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Virtus Bozen ist am Samstag im Entscheidungsspiel gegen Montebelluna aus der Serie D abgestiegen. © ANDREAS KEMENATER

Der Frust des Virtus-Präsidenten: „So etwas macht mich wütend“

Die Nachwehen sind noch groß bei Virtus Bozen. Am Samstag wurde der Abstieg der Talferstädter aus der Serie D auf bittere Art und Weise besiegelt. Klub-Präsident Robert Oberrauch nimmt nach dem verlorenen Entscheidungsspiel gegen Montebelluna kein Blatt vor den Mund und geht mit einigen Spielern hart ins Gericht.

Es war das wichtigste Duell der Saison. Im Entscheidungsspiel mit Montebelluna ging es für Virtus Bozen um nichts weniger als den Klassenerhalt. Doch das Match nahm ein groteskes Ende: Montebelluna, das spielerisch und qualitätsmäßig deutlich weniger zu bieten hatte als Virtus, gewann mit 2:1 und hält die Klasse, für die Talferstädter geht es runter in die Oberliga. Den Ausschlag gaben am Samstag zwei unrühmliche Episoden.


Wenige Minuten vor der Halbzeit ließ sich Matteo Timpone, der mit 12 Saisontreffern so etwas wie die Lebensversicherung der Bozner war, abseits des Spielgeschehens und im eigenen Strafraum zu einer Tätlichkeit hinreißen – es gab die Rote Karte und Elfmeter für den Gegner, der zum 1:1 führte. Kurz nach der Pause handelte sich der erfahrene Manuel Rizzon ebenfalls nach einer Tätlichkeit die Rote Karte ein. Virtus spielte eine Halbzeit lang also in doppelter Unterzahl – und verlor das Spiel schlussendlich mit 1:2.

Oberrauch findet klare Worte
Virtus-Präsident Robert Oberrauch war nach dieser Niederlage angefressen. „Wie die letzte Partie verlaufen ist, ist bitter. Verlieren kann man immer, aber gegen eine Mannschaft, die eindeutig schwächer war als wir, auf diese Art eine Niederlage zu kassieren, ist einfach dumm. Rizzon und Timpone haben ein verantwortungsloses Verhalten gezeigt. Wenn du eine Halbzeit lang zu neunt spielst, dann ist das purer Wahnsinn. Und das macht mich wirklich wütend.“

„Wenn einer am Zehennagel weh hat und sagt, er spielt nicht, dann ist das für mich die falsche Einstellung.“
Virtus-Präsident Robert Oberrauch

Für Virtus Bozen ging eine turbulente Saison also auf tragische Weise zu Ende. Die Mannschaft hatte Qualität, das ist unbestritten. Kapitän Hannes Kiem sagte vor einer Woche sogar, dass das Team eigentlich das Zeug für einen Platz unter den ersten sieben oder acht Mannschaften hätte. Was ist also schiefgegangen? „Das ist schwierig zu sagen“, meint Oberrauch.

Robert Oberrauch ist seit neun Jahren Präsident von Virtus Bozen. © Savio Paolo


„Es gibt kein Unglück oder Pech. Am Ende der Saison gleicht sich immer alles aus. Ich glaube, die Mentalität einiger Spieler war die falsche. Wenn einer am Zehennagel weh hat und sagt, er spielt nicht, dann ist das für mich die falsche Einstellung, das kann nicht akzeptiert werden. Man muss in bestimmten Situationen auch ein bisschen Mann sein. Ich muss aber auch sagen, dass nicht alle Spieler so waren. Wir haben auch einige große Sportler und Menschen in unserer Mannschaft, deren Mentalität vorbildlich ist.“
„Ripescaggio“ oder Neuanfang in der Oberliga?
Wie es mit Virtus nun genau weiter geht, ist nicht klar. Noch gibt es die Möglichkeit, eine Anfrage auf Wiederaufstieg beim Verband zu stellen. „Wir werden in den nächsten Tagen entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Eine Möglichkeit wäre der 'Ripescaggio', eine andere die Oberliga, wo wir aber einen neuen Weg gehen und mehr auf die Jugend setzen könnten“, erklärt der ehemalige Eishockey-Profi, der im nächsten Jahr in sein 10. Jahr als Virtus-Präsident gehen wird. Es ist jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass es zu einem totalen Umbruch kommen könnte.

Ob er Virtus-Trainer bleibt, ist noch unklar: Alfredo Sebastiani. © Rosario Multari


Und wie sieht es personell aus? „Einige Spieler werden nicht bestätigt“, so Oberrauch, der sich mit Namen aber bedeckt hält. „Bei anderen schauen wir. Spieler wie Hannes Kiem, Andy Kicay, Michael Bacher und vor allem die beiden Kaptina-Brüder sind herausragende Fußballer und Menschen, die eine ausgezeichnete Mentalität haben. Jetzt müssen wir aber erst einmal Wunden lecken, danach werden wir uns um den Kader kümmern.“
Fragezeichen hinter Sebastiani
Ob bei Virtus Bozen in der nächsten Saison weiterhin Alfredo Sebastiani als Trainer an der Seitenlinie steht, ist ebenfalls noch nicht klar. „Ich habe gestern (Sonntag) lange mit ihm gesprochen. Alfredo ist ein super Trainer, ein guter Mensch, der mit beiden Füßen am Boden steht. Wir werden in den nächsten Wochen entscheiden, was das Beste für beide Parteien ist“, erklärt Robert Oberrauch abschließend. Auf Südtirols zweitbesten Fußballklub wartet also ein spannender und richtungsweisender Sommer.

Schlagwörter: Fussball

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