a Serie C

Alex Schraffl zieht beim FCS im Jugendbereich die Fäden.

FCS-Jugendleiter Schraffl: „Südtirol hat ein Mentalitätsproblem“

Der FC Südtirol will in Zukunft vermehrt auf die eigene Jugend setzen. SportNews hat sich mit Jugendleiter Alex Schraffl unterhalten und gefragt, warum es bisher so wenige Südtiroler in den Profifußball schafften. Außerdem spricht der 43-Jährige über Michael Cia und den Südtiroler „Event-Fan“.

Interview von Christian Staffler


Alex Schraffl, mit Simone Zanon bekommt heuer ein junger Südtiroler die Möglichkeit, sich bei den Profis zu beweisen. Ein wichtiger Schritt für die Nachwuchsförderung beim FCS?

Ja, auf jeden Fall. Simone hat großes Potenzial, gleichzeitig aber noch viel zu verbessern. Aber das ist logisch. Er ist ein junger Spieler, Jahrgang 2001, und wird trotzdem schon fix bei der Profimannschaft integriert sein. Es muss unser Ziel sein, dass das in Zukunft vermehrt geschieht.


Warum hatte der FCS in den letzten Jahren so große Probleme eigene Jugendspieler einzubauen? Fehlt es an Qualität?

Das würde ich nicht sagen. Wir hatten einige Jugendspieler, die das Potenzial für den Profifußball mitgebracht hätten. Meiner Meinung nach scheitert es immer wieder an einer Sache: dem absoluten Willen und dem Durchhaltevermögen. Hier in Südtirol geht es uns sehr gut. Das hat zur Folge, dass viele Jugendspieler schnell aufgeben und andere Wege einschlagen, sobald es einmal nicht wie gewünscht läuft. Südtirol hat ein Mentalitätsproblem – das sieht man auch in anderen Sportarten.


Ist das wirklich der einzige Grund?

Sicherlich nicht. Es fehlte auch an der Qualität der Meisterschaften. Jetzt sind wir soweit, dass unsere Jugendspieler gegen Gleichaltrige von anderen Profimannschaften spielen. So können sie sich optimal entwickeln. Man muss aber auch sehen, dass wir in den letzten Jahren 6 bis 7 wirklich starke Jugendspieler an Topklubs abgegeben haben. Lorenzo Sgarbi spielt bei Napoli, Manuel De Luca hat es bei Torino zum Profi geschafft und in Bremen ist Simon Straudi auf einem sehr guten Weg.

„Straudi hätte ich gerne bei den FCS-Profis gesehen!“
Alex Schraffl über den ehemaligen FCS-Jugendspieler


Apropos Straudi: Er war beim FCS ein Riesentalent, ging dann aber lieber ins Ausland zu einem Bundesliga-Klub. Warum wurde er kein FCS-Profi?

Straudi ist ein junger Fußballer, der klare Ziele hat. Er lässt sich nicht von anderen Dingen ablenken und arbeitet sehr hart. Wir hatten damals einen guten Austausch mit Werder Bremen und haben ihnen Straudi empfohlen. Als dann das Angebot kam, wusste ich, dass ein Profivertrag mit dem FC Südtirol nicht mehr zustande kommt. Das ist schade, ich hätte ihn gerne bei den FCS-Profis gesehen.


Die Durchlässigkeit beim FCS von der Jugend in den Profisektor war bisher sehr gering ist. Wie will man dem in Zukunft entgegenwirken?

Der Schritt von der Berretti-Meisterschaft in die Serie C ist riesig. Es braucht einen Zwischenschritt und hier kommt die Serie D ins Spiel. Es ist wichtig, dass es in Südtirol und dem Trentino einige Viertligisten gibt. Hier können die jungen Spieler auf einem guten Niveau spielen und gleichzeitig in der Region bleiben. Simone Davi hat bei Virtus Bozen zum Beispiel eine herausragende Saison gespielt. Jetzt soll er in der Serie D den nächsten Schritt machen, um dann ein Kandidat für die FCS-Profis zu sein. Wir schauen auf ihn, denn er ist ein Spieler mit großen Fähigkeiten. Ähnlich verhält es sich bei Yuri Salvaterra.


In der Ober- und Landesliga spielen mittlerweile bei jedem Verein ehemalige FCS-Jugendspieler. Gut für die Amateure, oder?

Ich habe vor zwei Jahren eine Statistik gemacht: Insgesamt waren es 130 Spieler, die beim FCS ausgebildet wurden und dann Ober- oder Landesliga spielten. Man muss realistisch sein: Wenn es von 20 Berretti-Spielern jedes Jahr einer in den Profifußball schafft, dann wäre das super. Die anderen 19 wechseln zu Amateurvereinen und heben dort das Niveau an. Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist, wenn ehemalige Jugendspieler den FCS in ein schlechtes Licht rücken wollen, denn sie alle haben dem Klub die gute Fußball-Ausbildung zu verdanken. Man spuckt nicht in den Teller, aus dem man gegessen hat.

„In Südtirol gibt es keine Fankultur. Die Leute wollen das Event!“
Alex Schraffl über die Zuschauerzahlen im Drususstadion


Sprechen wir kurz über Michael Cia. Gibt es durch seine Nicht-Vertragsverlängerung einen Imageverlust bei jungen Südtiroler Fußballern?

Nein, das glaube ich nicht. Cia ist beim FC Südtirol zum Profi geworden und hat zuletzt einen Vierjahresvertrag erhalten, das darf man nicht vergessen. Das Sprungbrett für einen jungen Südtiroler Fußballer in den Profibereich ist der FCS – und nicht ein Amateurverein.


Kommen durch den Weggang von Cia weniger Zuschauer zu den Heimspielen ins Drususstadion?

Auch das glaube ich nicht. Die Südtiroler wollen das Event, es gibt keine Fankultur. Egal ob Biathlon, Eishockey oder Fußball – wenn etwas los ist, gehen die Leute hin. Nicht umsonst waren die Play-off-Heimspiele des FC Südtirol ausverkauft.

Autor: christian staffler

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