: Der Hans, der kann's. © APA/afp / LASZLO SZIRTESI

Sigi's Spitzen: Auf der Woge des Glücks

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute wirft er nochmal einen Blick auf den jüngsten Erfolg des FC Bayern und speziell dessen Glücksfall an der Seitenlinie.

Sigi Heinrich


Der Hans, der kann`s. Dieser Hans auf jeden Fall. Der mit „i“ hintendran, der Hansi. Kein Flickschuster, ein wohlfeiler Flick mit viel Geschick. Ein Hans im Glück? Das wäre zu oberflächlich, denn Glück, so heißt es so schön, ist der günstige Ausgang eines Ereignisses. Und kommt es nicht besonders oft zu dem der tüchtig ist? (Helmut Graf von Moltke). Dann wird das so weitergehen mit Hans-Dieter Flick, dem Trainer des FC Bayern München, der jetzt seinen vierten Pokal in diesem Jahr holte mit dem Erfolg im Supercup gegen den FC Sevilla. Das Glück war ihm in diesem Fall zunächst wieder hold, hatte aber auch einen Namen: Manuel Neuer. Der Torhüter bewahrte die Münchner vor manchen Einschlägen und hielt sein Team im Spiel. Aber das allein genügte nicht. Glücklich dem, der einfach mal auf sein Bauchgefühl hört. Oder aber der die Gabe besitzt, Dankbarkeit einem Spieler gegenüber zu zeigen, der seit acht Jahren beim FC Bayern spielt. Und der 2013 beim ersten Supercupsieg gegen den FC Chelsea ein entscheidendes Tor schoss, das dem FC Bayern das letztlich erfolgreiche Elfmeterschießen ermöglichte. Die Rede ist vom spanischen Weltmeister von 2010, Javier Martinez. Ausgesondert in München stand die Rückkehr zu seinem Heimatverein Bilbao schon vor dem Match in Budapest fest. Flick beließ ihn dennoch im Kader und setzte ihn in der 104. Minute für Goretzka ein. Ein letzter Auftritt im Bayern-Trikot für den sympathischen Basken, der wirklich immer mit vollem Einsatz für sein Team agierte. Und kurz nach seiner Einwechslung erzielte Martinez per Kopf das Siegtor für die Münchner.

Flick ein Glücksfall für den FC Bayern
Glück? Ja, irgendwie natürlich schon. Aber auch einer inneren Eingebung von Flick folgend. Salopp formuliert: Entweder man hat`s drauf oder eben nicht. Es sind die Entscheidungen, die fallen, ohne dass man sich vorher darüber nächtelang Gedanken gemacht hat. Und vielleicht sind zu viele Gedanken mitunter ja auch hinderlich auf der Jagd nach dem Glück, denn auch der Zufall lässt sich da nicht lumpen und mischt noch kräftig mit. Soll und kann man dem Glück auf die Sprünge helfen? Man möchte ja gerne, dass es einem immer zur Verfügung steht. Abrufbereit quasi. In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ist das „Streben nach Glück“ sogar als originäres Freiheitsrecht verankert worden. Das war weit vor Donald Trump. Ein Gewohnheitsrecht entsteht dadurch freilich nicht. Nur wer nichts tut, wird auch nie Glück haben können und dieser Hansi Flick, der scheint viel zu tun und vieles dabei richtig zu machen, wobei die Verantwortlichen des FC Bayern zu ihrem Flick-Glück förmlich gezwungen, ja gedrängt worden sind. Nur weil das Engagement mit Nico Kovac nicht zu Ende geführt wurde, kam Flick zu seinem Posten und macht seitdem alle glücklich, die sich irgendwie mit dem FC Bayern verbunden fühlen. Getreu einem Spruch von Theodor Fontane, der einst sagte: „Glücklich machen ist das höchste Glück.“
Mit Bescheidenheit zum Höhenflug
Von den Funktionären über die Spieler bis hin zum letzten Fan scheinen sie im Augenblick ihr Glück wohl gar nicht fassen zu können, was da durch Flick, dem vormals zweiten Mann, in kürzester Zeit passiert ist. Da ist einer mit bescheidenem Auftreten zum Supertrainer avanciert. Früher musste einer, der Bayern-Trainer werden wollte, schon eine besondere Vita aufweisen. Und viele, viele Erfolge. Hansi Flick hat – und das ist eines seiner größten Verdienste – gezeigt, dass man einfach nur Mensch sein muss, um gewinnen zu können. Er war und ist ein Glücksfall für seine Umgebung. Für den Fußball, für alle. Er hat dem Spiel der Millionäre Bodenhaftung verliehen. Das kann man gar nicht hoch genug loben. Ob das jetzt so weiter geht mit der Glückssträhne beim FC Bayern München, die ja eigentlich auch nur das Ergebnis großartiger Arbeit ist? Niemand kann das sagen. Der deutsche Schriftsteller Albrecht Goes hatte dazu eine wohlfeile Meinung, die man auch als Warnung sehen kann für allzu große Glücksgefühle, die momentan beim FC Bayern München kein Ende zu kennen scheinen: „In den meisten Fällen ist das Glück kein Geschenk, sondern ein Darlehen.“ Man sollte also gewappnet sein, denn das Glück ist ein brüchiges Gebilde. Verführerisch, närrisch und wankelmütig.

Autor: sigi heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210