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Roland Harrasser wurde am Sonntag gegen Obermais verabschiedet. Das war sein letztes Heimspiel, morgen folgt das letzte Match seiner Karriere.

Das Ende des „Wahnsinns“: Rolli Harrasser im großen Interview

Es war im fernen Jahr 2000, als Roland Harrasser im zarten Teenager-Alter von 15 Jahren zum ersten Mal ein Spiel im Erwachsenenfußball bestritten hat. Am Sonntag schließt sich der Kreis. Dann wird der langjährige Kapitän von St. Georgen zum letzten Mal in einem Fußballspiel auf dem Feld stehen. Ein ganz Großer des Südtiroler Fußballs tritt ab.

Wenn man sich die Geschichte von Roland Harrasser ansieht, dann wird klar: Ja, es gibt sie noch, die Fußball-Romantik. „Als kleiner Bub habe ich von meinem Kinderzimmer aus den Fußballplatz in St. Georgen gesehen“, erinnert sich der 36-Jährige. Jahre später war es er selbst, der auf diesem Fußballplatz Geschichte und Geschichten geschrieben hat. Als Kapitän, als Leithammel, vor allem aber als genialer Verteidiger hat „Rolli“ die glorreichen letzten Jahre von St. Georgen nicht nur miterlebt, sondern entscheidend mitgestaltet. An diesem Sonntag, zum Ende einer wahrlich skurrilen Corona-Saison, wird Roland Harrasser seine Laufbahn beenden.


Es ist eine Karriere, die es in Südtirol wohl nicht zwei Mal gibt. Sage und schreibe 16 (!) Titel hat Harrasser in seinem Leben gewonnen – das ist für einen Amateurfußballer eine unglaubliche Quote. Er ist Oberliga-Meister geworden, er hat drei Jahre in der Serie D gespielt und nicht zuletzt wurde er nationaler Italienpokalsieger. Ganz zu schweigen von den zahlreichen gewonnenen Landes- und Regionalpokalen. Das alles hat Roland Harrasser im Trikot von St. Georgen bewerkstelligt. Zwar nahm seine Karriere im Erwachsenenfußball zunächst beim Nachbarn Stegen ihren Lauf, doch nach seinem Wechsel im Sommer 2005 zu den Jergina war er nicht mehr wegzudenken aus der Formation des professionellsten Amateurklubs Südtirols. Und er prägte die Geschichte entscheidend mit.

Nun ist alles aus. Am Sonntag wird Harrasser gegen Vipo Trient sein letztes Spiel bestreiten. Zuvor stand er SportNews Rede und Antwort.


Roland Harrasser, was sind Ihre ersten Erinnerungen an den Fußball?

„Als ich als ganz kleiner Junge angefangen habe, waren die Kabinen in St. Georgen noch auf der anderen Seite. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit einigen Schulfreunden zusammen in der Mannschaft gespielt habe. Und Benjamin Althuber, der damals noch bei Pfalzen gekickt hat, war bei den Kleinsten einer meiner ersten Gegner.“


Jener Benjamin Althuber, mit dem Sie im letzten Jahrzehnt in St. Georgen das wohl erfolgreichste Verteidigerduo im Südtiroler Amateurfußball gebildet haben…

„Ja, genau. Wenn ich jetzt zurückblicke, war er mein wichtigster Weggefährte. Er und Trainer Patrizio Morini. Er war 13 Jahre lang mein Trainer, ihm verdanke ich sehr viel. Nicht zu vergessen die Spieler Benno Unterpertinger, Daniele Marietti, Patrick Kofler und Berndt Mair, die uns als junge Burschen tadellos vorbereitet haben.“

Roland Harrasser im September 2005: Hier bestritt er einen seiner ersten Einsätze für St. Georgen. © Robert Perathoner



Als Sie am vergangenen Sonntag im Zuge des letzten Heimspiels verabschiedet wurden, hat auch Morini mit den Tränen gerungen. Wie sieht es in Ihnen aus: Überwiegt die Traurigkeit oder die Erleichterung?

„Beides ein bisschen. Auf der einen Seite habe ich 21 Jahre meines Lebens diesem Sport gewidmet und vom einen auf den anderen Tag ist alles anders. Auf der anderen Seite ist es auch fein, jetzt kommt man mal raus aus dem ganzen Wahnsinn (lacht). Drei, vier, fünf Mal die Woche auf dem Platz – wenn man das objektiv sieht, ist das schon ein mords Aufwand. Aber es war stets ein tolles Hobby.“

„Der Verein hat eine beeindruckende Mentalität.“
Roland Harrasser über St. Georgen

Auf welches Ereignis Ihrer Karriere blicken Sie am liebsten zurück?

„Über allem ist der Gewinn des nationalen Italienpokals in Florenz. Aber ich blicke auch gerne auf gewisse Spiele zurück, die man am Ende gewonnen hat, und keiner wusste wie. Das war vor allem in der Serie D der Fall. Über solche Spiele reden wir auch heute noch viel – wenn du auswärts mit 1:0 gewinnst und eigentlich nie richtig aufs Tor geschossen hast, das waren schon Erlebnisse.“


Sie haben den Gewinn des nationalen Italienpokals angesprochen – ein Kunststück, das bis dato noch keinem Südtiroler Team gelungen ist. Warum schafft ein so kleiner Verein wie St. Georgen ein derartiges Unterfangen?

