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Der Passeirer Christoph Schiefer hat in Österreich schon knapp 200 Partien geleitet. © Helli Gufler

Der Schiedsrichter, der (nicht) auf Südtirol pfeift

Christoph Schiefer aus St. Leonhard in Passeier ist einer der erfolgreichsten Schiedsrichter hierzulande. Die Spieler tanzen aber nicht in Südtirol, sondern in Österreich nach seiner Pfeife, wo er seit Jahren als Unparteiischer tätig ist. Am vergangenen Wochenende hat er im Zillertal ein Testspiel von Werder Bremen gepfiffen und ist dort auch auf Simon Straudi getroffen. Wir haben die Möglichkeit genutzt und mit Schiefer ein Gespräch über seinen ungewöhnlichen Weg, Begegnungen mit Jogi Löw und einem gewissen Thomas Müller alias Herr Mayer geführt.

Angefangen hat er als Torhüter. „5 Jahre war ich alt, als ich beim SC Passeier erstmals Fußball gespielt habe“, erinnert sich Christoph Schiefer. Äußerst erfolgreich war er auch. „Wir sind damals in der Unter 10 auch Landesmeister geworden.“ Alles deutete also auf eine Karriere als Fußballer hin – bis Schiefer 15 Jahre alt wurde. „Damals suchte der VSS Schiedsrichter. Ich bin also nach Lana gefahren und leitete dort einfach mal ein U-8-Spiel. Das hat mir getaugt.“ Schiefer machte weiter, meldete sich mit 18 Jahren beim Verband an und pfiff sich sprichwörtlich in die Höhe.

Mit 22 Jahren stand er regelmäßig auf den Südtiroler Oberliga-Plätzen seinen Mann. „Ich bekam auch gute Noten von den Schiedsrichterbeobachtern, deshalb durfte ich auch Spiele außerhalb der Region pfeifen. Dabei konnte ich mich auch empfehlen und hätte weiter nach oben kommen können.“ Doch mit 23 schlug der Bankangestellte aus St. Leonhard plötzlich einen total anderen Weg ein und pfiff fortan nur mehr in Österreich, wo er mittlerweile knapp 200 Partien geleitet hat.

Im Gespräch mit SportNews sprach Schiefer über…
… diesen ungewöhnlichen Weg:
„Ich habe bei den interregionalen Spielen eine gute Figur abgebeben. Die Verantwortlichen haben dann gesagt: Jetzt schicken wir dich noch weiter runter nach Italien. Ich hätte also nach Sizilien oder Süditalien fliegen müssen, um ein Spiel zu pfeifen. Da musst du dir die Reisen selbst organisieren, darfst, weil du ausgeruht zum Spiel kommen musst, nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen und das Wochenende wäre jedes Mal komplett verplant gewesen. Mir war das einfach zu viel Aufwand. Deshalb habe ich alles hingeschmissen.“

… seinen „Wechsel“ nach Österreich:
„Ich wollte weiter pfeifen, das macht mir ja Spaß. Deshalb habe ich begonnen, im Internet zu recherchieren. Da bin ich auf eine Anzeige aus Innsbruck gestoßen, dass beim Österreichischen Verband Schiedsrichter gesucht werden. Ich habe eine Email geschrieben, bin rausgefahren und konnte relativ schnell auch mein erstes Spiel pfeifen. Zwar war das nur eine Partie einer Freizeitliga, doch ich konnte mich rasch nach oben arbeiten. Mittlerweile bin ich in der 3. Liga Österreichs angekommen, die vom Niveau her ein Mittelmaß zwischen Oberliga und Serie D hierzulande ist. Ich lebe noch im Passeiertal und fahre für die Spiele Samstags immer nach Österreich.“

… weitere Aufstiegschancen:
„Die gibt es leider nicht. Mittlerweile bin ich über 30 Jahre und zudem kein Österreichischer Staatsbürger, da darf ich nicht höher als in der 3. Liga pfeifen. Ein Schritt in die 2. oder gar in die Bundesliga ist für mich also nicht möglich.“

Am letzten Wochenende pfiff Schiefer (rechts) ein Testspiel von Werder Bremen und Simon Straudi (links). © Helli Gufler

… ein ganz besonderes Highlight in seiner Schiedsrichter-Karriere:
„Das hat es 2014 gegeben. Damals hielt die deutsche Nationalmannschaft ihr Trainingslager im Passeiertal ab und ich durfte 2 Testspiele leiten. Auf dem Platz sind damals 8 Spieler gestanden, die später im WM-Finale den Titel errungen haben. Jogi Löw ist danach auch in die Schiedsrichterkabine gekommen und hat uns Trikots geschenkt. Das war ein schönes Erlebnis.“

… das negativste Ereignis seiner Karriere:
„Ich war 20 Jahre jung und bei einem 3.-Amateurliga-Spiel in Oberland im Einsatz. Da habe ich in der 90. Minute einen Elfmeter verhängt und bekam danach den ganzen Wut der gegnerischen Mannschaft zu spüren. Das ging so weit, dass vor meiner Kabine mehrere Leute waren und mit dem Finger an der Kehle die Halsabschneider-Geste gemacht haben. Da bin ich an dem Punkt gewesen, wo ich gesagt habe, ich werfe alles hin. Nach einer Woche habe ich das alles aber verarbeitet und weitergemacht.“

„Als Thomas Müller aufdringlich geworden ist, sagte ein Schiedsrichter-Kollege einfach nur: 'Was sagen Sie, Herr Mayer?' Danach war Müller perplex und wusste nicht mehr was sagen.
Christoph Schiefer


… Spieler, die während der Partie aufdringlich werden:
„Ich muss ehrlich sagen, dass ich viel lockerer geworden bin. Wenn mir ein Spieler etwas sagt, dann gosche ich auch oft zurück. Erst letztens gab es ein Beispiel: Ich habe ein Testspiel zwischen Wacker Innsbruck und einer russischen Mannschaft gepfiffen. Ein Russe hat mich dann zuerst auf englisch angelassen und dann auf russisch beschimpft. Da habe ich ihm einfach gesagt: 'Wer bist du? Niemand kennt deinen Namen.' Schlagfertigkeit ist als Schiedsrichter enorm wichtig, um Spieler und auch die Stars in den großen Meisterschaften auf den Boden der Realität zurückzuholen. Eine nette Anekdote hat mir ein deutscher Schiri erzählt, der in der Bundesliga pfeift. Als Thomas Müller vom FC Bayern aufdringlich geworden ist, sagte der Schiri einfach nur: 'Was sagen Sie, Herr Mayer?' Danach war Müller perplex und wusste nicht mehr, was sagen.“

... eine mögliche Rückkehr nach Südtirol:
„Zurzeit gefällt es mir gut, in Österreich zu pfeifen. Ob ich irgendwann mal wieder in Südtirol als Schiedsrichter tätig sein werde, weiß ich nicht. Im Moment wäre das nicht einmal möglich, weil ich beim SC Passeier (Landesliga, Anm. d. Red.) im Vorstand bin und deshalb keine Schiedsrichtertätigkeit in Italien ausüben darf.“

Autor: det

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