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Kapitän Marcelo folgt alten Traditionen. © APA/afp / OSCAR DEL POZO

Bei Real-Meisterparty: „Jetzt holen wir uns City!“

Mit einer stark in die Jahre gekommenen Stammelf spaziert Real Madrid in Spanien überraschend locker zum 35. Liga-Titel. Die Oldies wollen aber mehr – und richteten auf der Meister-Party vor 150.000 Fans angriffslustige Worte Richtung England.

Zum Abschluss der Meisterparty am Cibeles-Brunnen im Zentrum Madrids brachte Carlo Ancelotti die 150.000 Real-Fans noch einmal zum Jubeln. Forsch gab der frühere Bayern-Trainer, sonst ein eher stiller Vertreter seiner Zunft, direkt den Angriff auf den nächsten großen Titel aus. „Jetzt holen wir uns City!“, rief der 62-Jährige den Anhängern zu. „A por el City!“, sangen diese noch bis zum frühen Morgen.


Als erster Trainer holte Ancelotti vier Spieltage vor Saisonende durch das 4:0 gegen Espanyol Barcelona die Meisterschaft in den Top-Fünf-Ligen Europas, nun soll der vierte Triumph in der Champions League folgen. Der 62-Jährige komplettierte seine Titelsammlung: Nach Meisterschaften in Italien mit dem AC Mailand, England mit dem FC Chelsea, Frankreich mit Paris Saint-Germain und Deutschland mit dem FC Bayern München gewann Don Carlo nun auch die Primera División. Ein Titel, der ihm während seiner ersten Amtszeit bei Real Madrid von 2013 bis 2015 noch versagt geblieben war.

„Ich bin sehr bewegt“, sagte der Mann aus Oberitalien, der sein Erfolgsrezept bereits vor einigen Jahren in seiner Biographie „Quiet Leadership“ verriet. Er gilt als Meister der Menschen- und Gruppenführung und gewann als Trainer unter anderem mit AC Mailand (2003 und 2007) sowie 2014 mit Real schon drei Mal die Königsklasse. „Mit Real Madrid Titel zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes. Und ich will mehr holen“, versicherte er am Samstag.

Das Duo das Real Madrid die Meisterschaft brachte: Karim Benzema (links) und Carlo Ancelotti (rechts). © APA/afp / OSCAR DEL POZO

Der jüngste Titelgewinn ist dabei keine Selbstverständlichkeit. Die Lage des spanischen Rekordmeisters in der Primera División ist mit der des deutschen Pendants FC Bayern München, der zehn Mal in Serie die Bundesliga gewann, nicht zu vergleichen. Die „Weißen“ gewannen in den vergangenen 25 Jahren sieben Mal die Liga. Und diese Saison war Madrid ohne namhafte Verstärkungen und mit einer stark in die Jahre gekommenen Stammelf ins Rennen gegangen.

Vielleicht waren auch deshalb, weil der lockere Spaziergang zum Titel vor Saisonbeginn nicht erwartet worden war und eine große Aufgabe bevorsteht, am Cibeles-Platz so viele Fans wie selten zuvor bei einer Titelfeier. So früh wie jetzt hatte Real einen Liga-Titel zuletzt 1990 gewonnen.
Marcelo erfolgreichster Spieler der Clubgeschichte
Nach der Fahrt im offenen Bus durch die Hauptstadt legte Kapitän Marcelo der Statue der griechischen Königin Kybele der Tradition folgend eine Clubfahne um den Hals und einen Real-Schal um den Kopf. Zu den Klängen von „We are the Champions“ bekam „La Cibeles“ vom Brasilianer – der seinen 24. Titel mit dem Verein gewann und damit Gento als erfolgreichsten Profi der Club-Geschichte übertraf – auch einen Kuss auf die Wange. „Campeonísimo“ (Supermeister), titelte die Zeitung „AS“ am Sonntag auf Seite eins – und forderte gleich „europäischen Nachschlag“.

Schlagwörter: Fussball La Liga Real Madrid

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