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David Wagner wurde als Schalke-Trainer entlassen. © POOL / WOLFGANG RATTAY

Sigi's Spitzen | Vorsorge als Rettungsanker

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute wirft er nochmal einen Blick auf den jüngsten Erfolg des FC Bayern und speziell dessen Glücksfall an der Seitenlinie.

TV-Kommentator und SportNews-Kolumnist Sigi Heinrich.


Vorsorge ist, das erkennt man meistens erst, wenn es zu spät ist, wichtig. Oder der berühmte Plan B, den man flugs flott aus dem Ärmel ziehen kann, wenn die ursprüngliche Idee nicht funktioniert. Dann wäre man fein raus und könnte ohne größere Sorgen einfach weitermachen und wieder neue Konzepte schmieden. Oder sich erst einmal überraschen lassen von der Ersatzvariante. So wie das der FC Bayern, notgedrungen eigentlich, getan hat, als die Zeit mit Nico Kovac ablief. Der Hansi kam, der zweite Mann. Er übernahm, gar nicht zögerlich, das Ruder mit fester Hand und eilte von Erfolg zu Erfolg.

Geplant war das freilich nicht, so ehrlich sollte man die Situation schon sehen. Aber es zahlte sich in diesem Fall aus, dass der sogenannte Co-Trainer sein Metier beherrscht. Er ist ja nicht nur im Team, weil er besonders sorgfältig Hütchen aufstellen kann für die verschiedenen Übungseinheiten, sondern er sollte eigentlich auch der verlängerte Arm des Cheftrainers sein. Ein Ratgeber in taktischen Fragen. Einer, der auch Impulse gibt, wenngleich diese eher im stillen Kämmerlein angeschoben werden sollen. Flick war auch lange Co-Trainer bei Joachim Löw, dem deutschen Bundestrainer, der ja auch als zweiter Mann hinter Jürgen Klinsmann begann. Und als der Stabwechsel stattfand, war Löw bereit und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vertraute ihm und tut das erstaunlicherweise noch immer, weil Löw nachgesagt wurde, er habe im Grunde seinem Chef Klinsmann die Spielideen eingeflüstert. Mehr darf ja ein Stellvertreter nicht tun. Die Lorbeeren ernten immer diejenigen, die auf dem Chefsessel sitzen.

Der zweite Mann wird immer wichtiger
Aber immer mehr wird deutlich, dass sich Sportvereine nicht mehr darauf verlassen sollten, einen irgendwie talentierten weiteren Trainer in das Team zu holen. Es muss längst einer sein, der sein Handwerk so gut beherrscht, dass er bei Bedarf auch einspringen kann. Für den Fall der Fälle, der in der Fußballwelt längst zum Alltag gehört. Vorzeitige Trainerentlassungen sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Allerdings hat diese Saison auch einen Rekord mit sich gebracht. So früh, nach nur zwei Spieltagen, wurden noch nie Trainer entlassen. In Schalke David Wagner und in Mainz Achim Beierlorzer. Und in Würzburg der Aufstiegstrainer Michael Schiele (von der dritten in die zweite Liga) nach zwei Niederlagen.

Nach 2 Spielen war auch für Achim Beierlorzer in Mainz Schluss. © POOL / KAI PFAFFENBACH


In allen Fällen trifft folgender, gerne zitierter Spruch zu. „Guter Rat ist teuer.“ Die geschassten Trainer haben meist längerfristige Verträge und müssen natürlich weiter ihr Gehalt bekommen. Also liegt die Lösung des FC Bayern (der sich freilich einen teureren Trainer hätte leisten können) auf der Hand. Her mit dem zweiten Mann. Jan-Moritz Lichte heißt der sogenannte Interimstrainer bei Mainz. Ein, wie es jetzt heißt, wohl auch, um ihm den Rücken zu stärken, talentierter Coach, der schon einmal in dieser Position war und sein einziges Spiel als Cheftrainer gewann. Und der schon da war, als Beierlorzer kam.
Schalke sucht einen Retter
Das ist anders als in Gelsenkirchen, wo David Wagner zwei Co-Trainer seiner Wahl mitbrachte mit Frank Fröhling und Christoph Bühler. Mainz hatte vorgesorgt mit einem eigenen Mann. Schalke nicht. Da setzt man jetzt und hofft, wie immer eigentlich, vor allem auf große Namen, obwohl man es sich eigentlich nicht leisten kann. Aber in Zukunft, das wird mit den beiden flotten Trainerentlassungen und überall angespannten Finanzsituationen klar, wird man der Rekrutierung des Personals auch dem Posten des Co-Trainers erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Die Münchner hatten in allen Fällen Glück mit Hansi Flick (vielleicht war es sogar Vorsorge!). Den Mainzern sei es vergönnt, mit Lichte vielleicht eine Wende zu schaffen. In Würzburg stünde ja Berater Felix Magath schon mit ein paar Medizinbällen bereit. Und Schalke 04? Da hilft keine Vorsorge mehr. Dort gibt es auch keinen Plan B. Schalke ist ein Notfall und benötigt nicht nur einen Trainer, sondern einen Retter in wieder einmal höchster Not.

Schlagwörter: Fussball

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