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Lukas Obkircher, hier noch im Trikot von St. Pauls, hat ein langersehntes Comeback gefeiert. © Runggaldier

833 Tage danach: Obkircher und das große Comeback

Obermais hat das Pokalspiel gegen Lana am Sonntag mit 2:3 verloren. Lukas Obkircher – der seit diesem Sommer für die Meraner spielt – hat aber in gewisser Weise trotzdem gewonnen. Nach über 2 Jahren Pause feierte er nämlich sein langersehntes Comeback.

Während des Lockdowns hatte SportNews eine neue Rubrik ins Leben gerufen, in der bekannte Südtiroler Fußballer ihre persönliche Top 11 aufstellen. Erstaunlich oft kam in den „Dream Teams“ der Name Lukas Obkircher mit dem Beisatz „Wäre er von Verletzungen nicht gebeutelt worden, wäre er jetzt Profi“ vor. In der Tat zählte Lukas Obkircher in seiner Jugend zu den größten Talenten Südtirols und war in den diversen Jugendteams des FCS stets eine tragende Säule – allerdings spielte der Körper nicht immer mit. Und so landete der technisch bärenstarke Verteidiger 2014 zunächst bei Brixen und später bei St. Pauls, wo er sich zu einem der besten Abwehrspieler der Oberliga mausern konnte. Bis der 20. Mai 2018 die so verheißungsvolle Karriere des bald 25-Jährigen komplett auf den Kopf stellte.


Seit wenigen Wochen spielt Obkircher für Obermais.


Zu jener Zeit war die Oberliga-Meisterschaft schon lange zu Ende und die meisten Spieler im Sommerurlaub. Nur St. Pauls nicht, das als Drittplatzierter der Oberliga die Entscheidungsspiele um den Serie-D-Aufstieg anstelle von St. Georgen (in der Tabelle auf Rang 2, aber als Italienpokalsieger schon direkt aufgestiegen) bestreiten musste. Weil die vierthöchste Spielklasse im Überetsch nie ein Thema war, hatten die beiden Spiele gegen Villa d’Almè nicht mehr als freundschaftlichen Charakter. Für Lukas Obkircher wurden sie aber zum blanken Horror: Im Hinspiel krachte der Verteidiger so unglücklich mit dem eigenen Tormann Toni Tarantino zusammen, dass er im Knie einen Totalschaden erlitt.

„Es gab Momente, da habe ich mich schon damit abgefunden, nie wieder Fußball spielen zu können.“
Lukas Obkircher

„Das vordere Kreuzband und das Außenband waren gerissen, der Meniskus kaputt, der Knorpel beschädigt, zudem waren das Wadenbein angerissen und die Bizepssehne komplett durch. Als ich diese Diagnose bekam, brach für mich eine Welt zusammen“, blickt Obkircher im Gespräch mit SportNews zurück. Wie schwer die Verletzung war, zeigt die Tatsache, dass er ein halbes Jahr lang auf Krücken gehen musste. Die Ärzte prognostizierten damals eine Ausfalldauer von einem Jahr. Im Sommer 2019 hätte der Innenverteidiger wieder loslegen können – doch das war reines Wunschdenken. „Ich probierte wieder Fußball zu spielen, hatte aber immer Schmerzen“, so „Luki“.
Rat vom Leroy-Sané-Arzt
Als hartnäckiges Problem stellte sich die gerissene Bizepssehne heraus, die sich immer wieder entzündete. „Es war frustrierend, ich wusste bald nicht mehr, was tun. Es gab Momente, da habe ich mich schon damit abgefunden, nie wieder Fußball spielen zu können und überlegte, welche Alternativsportarten es gäbe“, erklärt Obkircher. Schließlich hat er sich Rat aus Innsbruck geholt, wo er den prominenten Arzt Christian Fink (er operierte schon das Kreuzband von Leroy Sané) aufsuchte. „Durch eine Stoßwellen-Therapie, die ich über mehrere Monate 2 Mal pro Woche in Innsbruck machte, habe ich die Entzündung wegbekommen und wäre bereit für ein Comeback gewesen.“ Dann aber kam Corona, der Lockdown – und der Meisterschaftsabbruch.

„Ich hatte einen Totalschaden im Knie“, so Obkircher.


In dieser Zeit hat Obkircher dann auch einen Entschluss gefasst: Er hat sich von St. Pauls verabschiedet und ist zu Obermais gewechselt. „Ich musste viele Rückschläge wegstecken und habe mir deshalb gedacht: Ich brauche einen neuen Reiz, etwas, das mich voll motiviert – das hat mir vielleicht auch im Kopf geholfen, wieder gesund zu werden. Es war aber sicher keine Entscheidung gegen St. Pauls.“
Comeback nach über 2 Jahren
Bei Obermais hat Obkircher die Vorbereitung ohne größere Probleme absolviert und am Sonntag im Pokal gegen Lana schließlich sein Comeback gefeiert – 833 Tage nach seiner schweren Verletzung. „Es war ein unglaubliches Gefühl“, schwärmt der Verteidiger, der sich über Ziele in der Meisterschaft keine großen Gedanken macht. „Klar, wir haben ein Top-Team und können eine gute Saison spielen. Für mich zählt jetzt aber nur, dass ich wieder schmerzfrei Fußball spielen kann. Und dann möchte ich natürlich mein Leistungslevel von vor der Verletzung erreichen. Es liegt nämlich noch viel Arbeit vor mir“, sagt der 25-Jährige mit einem Schmunzeln. Verständlich, nach über 2-jähriger Fußball-Pause.

Autor: det

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