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Geteilte Meinungen zum Rücktritt. © APA/afp / PATRIK STOLLARZ

Özils Rücktritt: Die Reaktionen auf einen Blick

Das gemeinsame Foto von Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan sorgte für große Diskussionen in Deutschland, die nach dessen Rücktritt neu entfachten.

Der Weltmeister von 2014 ließ sich im Mai diesen Jahres auf einem Charity-Event in London mit dem autokratisch regierenden Präsidenten der Türkei ablichten. Seit diesem Treffen ist Özil scharf kritisiert worden. Nach der verpatzten Weltmeisterschaft in Russland und der nicht aufhören wollenden Kritik hat Mesut Özil seinen Rücktritt verkündet. Dieser Schritt hat Bedauern, Enttäuschung, aber auch Unverständnis und Kritik ausgelöst. Eine Flut an verschiedensten Meinungen kursiert durchs Internet.

Die Teamkollegen des 29-Jährigen reagierten in den sozialen Netzwerken mit Bedauern und Ehrerweisung. So schrieb der PSG-Profi Julian Draxler : „Mesut Abi, deine Technik am Ball hat Spielern wie mir die Tür zum DfB-Team geöffnet. Danke, für das was du für den deutschen Fußball getan hast. Du kannst Stolz auf deine Leistungen sein.“ Abi ist türkisch und bedeutet Übersetzt älterer Bruder.

Julian Draxler © APA/afp / FRANCK FIFE


Héctor Bellerín , sein spanischer Teamkollege bei Arsenal, reagierte mit viel Unverständnis und twitterte: „Surreal, dass jemand, der so viel für sein Land, auf und neben dem Platz, getan hat, mit solcher Respektlosigkeit behandelt wird. Gut gemacht Mesut Özil, dass du dich gegen dieses Verhalten zur Wehr setzt.“

Viel Kritik kam aus den Reihen der Integrationskritiker. Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der AFD, Alice Weidel , sieht in dem Rücktritt Özils den Beleg für das Integrationsproblem in Deutschland und äußert sich wie folgt: „Mit seiner Abschiedstirade erweist sich Mesut Özil leider als typisches Beispiel für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis.“

Außenminister Heiko Maas sagte hingegen, er glaube nicht, „dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“

Andere Stimmen kritisieren den DFB, der „leider den falschen Ton angeschlagen und die Diskussion unnötig verschärft habe“, wie die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sich äußerte. Darüber hinaus kritisierte sie Mesut Özil und nahm ihn gleichzeitig in Schutz: „Özil hat mit seinem Auftritt mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Fehler gemacht. Aber das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, insbesondere wenn es einmal schlecht läuft und schnell nach Sündenböcken gesucht wird, droht auf viele Migranten auf und neben dem Fußballplatz überzugehen.“

FC-Bayern-Chef Uli Hoeneß. © APA/afp / CHRISTOF STACHE


Harald Stenger , ehemaliger Pressesprecher des DFB, kritisiert den Präsidenten des Fußballbundes, in einem Interview mit „Sky Sport News HD“, massiv: „Grindel war und ist der schlechteste DFB-Präsident, den ich je erlebt habe.“

Viel Lob kam hingegen aus der Türkei, so äußerte sich der Sportminister Mehmet Kasapoglu auf Twitter: „Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.“ Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil sogar, weil dieser mit seinem Rücktritt das „schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen“ habe.

Auch die Integrationsstaatssekretärin Nordrhein-Westfalens, Serap Güler , meldete sich zu Wort. Sie hat selbst türkische Wurzeln und sagte der „Bild Zeitung“, dass Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung sich nicht ausschließen würden. „Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben.“ Diesen Punkt scheint Özil aber „nicht verstanden zu haben“, so Güler weiter. Darüber hinaus zeige Özils Rechtfertigung des Treffens mit Erdogan, „wie nötig eine echte Wertedebatte ist“.

Sogar in der Slowakei erregte der Fall Özil viel Aufmerksamkeit. So schrieb die liberale slowakische Tageszeitung „Dennik N“ : „Ein in westlichen Werten erzogener Demokrat muss wissen, dass die Kritik an einem Diktator und seinen Methoden keine Kritik an einer Nation ist und dass das Ablehnen eines Diktators nichts damit zu tun hat, ob man sich zu seinen Wurzeln bekennt. Er muss auch wissen, dass die Kritik an der Unterstützung für so einen Diktator berechtigt ist, auch wenn diese Unterstützung aus Naivität geschehen sein mag.“

Besonders große Kritik am Arsenal-Profi übt Uli Hoeneß . ( SportNews berichtete)

Autor: dpa/jt

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