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Lothar Matthäus als Bundestrainer? © APA/dpa / Federico Gambarini

Sigi`s Spitzen: Lothar Matthäus ist bereit

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute befasst er sich mit Lothar Matthäus – der plötzlich als Bundestrainer-Kandidat im Gespräch ist.

Ein Text von Sigi Heinrich



Er muss ihn gut kennen, diesen Lothar Matthäus. Und zwar schon lange, sehr lange. Fast sechzig Jahre, wobei die erste Zeit sicher prägend, aber nicht einprägsam im Sinn der Erinnerungen gewesen sein dürfte. Aber danach. So ab der Grundschule, weiß der Mensch ja schon ein wenig mehr über sich selber. Wie er tickt und tackt und natürlich auch, über welche Qualitäten er verfügt.

Und so sagt Lothar Matthäus, dass Lothar Matthäus bereit sei, wenn man ihn rufen würde. Er spricht gerne in der dritten Form über sich. Ab einem gewissen Promistatus wird man so. Aber er muss es schließlich wissen, besser als jeder andere. Es geht nämlich um nichts Geringeres als den Job des Bundestrainers im Deutschen-Fußball-Bund (DFB), weil Joachim Löw nach der Europameisterschaft definitiv aufhört. Das ist nach dem Bundeskanzler und noch vor dem Staatspräsidenten die wichtigste Position, die es in der Bundesrepublik Deutschland zu besetzen gibt.

Viele Stationen, wenig Erfolg
Wieso jetzt Matthäus? Vielleicht ist nun die Zeit gekommen, um an dieser Stelle auch mal seine bisherige Laufbahn zu betrachten. Als Mittelfeldspieler war er eine Dampfwalze. In seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Experte bei einem Fernsehsender ist davon noch einiges an Dynamik übriggeblieben. Er ist Weltmeister geworden damals 1990 in Rom, als sein bester Kumpel Andi Brehme den Elfmeter links ins Eck setzte.

Und als Trainer: Aufgepasst. Er war in Österreich und dort sogar ziemlich lange. Und dann in Serbien, Montenegro, Brasilien und Israel. Und er war Nationaltrainer in Ungarn und in Bulgarien. Muss dieser Matthäus also noch ein Bewerbungsschreiben aufsetzen? Irgendwie halt schon, denn es gibt da ein kleines Problem. Wo immer er war, wollte sich der Erfolg nicht so recht einstellen, weshalb er ja jetzt in aufgesetzter, staatstragender Form seine Expertisen zum laufenden Bundesligageschehen abgibt.

Und dennoch ist er nicht chancenlos, denn Lothar Matthäus hat viele Verbündete. In erster Linie ist das die Bild-Zeitung, die ihn seit seinem ersten Länderspiel für den DFB sogar mit einem eigenen Redakteur begleitete. Wann immer sich die Ereignisse überschlugen – fehlende Schnürsenkel zum Beispiel – war das eine Schlagzeile wert. Ach was. Mehrere. Mit Lothar zog die Auflage an. Auch sein Liebesleben, das zuletzt in ruhigere Fahrwasser kam, wurde stets intensiv ausgebreitet. Er hat täglich mit seinem Schreiber telefoniert, der nichts anderes zu tun hatte, als Matthäus in den Vordergrund und auf die Titelseite zu schieben. Lothar Matthäus avancierte vom Fußballspieler und Trainer zu einer eigenen Marke. Und noch immer vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht präsent ist. Mehr noch als der Wendler oder Lombardi, wobei er beide an Strahlkraft übertrifft. Ich frage mich eh immer, wer ist Lombardi und erfahre dann, es ist keine italienische Automarke.
Die Weggefährten loben ihn
Und jetzt springen Matthäus auch noch alte Weggefährten zur Seite. Franz Beckenbauer meint, der Lothar sei ein geeigneter Kandidat. Wobei Beckenbauer in seinem Leben schon viel gesagt hat, was nicht unbedingt als letzte Weisheit in die Geschichte eingehen wird. Aber jetzt kommt auch noch Uli Hoeneß aus der Tiefe des Raumes am Tegernsee, wo er wohnt. „Einer, der so viel über Fußball versteht, kommt natürlich in die Verlosung“, meinte er. Das ist eine krasse Kehrtwende, denn es gibt auch den Ausspruch von Hoeneß, dass Matthäus beim FC Bayern nicht mal Greenkeeper werden könnte. Also, dass er nicht mal zur Rasenpflege tauge. Vorbei. Die Altersweisheit legt sich versöhnlich über die Vergangenheit. Jetzt geht es um die Zukunft.

Lothar Matthäus hat nämlich den unschätzbaren Vorteil, dass er bei keinem Verein angestellt ist. Er ist frei und könnte demnach als Bundestrainer sofort anfangen. Und dann, stelle ich mir vor, sitzt er mit dem Mikrophon am Spielfeldrand und gibt seine Anweisungen. So nah würden wir der Nationalmannschaft nie mehr kommen. Also Lothar, mach es. In sechs Tagen nämlich rückt der runde Geburtstag an. Es ist ein perfekter Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt….

Autor: sigi heinrich

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