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Bogdan Ungureanu (links) beim Torjubel (Foto Runggaldier)

Facebookanfragen & Profifußball: Bogdan Ungureanus Geschichte

Bogdan wer? Als Oberligist Obermais im vergangenen Sommer ein rumänisches Sturm-Muskelpaket präsentierte, dürften nicht wenige verdutzt geschaut haben. Zu unrecht: Denn aus der „Wundertüte“ Bogdan Ungureanu ist am Ende ein 13-Tore-Mann geworden, der in den Plänen von Trainer Martin Klotzner mittlerweile eine fundamentale Rolle spielt – und der auf eine außergewöhnliche Geschichte zurückblicken kann.

Begonnen hat eigentlich alles mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Vor zwei Jahren spielte Bogdan Ungureanu nämlich gerade in der neunten englischen Liga, als er dank seines in Südtirol lebenden Bruders Bekanntschaft mit dessen rumänischer Arbeitskollegin schloss. Es funkte zwischen den beiden – sogar so viel, dass Ungureanu schon nach wenigen Monaten entschied, die britische Kälte und den beinharten Fußball hinter sich zu lassen und seinen Lebensmittelpunkt ins beschauliche Neumarkt im Südtiroler Süden zu verlegen.

Seit Mai ist Mihaela die Frau des Rumänen, ein gemeinsames Kind ist schon unterwegs. Und auch fußballerisch läuft es für den Ex-Profi: Nachdem im Sommer vergangenen Jahres sein ehemaliger Junioren-Teamkollege und jetziger Obermais-Akteur Andrei Shvarz via Facebook Wind von Ungureanus neuem Wohnort bekommen hatte, benötigte es nicht mehr als einen schnellen Kaffeplausch und ein klein wenig Überzeugungsarbeit, um Bogdan probeweise zum eigenen Team an die Lahn zu holen. Dort stellte sich schnell heraus, dass Ungureanu mit seinem Profil ideal ins körperbetonte Spiel von Trainer Klotzner passte, was er nach seiner Verpflichtung mit 13 Saisontoren dann auch unterstrich.


„In Rumänien fehlt das Geld“

Nicht aber nur aufgrund seiner verlässlichen Trefferquote zählt Ungureanu bei Obermais mittlerweile zu den Eckpfeilern im Team. Auch seine Erfahrung ist für die Klotzner-Truppe Gold wert. Der 29-Jährige hat in seinem Leben schon viel von der Fußballwelt gesehen und dabei einen großen Teil in der rumänischen Heimat verbracht, wo er in der ersten und zweiten Liga gespielt hat. „Als Fußballer hast du es in Rumänien aber schwer. Vereine versprechen dir Geld, das du dann aber nie sehen wirst. Ein Klub ist mir beispielsweise auch schon Mal 5000 Euro schuldig geblieben – eine Menge Geld, wenn du dich als Profi durchschlagen musst“, erklärt Ungureanu.

Nicht sehr verwunderlich also, dass der Rumäne vor zwei Jahren den Entschluss gefasst hat, seine Heimat zu verlassen und in England sein Glück zu suchen. Beim Londoner Klub FC Romania, der in der halbprofessionellen neunten Liga spielte, war der Stürmer vor allem von der körperbetonten Spielweise der Engländer beeindruckt, um nicht zu sagen überrascht. Richtig glücklich wurde er auf der Insel aber nicht – da traf es sich gut, dass er genau zu jener Zeit mit Mihaela, mit Südtirol in Kontakt kam.


„So etwas habe ich noch nie gesehen“

Heute ist Ungureanu mit seiner Entscheidung für Südtirol, für Obermais vollkommen zufrieden. Besonders die „Curva Sud“, also der Fanklub des FCO, hat es dem in einer Fabrik arbeitenden Sturmtank angetan. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Dass Fans jemanden in guten, vor allem aber in schlechten Phasen so unterstützen, das ist schon beeindruckend“, erklärt der Rumäne. Zurzeit befindet er sich mit den Blau-Weißen schon voll im Vorbereitungstraining – und will in der kommenden Saison wieder hoch hinaus. Mittlerweile dürfte sein Namen den meisten wohl etwas bekannter sein.


SN/td


Autor: sportnews