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Abwehr-Minister: Benjamin Althuber hat 13 Jahre lang für St. Georgen gespielt, jetzt ist Schluss. © Franz Griessmair

Der leise Abschied des Benjamin Althuber

Mit dem Abbruch der vergangenen Saison ist auch ein Stück St. Georgener Geschichte zu Ende gegangen: Benjamin Althuber, der 13 Jahre lang Beton in der Abwehr der Jergina angerührt hat, wird künftig nicht mehr bei den Pusterern spielen. Ein Abschied, der schwer gefallen ist.

13 Saisonen, 355 Spiele, davon 74 in der Serie D: Benjamin Althuber war in den letzten Jahren eine prägende Figur in den Reihen von St. Georgen. Jetzt hat er aber „Pfiat enk“ gesagt: Ab der kommenden Saison wird Althuber als Spielertrainer des 3.-Amateurliga-Klubs Jergina Amateure tätig sein. Im Trikot von St. Georgen hat der gelernte Tischler alles erlebt, was ein Amateurfußballer erleben kann: Oberliga-Aufstiege, Serie-D-Abenteuer, dramatische Entscheidungsspiele, bittere Abstiege und nicht zuletzt auch den Gewinn des nationalen Italienpokals – ein Kunststück, das so schnell keinem Südtiroler Team mehr gelingen wird. SportNews hat mit Althuber kurz geplaudert.


Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich nach 13 Jahren von St. Georgen verabschiedet haben?

Benjamin Althuber: „Während des Corona-Lockdowns war ich einen ganzen Monat lang zu Hause bei meinen 3 Kindern und meiner Freundin, das hat es zuvor nie wirklich gegeben. Und mir wurde klar, dass ich das nicht wieder aufgeben möchte. Wenn du 4 Mal die Woche Training hast und dazu noch das Spiel am Sonntag, ist es nicht möglich, viel Zeit daheim zu verbringen. Es war also eine Entscheidung für die Familie.“

Althuber (links) mit dem regionalen Italienpokal, errungen im Dezember 2017. © Dieter Runggaldier



Sie haben als Amateurfußballer bei St. Georgen jede Menge erlebt. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

„Der Sieg des nationalen Italienpokals war etwas ganz Spezielles. So viele Leute haben nicht das Privileg, einen solchen Erfolg feiern zu dürfen. Ich denke aber auch an eine meiner ersten Saisonen bei St. Georgen, da hatten wir in der Oberliga nach der Hinrunde 13 Punkte auf dem Konto und konnten uns trotzdem retten. Das war eine Spielzeit, die uns im Nachhinein sehr viel geholfen hat.“


In den Jahren darauf hat es einen Erfolg nach dem nächsten gegeben. Wie erklären Sie es sich, dass ein so kleiner Verein wie St. Georgen so groß rauskommt?

„Als ich 2007 zu St. Georgen gekommen bin, wurde mir von den erfahrenen Spielern immer eingetrichtert, dass du alles erreichen und gegen jeden gewinnen kannst. Das hat uns ausgemacht, das haben wir dann auch den jungen Spielern immer versucht zu vermitteln. Und man muss auch sagen: Von nichts kommt nichts. Seit einigen Jahren trainieren wir 4 Mal die Woche und deshalb öfter als andere Klubs. Beispiel: Wenn es heißt, am Mittwochnachmittag ist ein Freundschaftsspiel in Verona, dann nehmen sich alle 20 Spieler frei. Man musste eben immer das kleine bisschen mehr tun, das könnte es schlussendlich oft ausgemacht haben.“

Althuber (rechts) und Jack Degasperi: „Er gehört nicht in diese Liga.“ © Griessmair



Wer war Ihr unangenehmster Gegenspieler in all den Jahren?

„In der Serie D war es wirklich an jedem Sonntag so, dass da ein Stürmer drunter war, wo ich gesagt habe: Madonna, ist der stark. In der Oberliga war es meist ein Fabio Bertoldi, mit dem man ordentlich zu raufen hatte – im positiven Sinn (lacht).“


Und wer war Ihr bester Mitspieler?

„Ich habe viele Spieler kommen und gehen sehen. Wo ich wirklich sage, die haben mich beeindruckt, sind Jack Degasperi, Thomas Albanese und Martin Ritsch. Die 3 gehören eigentlich nicht in diese Liga.“


Sie werden jetzt Spielertrainer in der 3. Amateurliga bei den St. Georgen Amateuren. Wie ist es dazu gekommen?

„Das war eine spontane Geschichte. Die Amateure haben die Sportbar in St. Georgen über, dann hat mich ein Ausschussmitglied mal gefragt, ob der Posten als Spielertrainer etwas für mich wäre. Mein Gedanke war es eigentlich, ganz aufzuhören, aber irgendwie hat mich diese Herausforderung gereizt. Ich will ins Trainergeschäft ein bisschen reinschnuppern und schauen, ob das etwas für mich ist. Nebenbei spiele ich auch ein bisschen und tue etwas für mich.“
Die Karriere des Benjamin Althuber
Althuber ist in seinem Heimatdorf Pfalzen fußballerisch großgeworden. Von 2001 bis 2007 spielte er dort in der 1. Amateurliga, ehe es ihn zu St. Georgen in die Oberliga gezogen hat. Dort wurde er prompt eine wichtige Stütze in der Innenverteidigung, wobei er vor allem mit seinem Stellungsspiel stets glänzen konnte. Althuber absolvierte auch 3 Saisonen in der Serie D mit seinen Jergina. Der größte Erfolg ist aber der Gewinn des nationalen Italienpokals 2018, einem einmaligen Triumph in der Südtiroler Sportgeschichte. Der clevere Abwehrspieler wusste auch als Sportsmann stets zu überzeugen: In seinen 13 Jahren bei St. Georgen kassierte er insgesamt nur 2 Rote Karten – und das als Innenverteidiger.


Interview: Thomas Debelyak

Autor: det

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