a Champions League

Auch Liverpool-Fans machten ihrem Ärger bereits Luft. © APA/afp / PAUL ELLIS

Sigi`s Spitzen: Die Gier im Fußball und die Doppelmoral

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es um die geplante Fußball-Superliga.

Sigi Heinrich



Mehr, immer mehr. Aber Fortschritt ist nicht gleichbedeutend mit mehr Zufriedenheit. Die Antriebsfeder für Veränderungen in dieser unserer Welt ist häufig sehr einfach: Gier. Die nackte Gier treibt ihre Blüten immer aus und häufig vor allem dort, wo man schon viel hat, denn wer viel besitzt, will mehr, immer mehr. Das machen ein paar Fußballvereine aus England, Italien und Spanien gerade sehr deutlich. Sie wollen eine Superliga gründen mit einem Startkapital von angeblich 3,5 Milliarden Euro, die von verschiedenen Investoren aufgebracht werden.

Französische Vereine und auch die Clubs aus der Bundesliga distanzieren sich von dieser Idee, wobei vor allem die Absage von Paris-St. Germain erstaunlich ist, denn Paris lebt vom Geld aus Katar. Und fast alle Vereine, die in diese Superliga streben, werden von Investoren unterschiedlicher Herkunft unterstützt. Oligarchen aus Russland sind ebenso zahlreich vertreten, wie reiche Scheichs aus den Golfstaaten. Und sie alle wollen einen neuen Wettbewerb, um vor allem über weitere TV-Verträge (die natürlich alle im Bezahlbereich für die Fans angesiedelt werden müssen) noch mehr Einnahmen zu generieren. Gespielt werden soll unter der Woche in zwei Zehnergruppen, wobei noch keine 20 Teams im Pott sind. Ob das nun der große Wurf werden kann, muss man abwarten.

Diese 12 Vereine sind Gründungsmitglieder der Super League. © APA/afp / PIERRE-PHILIPPE MARCOU, PAUL ELLIS, DANIEL LEAL-OLIVAS, ISABEL INFANTES, TIM KEETON, JOSE MANUEL RIBEIRO, ODD ANDERSEN, MARCO BERTORELLO, ISABELLA BONOTTO, PACO SERINELLI



Der Zeitpunkt der Ankündigung einer solchen Superliga ist übrigens bewusst gewählt, denn der Europäische Fußball-Verband (UEFA) will in diesen Tagen eine Aufstockung der Champions-League von 32 auf 36 Vereine beschließen. Mehr, immer mehr. Im gleichen Atemzug spricht die UEFA eine deutliche Warnung an die möglichen Teilnehmer der Superliga aus. Sie würden aus allen Wettbewerben der UEFA ausgeschlossen werden. Man predigt fleißig Wasser und trinkt Wein. Die Gier steuert auch die UEFA. Doch es geht noch mehr, viel mehr Doppelmoral, denn auch der Fußball-Weltverband (FIFA) hat deutlich gemacht, dass er diese Superliga mit aller Macht bekämpfen will. Die Messer sind frisch gewetzt. Spieler aus den Vereinen der Superliga dürften, so der erhobene Zeigefinger, dann eben nicht mehr in den jeweiligen Nationalmannschaften spielen.

Ausgerechnet die gierige FIFA treibt mögliche Konsequenzen auf die Spitze. Zur Erinnerung: Die erste WM 1930 fand mit 13 Teams statt. Und dann folgte kontinuierlich eine Erhöhung der Teilnehmerzahl. Zuletzt übrigens für die WM 2026. Dann sollen statt wie bisher 32 Mannschaften 48 mitspielen. Mehr Spiele, mehr Geld. Und an eine ausgeweitete Klubweltmeisterschaft hat die FIFA auch schon nachgedacht. Also an eine Superliga, die noch größer und umfangreicher werden soll, als jene, die jetzt angedacht ist.

Das alles ist im Grunde ein Kräftemessen um die Einnahmen und die Verteilung der Gelder, die hauptsächlich von den Fernsehstationen kommen. Die Botschaft ist klar: Gebt ihr von der UEFA oder von der FIFA mehr ab vom großen Kuchen, dann folgen wir brav euren Regularien und halten still. Dass die Bundesliga nicht mitmachen will, sondern sich brav auf die Seite der UEFA schlägt, hat durchaus auch interne Gründe, denn eine Superliga würde vor allem auch dem hauseigenen Fußball schaden. Immer mehr, immer mehr für die großen Vereine heißt im Grunde ja auch: Es bleibt immer weniger für die Mehrzahl der Clubs, die nicht zu den Großen der Zunft zählen. Die Basis würde darunter leiden. Mahatma Ghandi, der ein Herz hatte für die Armen, hat dazu gesagt: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Er war offensichtlich schon ein früher Fußball-Versteher.

Schlagwörter: Fussball

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