a Deutschland

Karl-Heinz Rummenigge fühlt sich von der Politik „verarscht“. © POOL / ROBERT MICHAEL

Sigi`s Spitzen: Die Traumwelt des FC Bayern

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es um die Chaos-Anreise des FC Bayern München zur Klub-WM nach Doha.

Sigi Heinrich

Ich nehme mal an, dass die Bestuhlung der Business-Class in den Fliegern von „Qatar-Airways“ erträglich ist. Armlehnen, angenehme Sitzverstellung bis hin zur Liegeposition ist wohl vorhanden. Und die Verstellmöglichkeit funktioniert sicher auch, wenn der Flieger noch am Boden steht, wie jene Maschine, mit der die Kicker des FC Bayern München ursprünglich noch am Freitagabend nach dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin – vom neuen Flughafen immerhin – zur Klubweltmeisterschaft in den Wüstenstaat fliegen wollten.


Doch genau um Mitternacht stand das Flugzeug noch am Boden, war also noch nicht in der Luft, um das noch einmal genau zu formulieren. Und das heißt schlicht und einfach: Damit greift das Nachtflugverbot über Berlin, das nur aufgehoben wird, wenn „der Flug für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist.“ Oder für „Notfälle sowie Regierungsflüge oder Postflüge.“ Die Spieler des FC Bayern und auch nicht deren Funktionäre erfüllen keine dieser Voraussetzungen. Sie wollten schlicht und einfach nur zu einem Fußball-Turnier fliegen, das zufällig bei einem ihrer Sponsoren (Katar) ausgetragen wird. Also greifen in diesem Fall die Verordnungen. Logisch, oder?

Demut ist beim FC Bayern Fehlanzeige
Der FC Bayern sieht das natürlich anders, was die Hybris, die den Fußballsport immer intensiver begleitet, noch einmal deutlich macht. Der Vorstandschef des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, meinte doch tatsächlich: „Wir fühlen uns von der Politik total verarscht.“ Ja geht’s noch? Diese Aussage ist eine Frechheit, denn wenn ich mich recht erinnere, erlaubt diese Politik, die für den FC Bayern beim Abflug richtigerweise keine Ausnahmegenehmigung erteilte, genau jenem FC Bayern und allen Profifußballspielern, dass sie ihrem Beruf nachgehen können. Viele, die jeden Euro benötigen, um in der Pandemie zu überleben und die um jeden Euro kämpfen, um ihre Familien durchzubringen, dürfen das nicht. Demut müsste der FC Bayern zeigen. Verständnis, anstatt wie wild um sich zu schlagen.

Die Bayern-Spieler mussten die Nacht am Flughafen verbringen. © APA/afp / -

Uli Hoeneß ließ sich gar dazu hinreißen, „von einem Skandal ohne Ende“ zu sprechen. Und damit nicht genug. Es sei eine Unverschämtheit der Verantwortlichen, meinte er. Er meinte das allen Ernstes. Gut, es ging nur um ein paar Minuten, die der Flieger zu lange am Boden war, aber jetzt zu behaupten, wie Rummenigge das tat, dass da im Tower Menschen wären, die bewusst dem FC Bayern schaden wollten, überschreitet das Maß des Erträglichen.
Die Fußballer leben in einer Traumwelt
Und als die Münchner dann noch anfügten, der FC Bayern vertrete ja schließlich das Land Deutschland und würde Ehre einlegen, wenn man dieses Turnier gewänne, gehört wohl eher in die Rubrik Kabarett oder Faschingsscherz. Die Kicker-Elite darf sich angesichts solcher Reaktionen nicht wundern, wenn sie als hochnäsig, arrogant, selbstherrlich und fern jeder Realität wahrgenommen wird. Dass RB Leipzig auch lange glaubte, man würde für die Einreise des FC Liverpool zum Champions-League-Spiel schon eine Ausnahmegenehmigung erhalten (Fußball schließlich), passt ins Bild. (Das Match findet jetzt in Budapest statt). Es ist gut so, dass sich die Politik nicht wieder von den Kickern über den Tisch ziehen lässt und dass sie Zeichen setzt, zumal sie von der Gesellschaft derzeit viel fordert, fast schon zu viel.

Die Fußballer leben längst nicht mehr in einer Blase, sie leben in einer Traumwelt, während alle anderen das Gefühl haben, einen Albtraum zu erleben. Übrigens: Der FC Bayern ist heil in Katar angekommen, mit ungeplanter Zwischenlandung in München, weil die Besatzung ausgetauscht werden musste. Noch hat nämlich niemand vom FC Bayern einen Pilotenschein…..

Autor: sigi heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210