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Beim Berliner Stadt-Derby gab es auf dem Feld wenig Spektakel. © APA/afp / ANNEGRET HILSE

Sigi`s Spitzen: Fußball als Magerkost

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es unter anderem um die deutsche Fußball-Bundesliga, die Magerkost bietet.

Sigi Heinrich


Es ist Tradition, dass an Ostern ein längerer Spaziergang auf dem Programm steht. Nach Osterschinken und Lammbraten eine zwingende Notwendigkeit. Zudem ist es eine wunderbare Gelegenheit, der Natur beim Erwachen zuzuschauen. Die herrlichen Farben verzaubern, die Schritte sind leicht. Im Überschwang der Gefühle hätte ich beinahe gesagt: Federnd, fast fliegend. Aber bleiben wir auf dem Boden, denn der Tag ist noch lang und es gibt noch einen Abend, den ich genüsslich am Fernseher verbringen will. Programmzeitschriften habe ich nicht, im Internet nachschauen will ich nicht, also lasse ich mich – und das ist ja auch spannend – von meiner Fernbedienung durch den Lustgarten der TV-Anbieter führen.

Die gebührenfinanzierten Sender zeigen mal wieder ihre Unlust, Neues zu bieten. Sie setzen auf alte Kamellen. Leitmeier und Batic ermitteln im ARD- Tatort. Ich schaue zehn Minuten zu und denke mir: „Kenn ich doch.“ Dort wo der Eisbach rauscht und sportliche Münchner im eiskalten Wasser mit ihrem Surfbrett wahre Kunststücke vollbringen, spielt der Tatort. Zumindest am Anfang. Als dann eine Ex von Leitmeier einen Handstand macht, nachdem sie ein paar Stühle gestrichen hat, wusste ich, es ist Zeit für einen Wechsel. Die ewige Welle ist Vergangenheit. Ein Knopf weiter befindet sich das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF). Der Sender ist bekannt für seine Programme mit kulturell hochstehenden Inhalten im Abendprogramm. Ich sehe Florian Silbereisen in der strahlend weißen Uniform eines Kapitäns zur See. Ich glaube, das heißt so. Panik erfasst mich. Das ist für mich ein Grund, sofort über Bord zu springen, egal wo sich sein Dampfer gerade aufhält.

Musste es denn Silbereisen sein, der einem Assistenzarzt der Schwarzwaldklinik (Sascha Hehn) ans Ruder des Urlaubsschiffes für A-B-und C-Promis folgte? Vorher war es ein Bayer (Siegfried Rauch) aus Murnau, der maximal ein Tretboot am Staffelsee bedienen konnte. Und jetzt ein Schlagersänger. Mehr Fehlbesetzung geht nicht. So einer, der auf den Weltmeeren herumschippert, muss doch einen norddeutschen Klang in seiner Stimme haben, denke ich mir. Da muss man das Rauschen der Wellen hören. Und mir fällt Otto Walkes ein. Das wäre mal ein Kapitän gewesen. Bei dem wäre ich geblieben. Und der weiß auch, was ein Palstek ist. So aber weiter und immer weiter bis endlich ARTE kommt und die Rettung aus höchster Seenot. „Die Frau in Gold.“ Mit der unvergleichlichen Helen Mirren, und mit Ryan Reynolds und Katie Holmes. Wer suchet, der findet. So ist das an Ostern.

Kein Spektakel in der Bundesliga
Und dann ist es endlich so weit: 21.45 Uhr. In den dritten Programmen der gebührenfinanzierten ARD kommt die Zusammenfassung der Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga. Doch statt guter Unterhaltung bekomme ich Tristesse serviert. Sowohl beim Match VFB Stuttgart gegen Werder Bremen, als auch im Berliner Derby zwischen Union und Hertha ist der sportliche Schmalhans Küchenmeister. Magerkost serviert er, ganz harte, geschmacklose Stullen. Das ist nicht weit entfernt von der Floskel: Not gegen Elend.

Auch bei der Partie zwischen Stuttgart und Bremen gab es wenige Highlights. © APA/afp / THOMAS KIENZLE

Die Schwaben brauchen ein Eigentor der Bremer, um zu gewinnen. Die Hertha benötigt einen Elfmeter, um wenigstens Unentschieden zu spielen. Von wegen großer Hauptstadtclub und künftiger Champions-League-Teilnehmer. Aus dieser Sicht ist es ein Armutszeugnis, das Hertha abgegeben hat. Der Underdog Union macht seine Sache viel, viel besser, schießt aber leider zu wenig Tore trotz Kruse. Das ganze Spektakel – pardon, es war ja alles andere als ein Spektakel - dauert zwanzig Minuten.

Dann kommt der österliche Schlusspfiff und mir wird allmählich klar, wieso die deutsche Fußballnationalmannschaft neulich gegen die Nummer 65 der Weltrangliste, Nordmazedonien, in Duisburg verlor. Es ist nicht viel Substanz in dieser Bundesliga. Ein paar Spiele, meist mit dem FC Bayern, vermitteln Qualität. Alles andere verdient keine Zuschauer, nicht mal am Abend vor dem Fernseher.

Autor: sigi heinrich

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