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Serge Cess gilt als schneller, technisch versierter Mittelfeldspieler (Foto: FCS) FCS-Geschäftsführer Dietmar Pfeier

Serge Cess: Für ihn geht der FC Südtirol bis vor Gericht

Beim FC Südtirol trainiert seit knapp einem Jahr ein 19-Jähriger von der Elfenbeinküste. Experten prophezeien ihm eine glorreiche Karriere. Doch bevor er erstmals für einen Verein gemeldet werden konnte, mussten erst die Richter tätig werden. Sie könnten einen Präzedenzfall im italienischen Fußball geschaffen haben.

Die Lebensgeschichte von Serge Rene Cess Nignama, so heißt der afrikanische Rohdiamant mit vollem Namen, hat schon an sich etwas Besonderes. Sein Vater, der um die Jahrtausendwende als Flüchtling übers Mittelmeer gekommen war, holte seinen Sohnemann vor zwei Jahren nach Italien. Fußball war für Cess bis dahin nur eine Form des Zeitvertreibs, die ihm Ablenkung vom rauen Alltag bot. Auf staubigen Plätzen in den Vororten der Hauptstadt Abidjan dribbelte er seine Gegenspieler reihenweise schwindelig. Mit Begeisterung streifte er sich die Dressen europäischer Top-Klubs über und imitierte im Kreise seiner Freunde die ganz großen Stars des internationalen Fußballs. Einmal wurde Cess in seiner Heimatstadt zum Vorspielen in eine internationale Fußballschule eingeladen, einen Verein hatte der 1,83-Meter-Schlaks allerdings nie.


Die Scouts rieben sich die Augen

Das blieb auch in seiner neuen Heimat zunächst so. Erst als ihn Gleichaltrige zum Training einer Jugendmannschaft von Serie-D-Klub Legnago Salus mitnahmen, begann sich das Rad zu drehen. Mehrere Scouts und Spielerberater wurden auf ihn aufmerksam. „Ein brasilianischer Spielerbeobachter, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten, ist an uns herangetreten. Er war von seinen Fähigkeiten begeistert“, erinnert sich FC-Südtirol-Geschäftsführer Dietmar Pfeifer. Die Vereinsverantwortlichen luden Cess zum Mannschaftstrainingslager ins Ridnauntal ein. Dort sorgte er bereits beim ersten Testspieleinsatz für Zungenschnalzen auf den Rängen. Beim FCS war man sich sofort bewusst, dass man hier einen dicken Fisch an der Angel hatte. „Der Junge hat das Zeug ganz groß rauszukommen“, so lauteten die Kommentare im Vereinssitz der Weiß-Roten. Cess könne beim FC Südtirol eine Verstärkung für den Profi-Kader darstellen und eventuell am Transfermarkt viel Geld in die Vereinskassen spülen.


Bringt der FCS einen Stein ins Rollen?

Einen Haken hat diese märchenhafte Geschichte jedoch: Cess ist in Italien als Nicht-EU-Bürger registriert und somit laut Verbandsstatuten in der Lega Pro nicht spielberechtigt. Über Monate zog sich das bürokratische Hick-Hack hinaus, bis der FC Südtirol schließlich einen Anwalt einschaltete. „Es kann nicht sein, dass der 19-jähriger Sohn eines italienischen Staatsbürgers (Cess‘ Vater hat längst den italienischen Pass, Anm.d.R.) nicht in der dritthöchsten Liga tesseriert werden darf. Das wäre kontraproduktiv und spräche gegen jegliche Gesetzeslage“, so Pfeifer. Der Verein ging schließlich bis vor das Ordentliche Gericht in Verona, das den Klägern am 2. Mai schließlich recht gab. Der gebürtige Westafrikaner ist in der Lega Pro spielberechtigt. Der FCS wurde daraufhin sofort tätig und meldete Cess mit 15. Mai beim Ligaverband an. Ab der kommenden Saison steht er den Weiß-Roten also in der Meisterschaft zur Verfügung.

Beim Fußballverband fürchtet man indessen, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wurde und eine ganze Reihe an Klagen folgen könnte. Ein so komplizierter Fall ist bislang zwar in Italien einzigartig, doch wurden die strikten Ausländerregelungen in der Lega Pro bei ähnlichen Angelegenheiten immer wieder stark kritisiert. Es könnte also durchaus sein, dass der FC Südtirol hier einen großen Stein ins Rollen gebracht hat. Cess selber dürfte das im Augenblick wenig interessieren. Er hat seinen Fokus auf die kommende Saison gerichtet, in der er endlich die Chance hat, seine Klasse im Profifußball unter Beweis zu stellen.



SN/Alexander Foppa

Autor: sportnews

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