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Cesare Scaratti hat in seiner Karriere für viele Teams gespielt, wie zum Beispiel hier für Neumarkt. Und doch trifft er immer noch verlässlich. © www.runggaldier.it / Dieter Runggaldier

Ein „Oldie“ im Torrausch: Scaratti kam, sah und traf doppelt

SportNews wird fortan jeden Mittwoch das Geschehen in den beiden Kreisen der 1. Amateurliga beleuchten – und das in Form einer Interviewserie, in der wir unterschiedlichste Protagonisten auserwählen und bis zum Saisonende reihum zu Wort kommen lassen. Heute an der Reihe: Haslacher-SV-Oldie Cesare Scaratti, der bewegende Monate hinter sich hat – auf und abseits des Fußballplatzes.

Es ist der Traum eines jeden Trainers: Einwechslung eines frischen Stürmers, der dann auch mit den nötigen Toren für den Sieg sorgt. So geschehen am Samstag in der 1. Amateurliga Gruppe A zwischen dem Haslacher SV und Aldein Petersberg. HSV-Trainer Davide Santachiara schickte in der 70. Minute beim Stand von 1:1 Cesare „Cece“ Scaratti auf das Feld und der Stürmer machte das, was der Trainer von ihm verlangte: 2 Tore.


In der blutjungen Truppe nimmt der 35-Jährige eine besondere Rolle ein. Warum diese Saison die letzte in seiner langen Karriere sein könnte oder auch nicht, erklärte er SportNews. Der 2-fache Familienvater hat auch einen besonderen Bezug zur italienischen Fußballnationalmannschaft und musste sich nach einem schweren Scooter-Unfall wieder zurückkämpfen.


Cesare, 4 Spiele, 4 Treffer. Eine Quote, die man von einem Stürmer verlangt, oder?

„Es läuft zurzeit ganz gut. In den ersten 3 Spielen habe ich auch schon 2 Mal getroffen und immer über 90 Minuten gespielt. Die letzte Woche war ich mit meiner Familie einige Tage am Meer in Riccione und konnte dadurch nicht trainieren. Deshalb bin ich auch zurecht am Samstag auf der Bank gesessen. In den letzten 20 Minuten durfte ich trotzdem noch ran und konnte mit 2 Treffern mithelfen, dass Haslach den ersten Saisonsieg feiern konnte.“


Du bist in dieser jungen Truppe des Haslacher SV der Älteste. Bist du mit deinen Toren die Lebensversicherung für Haslach?

„Sicherlich bin ich in Haslach, um für die nötigen Tore zu sorgen. Aber auch Stürmer haben oft Hänger und es läuft nicht so gut. Solange ich treffe, kann es schon sein, dass ich die Lebensversicherung bin.“

Cesare Scaratti mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth und den zwei gemeinsamen Töchtern. © privat



Vor drei Jahren hattest du einen Unfall mit dem Scooter. Was war damals passiert und wie geht es dir heute?

„Der Unfall schränkt mich nicht mehr ein, wenngleich ich nie mehr so sein werde, wie ich damals war. In der Bozner Industriezone hatte mir ein Fahrzeug den Weg abgeschnitten und ich bin ins Auto gekracht. Ich hatte mir damals den Kiefer und ein paar andere Knochen gebrochen. Auch einige Zähne waren dahin. Ich war fast 2 Wochen im Krankenhaus und danach eine Zeit lang zu Hause. Heute kann ich aber sagen, dass alle Visiten und Untersuchungen abgeschlossen sind und es mir entsprechend gut geht.“
„Die vergangene Saison hätte eigentlich meine letzte sein sollen.“ Cesare Scaratti

Das war zu Beginn deiner ersten Saison bei Haslach?

„Ja, genau. Nach dem Unfall habe ich in der Rückrunde wieder begonnen, dann wurde die Meisterschaft wegen Corona abgebrochen. In der letzten Saison dasselbe Schicksal. Wieder wurde die Saison wegen Corona frühzeitig beendet. In meinem Kopf war es schon die Abschiedssaison. Wegen der beiden Abbrüche spiele ich eigentlich auch heuer noch bei Haslach.“


Warum?

„Die vergangene Saison hätte eigentlich meine letzte Saison sein sollen. Durch den Abbruch wurde nur sehr wenig gespielt und mein Ziel ist es noch eine Saison von Anfang bis zum Ende durchzuspielen. Hoffentlich gelingt mir das heuer!“

Bei der WM 2014 war Scaratti Italiens „Tuttofare“.



Sollte es erneut zu einem Abbruch kommen, dann könnte noch eine weitere Saison dazukommen?

„(lacht) Ich hoffe nicht, dass wegen Corona wieder abgebrochen werden muss. Sollten wir fertig spielen können, dann mache ich mir am Ende der Saison Gedanken, ob es die letzte oder vielleicht doch nicht die letzte Spielzeit gewesen ist. Es wird natürlich nicht einfacher. Ich bin 35 Jahre alt und werde nicht jünger. Mit der zweiten Tochter ist die Familie gewachsen und meine Lebensgefährtin ist natürlich froh, wenn ich ihr zumindest nach der Arbeit unter die Arme greifen könnte und nicht auch noch zum Training gehe. Wir werden sehen.“


Bei der WM 2014 in Brasilien warst du hautnah bei der italienischen Nationalmannschaft. Welche Tätigkeit hast du ausgeübt?

„Wir waren für die Organisation des Trainingslagers und für die Logistik zuständig. Leider hat mein Arbeitgeber für die WM 2018 in Russland nicht mehr den Auftrag erhalten und ich war dort nicht dabei.“


Die nächste WM im Herbst 2022 in Katar wäre wieder eine Möglichkeit dabei zu sein, oder?

„Ich wurde bereits gefragt, ob ich bei einem erneuten Zuschlag dabei sein könnte. Darüber habe ich mir aber noch keine Gedanken gemacht, auch weil sich mein Leben seit der WM 2014 stark verändert hat. Ich habe jetzt eine Familie, um die ich mich kümmern möchte. Trotzdem ist der Reiz da, sollte man die Möglichkeit bekommen, dort mit dabei zu sein. Wir werden sehen, was die Zukunft ergibt.“
Zur Person: Cesare Scaratti


Cesare Scaratti hat in seiner langen Karriere viele Spielfelder gesehen. Er spielte auch in der Serie D beim inzwischen nicht mehr existenten Verein FC Bozen 96. Auch für den SSV Brixen in der Oberliga oder bei Meran in der Landesliga sorgte er für Tore. Mit Haslach in der 1. Amateurliga geht er in die 3. Saison. In 17 Jahren Fußballkarriere absolvierte Scaratti 368 Meisterschaftsspiele und erzielte 135 Tore.

Auch als sicherer Elfmeterschütze ist der 35-Jährige bekannt. Von insgesamt 36 Elfmetern versenkte er 31. Das entspricht einer Trefferquote von über 86 Prozent. Er ist Vater von 2 Töchtern. Die Ältere ist 2 Jahre, die Jüngere ist ein wenig mehr als einen Monat alt. Beschäftigt ist Scaratti in der Bozner Industriezone bei einem Hebebühnenverleih.

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