„Bei Georg Brugger (Macher von St. Georgen, Anm. d. Red.) angefangen: Der Verein hat eine beeindruckende Mentalität. Hier will man etwas erreichen, dafür riskiert man auch Mal etwas. Diese Einstellung hat die Mannschaft verinnerlicht. Wir sind dann auch von Spiel zu Spiel besser geworden, wussten in den entscheidenden Szenen, was wir machen mussten. Und dann hat es eben gereicht.“


Harrassers größter Erfolg: Der Gewinn des nationalen Italienpokals. © D. Laner



Beim Finale in Florenz gegen Vigor Trani haben den Gegner 2000 Fans angefeuert. Trotzdem gewann Ihre Mannschaft das Spiel. Hand aufs Herz: Wie legendär war die Party danach?

„Das Problem ist: Unter Ala gibt es keine dritte Halbzeit (lacht). Die da unten kennen das nicht. Unsere Fans wurden beispielsweise nicht in die Stadionbar gelassen, weil die Betreiber Angst hatten, dass es zu Schlägereien kommen könnte. Die Fans waren nach dem Spiel dann eben auf einer Seite des Zauns, wir auf der anderen. Und so wurde gefeiert. Danach ging es nach Hause, am nächsten Tag haben wir uns dann alle in der Früh getroffen. Mit dem Pokal sind wir dann in den Kindergarten, in die Schule und zum Jugendtraining gegangen. Zwischendurch verschwand der eine oder andere Spieler zum Friseur und ließ sich die Haare färben. Es war eine unvergessliche Zeit.“

„In erster Linie muss ich meiner Partnerin Bianca danken. Sie hat das alles nicht nur akzeptiert, sondern mich auch immer unterstützt.“
Roland Harrasser

Sie haben insgesamt 16 Titel gewonnen. Gab es in Ihrer Karriere auch Tiefschläge?

„Ja, die hat es auch gegeben, allerdings nicht so viele. Wir haben einmal eine Meisterschaft, in der wir acht Punkte vorne waren, noch aus der Hand gegeben. Das hat weh getan. Und zwei Mal habe ich mir das Kreuzband gerissen: Ein Mal 2006, was besonders bitter war, weil die Saison da schon fertig war, ich aber bei den Junioren gespielt habe und es dort passiert ist. Und ein Mal 2013, als ich mit Martin Ritsch zusammengeprallt bin.“

Trainer Patrizio Morini und St.-Georgen-Chef Georg Brugger (v.l.) verabschieden Roland Harrasser, der mit seiner Familie aufs Feld kam.



Gibt es eine Person, der Sie besonders danken möchten?

„In erster Linie muss ich meiner Partnerin Bianca danken. Sie hat das alles nicht nur akzeptiert, sondern auch unterstützt. So etwas ist nicht selbstverständlich. Dann auch dem Verein, insbesondere Georg Brugger, der den Klub zu dem gemacht hat, was er ist. Und natürlich den Trainern. Ich hatte insgesamt nur drei: Thomas Piffrader und Manni Villgrater waren fünf Jahre lang meine Coaches und Patrizio Morini 13 Jahre.“

„Ich bin stolz, mit meinen drei Brüdern gemeinsam in St. Georgen gespielt zu haben.“
Roland Harrasser

Wird Roland Harrasser dem Fußball in irgendeiner Form erhalten bleiben?

„Fußball wird mich immer begeistern und interessieren, sonst hätte ich etwas falsch gemacht. Im Moment möchte ich aber mal keine Rolle übernehmen. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Ich habe den Trainerschein, deshalb will ich nicht ausschließen, dass ich etwas in diese Richtung mal machen werde. Jetzt will ich aber die Zeit für andere Dinge nutzen. Tennisspielen, Skifahren, Langlaufen – vor allem auch mit meinen Kindern, die nun ein Alter haben, in dem diese Dinge interessant werden.“


Vielen Dank für das Gespräch.

„Dürfte ich noch etwas sagen?“


Bitte…

„Eine Sache, auf die ich stolz bin, ist, dass ich mit allen drei Brüdern zumindest für kurze Zeit bei St. Georgen zusammen in der Mannschaft gespielt habe. Mit Benno stand ich zwei Jahre auf dem Feld, Philipp war bei einer Vorbereitung dabei, ehe er eine fußballerische Pause machen musste. Und mit Simon spielte ich bis zuletzt in der Mannschaft. Das ist schon eine tolle Sache.“
Kurz nachgefragt bei Roland Harrasser
Meine besten Mitspieler waren: „Ich will keinen vergessen oder schmälern, aber hier wähle ich Jack Degasperi und Martin Ritsch.“

Mein stärkster Gegner war: „Fabio Bertoldi. Gegen den war es immer sehr schwierig.“

Die Spieler mit dem meisten Talent waren: „Thomas Piffrader und Philipp Schwingshackl.“

Der größte Kabinenclown war: „Thomas Ritsch“

Die Spieler, die am meisten ausgeteilt haben, waren: „Leo Brugger, Berndt Mair und mein Bruder Simon (lacht).“

Der technisch beste Mitspieler war: „Alessio Orfanello“

Das größte Partybiest war: „Stefan Trojer“
Roland Harrassers Erfolge
Oberliga-Meister 2011
Landesliga-Meister 2005
Meister 1. Amateurliga 2003
Oberliga-Italienpokalsieger 2018
Regionaler Pokalsieger 2006, 2014, 2017
Landespokalsieger 2013, 2014, 2017, 2019
Euregio-Cup-Sieger 2015, 2018
Europeada-Sieger 2008, 2012, 2016


Schlagwörter: Fussball

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