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Schalke 04 Aufsichtsratschef Clemens Tönnies steht unter heftiger Kritik. © pixathlon/SID

Sigi`s Spitzen: Schweinereien belasten Schalke 04

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol, aktuell schildert er in seiner eigenen SportNews-Rubrik, wie er die Corona-Situation erlebt. Es ist vielleicht nicht immer alles so ganz ernst gemeint, dafür dürfte es aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Von Sigi Heinrich



Na wer sagt`s denn. In Zeiten des Niedergangs trotz allem doch noch ein Vereinsrekord. Seit 15 Spielen hat Schalke 04 nicht mehr gewonnen. Weil eine ordentliche Vorrunde gespielt wurde, bleibt die Mannschaft dennoch in der Bundesliga. Allerdings ist vom alten Schalke nicht mehr viel übrig. Der Club, der früher stolz war, dass er die Heimat der Kumpels aus der Zeche sein durfte, zerlegt sich im Moment gerade selbst in alle Einzelteile und ist nur noch ein armseliger kleiner und zutiefst gespaltener Verein, der sich im freien Fall befindet. Der Mediendirektor wurde entlassen, der Finanzvorstand ebenso und vor allem viele Geringverdiener im Verein vom Fahrdienst bis zu Büroangestellten.

Sigi Heinrich bringt seine Meinung zum Ausdruck.


Das nehmen die hartgesottenen Mitglieder, die „Ultras“, die bislang in bedingungsloser Treue zu ihrem Chaosclub standen, der Vereinsführung besonders übel. Überraschend freilich kommt das alles nicht, denn der Kopf heißt Clemens Tönnies, der sich gerne als „Schalke-Boss“ titulieren lässt. Eben jener Tönnies, in dessen Fleischfabriken das Coronavirus so stark gewütet hat, dass man jetzt gar wieder über einen „Lockdown“ in Nordrhein-Westfalen nachdenkt. Schulen und Kitas in Gütersloh sind bereits wieder geschlossen. In der Manier eines kapitalistischen Ausbeuters hat Tönnies seine Firma geleitet. Menschen zählen nicht, Schweine eh nicht. Schalke 04 ist ein Spielzeug für ihn oder auch ein gigantisches Ablenkungsmanöver für den unhaltbaren Zustand in seinem Betrieb, den freilich die Politik, die jetzt harte Maßnahmen fordert, jahrelang geduldet hat.
Mäzene ohne Sportverstand
Großmannssucht treibt solche Menschen an und Selbstdarstellung in einer Art, die peinlich ist. Aber der Fußball ist offensichtlich ein begehrtes Instrument für Millionäre, die mehr sein wollen als sie sind. Sie gieren nach Anerkennung und Öffentlichkeit. Da ist die Loge für den Präsidenten ein wohlfeiles Plätzchen um larmoyant wie ein Kaiser seine Untertanen zu grüßen. Erkaufte Aufmerksamkeit ist das.

Gut geführte Vereine wie der FC Bayern, Borussia Dortmund oder auch der FC Freiburg haben das nicht nötig. Und es ist ein nicht mal erstaunliches Phänomen, das dort, wo Mäzene aktiv sind, die vom Sport nicht viel Ahnung haben, der Erfolg eher ausbleibt oder nur ein kurzfristiges Intermezzo gibt. In Nürnberg war einst der Teppichgroßhändler Michael A. Roth sogar zweimal am Ruder. Mittlerweile torkeln die Franken durch die zweite Liga mit Tendenz Abstieg. Der Fuhrunternehmer Michael Kühne schießt aus der Schweiz immer wieder Millionen in die leere Kasse des HSV. Vermutlich erneut vergeblich, um wieder erstklassig zu werden. Bei Hertha BSC hat der Investor Lars Windhorst 225 Millionen Euro in den Verein der deutschen Hauptstadt gesteckt. Ergebnis bislang: In dieser Saison hat man bereits drei Trainer verschließen und muss gar um die erste Position in Berlin fürchten durch den Kultverein Union Berlin.
Eine Chance für den Verein
Einer der früheren Präsidenten von Schalke 04, Günther Eichberg, wurde gar der „Sonnenkönig“ genannt. Immerhin rettete er den Verein in seiner Zeit vor dem Abstieg und verschaffte ihm das Stadion mit verschließbarem Dach. Aber am Ende seiner Amtszeit stand Schalke 04 mit 20 Millionen Schulden in der Kreide. Jetzt ist die Situation erneut prekär. Dem „Schalke-Boss“ Clemens Tönnies fliegen derzeit die Schweineschnitzel um die Ohren. Die Zeiten als das noch gebratene Tauben waren, sind endgültig vorbei. Tönnies muss seine Schweinereien verantworten. Für Schalke 04 hat er jetzt sicher keine Zeit mehr. Und wer weiß. Vielleicht ist das sogar ein Glücksfall für den Verein. Eine Chance auf jeden Fall.

Autor: sigi heinrich

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