a Serie C

Werner Seeber hat künftig beim AC Trient das Sagen. © AC Trento / A. Eccel

Werner Seeber und seine Zeit in Südtirol: „Ich möchte Danke sagen“

Das Kapitel beim ASC St. Georgen in der Oberliga ist geschlossen. Seit kurzem ist Werner Seeber zurück im Profi-Fußball, dort wo er als Abwehrhüne, Sportdirektor, Geschäftsführer und Präsident über Jahrzehnte aktiv war. Seine Rolle ist eine gewohnte, seine Aufgabe beim AC Trient dagegen eine neue, ganz spezielle. Warum, das verrät er im großen SportNews-Interview.


Werner Seeber, wie war Ihre erste Arbeitswoche bei Serie-D-Meister Trient?

„Ich habe mir erstmal von allem einen Eindruck gemacht und dann damit begonnen, die ganzen Aufgaben in Hinblick auf die Einschreibung in die Serie-C-Meisterschaft zu listen. Es wartet unglaublich viel Arbeit. Der Enthusiasmus, der im Verein und im Umfeld herrscht, gibt uns allen aber einen heftigen Schub.“


Wie sehen Ihre Aufgaben im Detail aus?

„Als Generalmanager verwalte ich das Budget, leite die Angestellten des Klubs. In erster Linie bin ich es, der den Verein auf seinem Weg in die Serie C führt. Als langjähriger Sportdirektor in dieser Liga versuche ich aber auch, meine Erfahrung im fußballerischen Bereich einzubringen. Ich bin in konstantem Austausch mit unserem Sportdirektor, um eine starke Truppe auf die Beine zu stellen.“


Welches Gesicht wird dieses Team in der Serie C haben?

„Mit der Bestätigung von Aufstiegstrainer Carmine Parlato haben wir einen wichtigen Baustein gesetzt, jetzt gilt es den Spielermarkt zu sondieren. Wir brauchen erfahrene Leute, die diese Liga kennen. Gleichzeitig setzen wir aber auch sehr auf Spieler aus dem Trentino, hier gibt es einige richtig gute Fußballer.“


Wie sehr bereitet Ihnen das marode Briamasco-Stadion sorgen?

„Wir haben ein altes Stadion, in dem aber bereits jahrelang Profi-Fußball gespielt wurde und das den nötigsten Anforderungen durchaus entspricht. Klar, muss in den nächsten Wochen an mehreren Stellen Hand angelegt werden. Wir werden das Flutlicht verbessern und eine neue Hintertortribüne mit abgetrenntem Zugang für Gästefans errichten.“

Im nördlichen Bereich des Briamasco-Stadions soll eine neue Tribüne für Gästefans entstehen. © AC Trento


Zuletzt war von einem neuen Sportzentrum mit Trainingsanlage und Stadion im Süden der Stadt die Rede. Was ist an den Gerüchten dran?

„Damit beschäftigen wir uns im Augenblick nicht, in erster Linie gilt es jetzt die Rückkehr in den Profi-Fußball vorzubereiten und uns in der Serie C festzusetzen. Dass überhaupt über solche Projekte gesprochen wird, zeigt aber, wie ernst es die Vereinsführung meint und wie sehr der Klub an Ansehen gewonnen hat. Nach Jahren der Misswirtschaft wird unter Präsident Mauro Giacca nun nachhaltig gearbeitet, mit seinem Vize Enrico Zobele steht ihm zudem ein erfolgreicher Unternehmer zur Seite.“


Apropos Giacca: Trients Präsident hat kürzlich in einem Interview gegen den FC Südtirol geschossen und über einen Mangel an Fans und Identifikation beim Regionalrivalen gesprochen. Sie kennen beide Klubs bestens, wie fällt Ihr Vergleich aus?

„Die beiden Vereine kann man nicht vergleichen. Der FC Südtirol ist uns in vielem weit voraus, hat gute Infrastrukturen geschaffen und will schnellstmöglich in die Serie B. Wir müssen uns erstmal in der Serie C behaupten. Tradition und Fans sind da ein völlig anderes Kapitel. Trient feiert heuer sein 100-jähriges Vereinsjubiläum, da steckt ganz ganz viel Geschichte drin. Die Menschen identifizieren sich mit dem Verein, auch wenn die Volleyballer und Basketballer in Trient zuletzt große Erfolge gefeiert haben. Als Vereinsfunktionär werde ich in der Stadt erkannt und angesprochen. Ich würde mir wünschen, dass diese Leute künftig den Weg zurück ins Briamasco finden.“

„Ich weiß nicht, ob ich mir dieses Spiel anschauen möchte“
Seeber über das Duell Trient gegen FC Südtirol

Sie haben den FC Südtirol vor mehr als 20 Jahren in den Profi-Fußball geführt, haben den Verein später nochmal als Präsident geführt und finanziell konsolidiert. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Duell mit dem FCS?

„In erster Linie ist dieses Derby für den Fußball in der ganzen Region wie ein kleines Geschenk, auf das sich die Fans beider Lager freuen dürfen. Für mich wird das nochmal eine Nummer spezieller. Ich weiß ehrlich gesagt auch noch gar nicht, ob ich mir dieses Spiel überhaupt anschauen möchte.“ (lacht)


Werfen wir zu guter Letzt nochmal einen Blick zurück auf das einjährige Intermezzo in der Oberliga. Was nehmen Sie aus der Zeit mit?

„Unheimlich viel! Ich habe den Fußball in Südtirol besser kennengelernt, die Mentalität und Leidenschaft haben mich beeindruckt. Ich habe immer gesagt, ich muss mich diesem neuen Umfeld anpassen und nicht der Verein sich nach mir richten. Ich denke, das hat ganz gut funktioniert. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle Georg Brugger, den vielen helfenden Händen im Verein und dem ganzen Umfeld des ASC St. Georgen auch nochmal ganz offiziell Danke sagen.“


Vor Ihrem Engagement in St. Georgen haben Sie turbulente Jahre beim ehemaligen Europacup-Teilnehmer Vicenza erlebt. Haben Sie bewusst einen Gang zurückgeschaltet, um nun wieder von neuem anzugreifen?

„Nein, so würde ich es nicht bezeichnen. Ich habe mich damals bewusst dafür entschieden, wieder nach Südtirol heimzukehren. Ich habe in den höheren Ligen viel erlebt, im Positiven wie im Negativen. Mittlerweile habe ich aber ein gewisses Alter, da ist mir der Kontakt zu meiner Familie und meiner Heimat einfach wichtiger. Dass ich nun die Möglichkeit habe, hier in unmittelbarer Nähe so ein spannendes Projekt in der Serie C in Angriff zu nehmen, ist umso schöner. Denn so ehrlich muss ich auch sein: Das Profi-Geschäft, in erster Linie der Fußball dort, hat mir zuletzt doch sehr gefehlt.“


Fragen: Alexander Foppa


Schlagwörter: Fussball

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