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Ralf Rangnick ist in Mailand zurzeit in aller Munde. © AFP / ODD ANDERSEN

Sigi's Spitzen: Hängepartie beim AC Milan

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute widmet er sich dem Thema AC Milan.

Sigi Heinrich ist jahrzehntelanger Sportreporter und TV-Kommentator.

Klar: Hätte ich die Wahl zwischen Leipzig und Mailand als Domizil würde ich nicht lange überlegen. Natürlich wäre die lombardische Metropole mein Ziel obwohl sich natürlich auch Leipzig in den Jahren nach der Wende in Deutschland herausgeputzt hat. Vielleicht haben die Kollegen der Gazzetta della Sport ähnliche Überlegungen angestellt in der Causa Ralf Rangnick und schon mal gemeldet: „Es ist vollbracht.“

Es war wohl etwas vorschnell, denn noch ist nichts entschieden. Noch ist das eine Hängepartie und noch hat Rangnick die 883 Kilometer zwischen Leipzig und Mailand nicht zurückgelegt. Klar ist indes, dass dem ehemaligen Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig, der momentan „Head of Sport and Development Soccer“ bei der Red Bull GmbH ist, ein Angebot des AC Milan vorliegt. Dort soll er Trainer und Sportdirektor werden. Zumindest ist das der Wunsch von Ivan Gazidis, dem CEO des AC Milan. Der Südafrikaner mit griechischen Wurzeln führt den Verein von London aus (er war zuvor beim FC Arsenal) und hat klar deponiert, dass Rangnick sein Wunschkandidat sei, um den Verein wieder in die Nähe der früheren Erfolge zu führen.

Das hat in Mailand ein mittleres Erdbeben ausgelöst und mitten drin in dieser Erschütterung ist Zlatan Ibrahimovic. Der exzentrische Schwede hat zuletzt groß aufgetrumpft beim Klassiker gegen Juventus und die „Unsterblichen“ zu einem 4:2 Sieg geführt nach einem 0:2 Rückstand. „Wer ist dieser Rangnick, ich kenne ihn nicht.“ So hat er die Meldungen kommentiert, wohlwissend, dass er damit die Fans auf seiner Seite hat.
Paolo Maldini bliebe auf der Strecke
Denn käme Rangnick, würde dem AC Milan die letzte Institution verloren gehen, die diesem Verein noch so etwas wie eine Seele gibt. Paolo Maldini, der derzeitige Sportdirektor, verlöre seinen Job und mit Recht fragen die Anhänger: Ist das noch unser Club, mit dem wir uns identifizieren können? Schon Cesare, der Papa von Maldini, hat beim AC Milan gespielt. Paolo bis zu seinem 40. Lebensjahr und der Sohn kickt auch wieder bei den Rossoneri.

Maldini ist noch irgendwie ein Überlebender der großen Zeiten. 18 italienische Meistertitel. Fünf Pokalsiege. Dazu gesellen sich sieben Erfolge im Europapokal der Landesmeister. Das ist eine mehr als stolze Bilanz. Der AC Milan ist immer noch einer der erfolgreichsten Vereine der Welt. Viele Stars halfen dabei mit. Ich denke da auf Anhieb an die niederländische Achse mit Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard. Zu jener Zeit übernahm Silvio Berlusconi die Aktienmehrheit beim AC Milan. Mittlerweile gehört der Verein, so es überhaupt noch ein Verein ist, dem New Yorker Hedgefonds „Elliot“.
Rangnick soll Stabilität bringen
Wechselnde Besitzverhältnisse haben zuletzt nicht unbedingt zur Stabilität beigetragen. Momentan kämpft der AC Milan als Siebter der Tabelle noch darum, wenigstens in die Europa-League zu kommen. Eigentlich ist das nicht unbedingt ein Bewerbungsschreiben für Rangnick, der freilich jetzt, mit 62 Jahren, noch einmal ein Abenteuer vor Augen hätte, das jung hält. Er bekäme einen Dreijahresvertrag und soll so erfolgreich in Mailand arbeiten, wie er das in Leipzig überzeugend getan hat. Rangnick hat sich einen Ruf als großer Taktiker erarbeitet und scheint einen sensiblen Blick für Talente zu haben. Er bringt sicher alles mit, um den Verein wieder in die Nähe der früheren Größe zu führen. Wenn er denn tatsächlich kommt. Maldini oder Ibrahimovic wären sicher nicht traurig, wenn sich die Gazzetta della Sport diesmal zu weit aus dem Fenster gelehnt hätte.

Autor: det

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