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Manuel Scavone ist wohlauf, wenn auch körperlich gekennzeichnet. © Anza Marco Lezzi/US Lecce

Manuel Scavone: „Jetzt kennt mich jeder Fußballfan in Italien“

Am vergangenen Freitag stand die Welt für Manuel Scavone, dessen Familie und Freunde plötzlich still. Nach einem Zusammenprall knallte der Bozner Serie-B-Profi bewusstlos auf den Rasen, Entwarnung folgte Stunden später im Krankenhaus. Doch noch heute prägt dieser eine Augenblick Scavones ganzen Alltag, wie er im SportNews-Interview verrät.

Manuel Scavone, wie geht es Ihnen heute, eine Woche nach dem Zwischenfall im Zweitligaspiel zwischen Lecce und Ascoli?

„Den Umständen entsprechend geht es mir sehr gut. Ich habe noch Gleichgewichtsstörungen aufgrund eines Problems im Ohr und Schmerzen an der Schulter. Am Dienstag reise ich zu weiteren Untersuchungen nach Mailand.“

>>> Hier die Szene im Video

An Fußball ist vorerst also nicht zu denken?

„Nein, der Zeitpunkt meiner Rückkehr steht noch in den Sternen. Die Schwindelanfälle sollten sich die nächsten Tage legen, doch eine Verrenkung in der Schulter könnte mich zu einer längeren Pause zwingen. Klarheit habe ich aber erst kommende Woche. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit zuhause mit meinen beiden Kindern.“

„Meine Freundin war an jenem Abend allein zuhause, die Aufregung war groß“
Apropos Kinder: Wie hat Ihre Familie die bangen Stunden am vergangenen Freitag erlebt?

„Meine Freundin war an jenem Abend mit unseren Kindern allein zuhause und hat die Szene im Fernsehen live gesehen. Sie können sich vorstellen, wie groß die Aufregung in dem Moment war. Sie hat ein Kindermädchen gerufen und ist sofort zu mir ins Krankenhaus gefahren. Als die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren und man mich ins Zimmer geschoben hat, habe ich als erstes meinen Vater in Bozen angerufen.“

Manuel Scavone lag lange bewusstlos am Rasen. © ANSA / CLAUDIO LONGO


Ihr Vater zog sich vor fünf Jahren bei einem Rodelunfall schwere Kopfverletzung zu und lag tagelang im Koma. Wie sehr wurden alte Erinnerungen wachgerufen?


„Jener Unfall hat die Sorgen meiner Familie nochmal bestärkt. Auch bei meinem Vater wurde damals anfangs Entwarnung gegeben, ehe sich sein Zustand verschlechterte. Bei mir ist es aber Gott sei dank viel glimpflicher ausgegangen. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt.“
„Kamerateams und Fans strömten ins Spital“
Was haben Sie vom Unfall in Erinnerung?

„Rein gar nichts. Ich weiß noch, wie wir aufs Feld gelaufen sind und der Schiedsrichter die Partie angepfiffen hat, dann ist da einfach ein schwarzes Loch. Meine Erinnerungen beginnen erst wieder in der Klinik. Zwar hat man mir gesagt, ich sei selbstständig in den Krankenwagen gestiegen, doch davon weiß ich nichts mehr.“


Wann haben Sie mitbekommen, welch große Aufmerksamkeit ihre Verletzung mit sich gezogen hat?

„Als ich richtig zu mir gekommen bin, waren viele Mitspieler bereits bei mir im Krankenhaus. Sie haben mir gesagt, dass sie nicht mehr weiterspielen konnten und die Partie abgebrochen wurde. Dann strömten auch schon mehrere Kamerateams und zahlreiche Fans ins Spital, deshalb hat man mich in einen abgesperrten Bereich gebracht. Dort habe ich dann mein Handy eingeschaltet und schließlich das ganze Ausmaß verstanden.“
„Ich habe noch nie so viele SMS geschrieben“
Hat sich der Rummel um Ihre Person mittlerweile gelegt?

„Ich bekomme immer noch täglich Besuch von Mitspielern, ehemaligen Teamkollegen, Freunden und Bekannten, doch mittlerweile ist es schon viel ruhiger geworden. Ich habe jedenfalls noch nie so viele SMS geschrieben, Anrufe beantwortet und Interviews gegeben wie in den vergangenen Tagen. Jetzt kennt mich jeder Fußballfan in Italien.“ (lacht)


Wie nah sind sie im Augenblick am Lecce-Team dran, das mitten im Kampf um den Serie-A-Aufstieg steckt?

„Das wichtige Auswärtsspiel am Montag in Venedig werde im am Fernseher verfolgen, ansonsten bin ich andauernd in Kontakt mit meinen Mitspielern. Sie standen mir die ganze Zeit zur Seite. Das zeigt, wie groß der Zusammenhalt bei Lecce ist. Auch deshalb bin ich überzeugt, dass wir gute Chancen auf einen Playoff-Platz haben (Lecce liegt aktuell an Position drei, Anm.d.Red.) . Ich hoffe, dass ich bald wieder mitwirken und an die zuletzt guten Leistungen anknüpfen kann.“


Fragen: Alexander Foppa

Autor: fop

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