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Ist eine Fußball-Legende: Franz Beckenbauer. © AFP / CHRISTOF STACHE

Sigi's Spitzen | Beckenbauer bleibt der Franz

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute befasst er sich mit der Fußball-Legende Franz Beckenbauer, die ihren 75. Geburtstag feiert.


Von Sigi Heinrich


Darf man das? Ein Denkmal stürzen. Einfach so. Schleifen, niederreißen bis am Ende nur noch ein paar Krümel übrigbleiben? Schließlich hat man Verantwortung, denn das Denkmal hat sich ja nicht selbst geschaffen. Wir wollten es, wir waren stolz darauf. Und es wurde dabei immer größer, mächtiger und es half, der Welt zu zeigen, welch außergewöhnliche Menschen dieses Land hervorbringt. Und wir konnten aufschauen und uns freuen. Denn so einen, nein so einen wie Franz Beckenbauer haben nicht viele. Die Brasilianer vielleicht mit ihrem Pele oder die Belgier mit ihrem Radler Eddy Merckx. Fausto Coppi genießt in Italien noch immer Heldenstatus. Dann wird es schon eng. Coppi lebt nicht mehr, Pele ist 79 Jahre alt, Merckx 75. Der gleiche Jahrgang übrigens wie der Franz. Wir sind ja per Du miteinander. Das ganze Deutschland. Keiner hat je gesagt: Ja der Beckenbauer. Nein. Er war unser Franz, der Kaiser.

SportNews-Kolumnist Sigi Heinrich.


Er benötigte keine Krone und wir waren begeisterte Untertanen, weil wir liebten, was er tat wie es nur wenige je konnten: Fußballspielen wie ein Gott. Hat er, das habe ich mich auch immer gefragt, jemals ein paar Schweißtropfen vergossen, als er dribbelte und als Libero von hinten alle anderen dirigierte? Wenn, dann hat er das gut versteckt. Sein Trikot war jedenfalls immer sauber, denn für die Drecksarbeit in der Abwehr hatte er ja seinen „Katsche“. Georg Schwarzenbeck. Der Mann fürs Grobe ließ Beckenbauer neben oder hinter ihm noch eine Spur eleganter erscheinen, als das sowieso schon der Fall war.
Ein Kreis schließt sich
Und natürlich waren wir auch ein wenig neidisch. Nicht weil er im Rampenlicht stand, oft sogar mit seiner ganzen Familie. Und nicht, weil er mit allen Nebengeräuschen ein reicher Franz geworden ist. Neidisch waren wir, weil ihm scheinbar lässig und locker und ohne große Anstrengung alles, aber auch alles gelang, was er anpackte.

Der Höhepunkt war sicherlich, als er als Kapitän der Nationalmannschaft 1974 den Pokal des Weltmeisters in den weißblauen Himmel reckte und damit seinem Vorbild Fritz Walter folgte, dem dieses Kunststück 1954 gelungen war. Der Franz feierte als damals Neunjähriger schon mit, als die Helden von Bern nach ihrem Triumph nach München kamen. So hat sich der Kreis geschlossen. Danach wurde er noch einmal Weltmeister. Als Trainer ohne Lizenz. Legendär sind die Bilder, wie er einsam im Mittelkreis des Olympiastadions in Rom in sich gekehrt auf und ab ging. Der Welt entrückt, während seine Spieler feierten.

Beckenbauer (links) im Moment seines größten Triumphs als Spieler: Dem Gewinn der Weltmeisterschaft. © APA / WEREK/ dpa


Und vielleicht war er immer auch schon von einer anderen Welt, der Gottkaiser aus Giesing, der danach auch noch die Weltmeisterschaft nach Deutschland holte. Nur dank Beckenbauer bekam Deutschland damals mit einer Stimme Mehrheit den Zuschlag. Er behauptet sich auch eben nicht nur auf dem Rasen, sondern war ein charmanter Plauderer und so nebenbei auch Chef des damaligen Organisationskomitees.
Vom Weg abgekommen
Ich bin sicher, er wäre schon längst Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), wenn da nicht ein paar Ungereimtheiten und eben auch Verfehlungen bei dieser WM-Vergabe ans Tageslicht gekommen wären. Und hier beginnt die Geschichte mit dem Denkmal, das man vom Sockel stürzt, obwohl man es jahrzehntelang bewundert hat. Denn plötzlich war der Franz, der jetzt zum Beckenbauer wurde, doch ein ganz normaler Mensch, der Fehler macht. Hätte er zum Beispiel gesagt: Ihr wisst doch alle, dass man bloß mit ein paar netten Worten keine WM bekommt. Oiso ham mir des Spui mitgspuit. Und mia hams griagt, de WM. Das hätte genügt und wir alle hätten gesagt: A Hund is a scho, unser Franz. Und wir hätten ihm alles verziehen.

Aber das hat er nicht getan, sondern er hat sich stattdessen zurückgezogen und den Anwälten und Gerichten das Geschehen überlassen. Schade. Am 11. September hat er Geburtstag und nicht nur deshalb finde ich, soll man aufhören, immerfort am Denkmal zu kratzen. Er bleibt unser Kaiser, ein Fußballspieler, der übers Wasser gehen konnte. Ein Künstler, ein Ausnahmetalent, ein Überirdischer, wenn ihm der Ball förmlich am Fuß klebte, ehe er ihn dann ins Tor hämmerte oder lässig hineinschob, nachdem er den Torwart ausgespielt hatte. So viele großartige Momente, für die wir ihm, unserem Franz, ewig dankbar sind und die letztlich bleiben. Für immer.

Autor: sigi heinrich

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