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Obermais-Akteur Martin Ciaghi kämpft mit Long-Covid und hat noch Trainingsrückstand. Auf den Oberliga-Restart freut er sich. © www.runggaldier.it / Dieter Runggaldier

Obermais-Regisseur Ciaghi: „Merke, dass es mir gut tut“

Monatelang wurde im Amateurfußball über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie hitzig diskutiert, in knapp zehn Tagen rollt jetzt schlussendlich wieder der Ball. Zumindest in der Oberliga. Vorab haben wir uns bei Spielern der drei verbliebenen Südtiroler Teams umgehört und ihre Meinungen und Eindrücke gesammelt. Heute ist Obermais-Stratege Martin Ciaghi an der Reihe. Er spricht auch über seine Long-Covid-Erkrankung.

Martin Ciaghi, am 25. April geht es wieder los. Wie groß ist die Freude bei Ihnen und beim FC Obermais?


Martin Ciaghi: „Die Freude bei uns ist sehr, sehr groß, denn jeder der zurzeit trainiert, will sich auch wieder im Wettkampf messen. In dieser schwierigen Zeit sind der Fußball und der Sport im Allgemeinen eine große Hilfe. In der letzten Zeit hatte man fast ausschließlich die Arbeit und war in der restlichen Zeit zu Hause. Jetzt haben wir eine zusätzliche Aufgabe, wir können uns bewegen und unserem liebsten Hobby nachgehen. Ich glaube, das ist für alle sehr wichtig.“


Im Herbst war Obermais souveräner Tabellenführer. Spielte man damals mit dem Gedanken: Meisterschaftsgewinn und Aufstieg in die Serie D?

„Wir sind im Herbst nicht mit dem Ziel Serie-D-Aufstieg gestartet. Wir haben, wie auch in den letzten Jahren, einen guten und ausgeglichen Kader gehabt. Jahr für Jahr wurde stetig an der Qualität des Teams gefeilt. Letztlich waren wir an der Spitze und es wäre toll gewesen, wenn man diese Meisterschaft hätte weiterspielen bzw. zu Ende spielen können, um auch zu sehen, wie weit wir gekommen wären.“

Martin Ciaghi (vorne) freut sich auf den Re-Start. © www.runggaldier.it / Dieter Runggaldier


Im Hinblick auf den Restart hat sich die Philosophie des Vereins geändert?

„Nein, nicht wirklich, denn wir hatten nicht das zwanghafte Ziel aufzusteigen. Klar, uns fehlen jetzt einige Spieler, die im Herbst mit dabei waren und es bevorzugt haben, nicht am Restart teilzunehmen. Dafür bauen wir eine ganze Reihe von Nachwuchshoffnungen ein und sehen diese reduzierte Meisterschaft als gute Vorbereitung auf die nächste Saison. Mit Vereinen wie St. Georgen und Levico, die in die Serie D wollen, können wir uns momentan nicht vergleichen, aber das ist auch nicht unser primäres Ziel.“

„In einer solchen Situation muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden.“

Andere Vereine haben sich noch einmal mit Hochkarätern von anderen Teams, die nicht am Restart teilnehmen, verstärkt. Hätten Sie sich als Obermais-Spieler auch diesen Weg gewünscht oder sehen Sie im Einbau von Jugendspielern für Obermais den richtigen Weg?

„Nein, das hätte ich mir nicht gewünscht. Was toll gewesen wäre, wäre wenn alle Spieler vom Herbst auch jetzt im Frühjahr mit dabei wären. In einer solchen Situation muss aber jeder Spieler für sich selbst entscheiden und dies gilt es zu respektieren. Es gibt neben dem Fußball auch noch andere Sachen, die vielleicht für den Einzelnen wichtiger sind und jede einzelne Entscheidung der Mitspieler, die nicht am Restart teilnehmen, ist nachvollziehbar. Ich hätte aber nicht geglaubt bzw. mir nicht erwartet, dass Vereine noch andere Spieler holen. Ich bin froh mit der Entscheidung von Obermais, hoffnungsvolle Jugendspieler einzubauen. Es ist eine verkürzte Meisterschaft ohne Absteiger und deshalb kann man ohne Druck ins Spiel gehen und mit Freude und Leidenschaft seinem Hobby nachgehen. Dadurch kann man auch die Jugendspieler ohne große Sorgen einbauen und das hilft diesen sicherlich auch, um sich an das Oberliganiveau herantasten zu können. Andere Vereine wollen in die Serie D, die müssen um ihr Ziel zu erreichen Abgänge mit entsprechenden Zugängen kompensieren.“


Einige Vereine sind beim Restart nicht dabei. Haben Sie dafür Verständnis?

„Darauf eine Antwort zu finden ist schwierig, in diesem Punkt bin ich hin- und hergerissen. Ich muss dazu sagen, ich war selbst von Corona betroffen und sehe jetzt mit dem Angebot wieder Fußball spielen zu können, eine Möglichkeit und auch einen großen Schritt in die Normalität zurückzukommen. Ich bin auch überzeugt, dass nur durch den Restart der Oberligameisterschaft die Grundlage geschaffen wurde, dass auch unsere Jugendspieler wieder mit dem Training starten können. Aus dieser Überzeugung heraus, war der FC Obermais sehr stark am Restart interessiert.“


Wer hat beim FC Obermais die Entscheidung getroffen?

„Wir als Mannschaft waren von Anfang an mit dem Verein im regen Austausch. Wäre vielleicht der Restart schon im Jänner möglich gewesen, dann wären vermutlich mehr Spieler vom Herbstkader noch mit dabei. Das lange Warten und die Ungewissheit haben einige Spieler veranlasst, erst wieder in der neuen Saison die Fußballschuhe zu schnüren. Vom Verein kam auf jeden Fall kein Druck, jeder Spieler konnte frei entscheiden. Bei den Trainings sind aktuell 20 Spieler auf dem Feld, das zeigt, dass es die richtige Entscheidung war.“

„Die Möglichkeit wieder Fußball zu spielen, hilft mir aus diesem gesamten Schlamassel herauszukommen.“

Sie waren im Februar dieses Jahres selbst von Corona betroffen. Wie ist die Krankheit verlaufen und hat sie Auswirkungen auf Ihr Leistungsvermögen auf dem Feld?

„Ich war ein asymptomatischer Covid-Patient. Die Krankheit an sich hat mich nicht belastet. Sehr wohl aber leide ich am sogenannten Long-Covid, von dem jetzt immer mehr gesprochen wird. Bei mir ganz konkret wirkt sich das so aus, dass ich trotz der Tatsache, dass ich seit Mitte Februar gesund bin, weiterhin kleine Wehwehchen habe. Leichte Schmerzen und ein leichtes Ziehen in Muskeln und Knochen. Zudem musste ich die sportärztliche Visite neu machen. Diese hat mir die Gewissheit gegeben, dass ich überhaupt wieder mit dem Sport beginnen kann. Und gerade jetzt ist die Möglichkeit Fußball zu spielen, mir eine große Hilfe aus diesem gesamten Schlamassel herauszukommen. Ohne Fußball war ich nur zu Hause und man beginnt nur mehr über Corona nachzudenken und auf lange Sicht kann das nicht gesund sein. Jetzt bin ich auf dem Feld und in Bewegung und merke auch, dass mir das körperlich und psychisch sehr gut tut.“

Martin Ciaghi (rechts) ist bei Obermais seit Jahren eine Stütze.


Sie konnten wegen der Corona-Erkrankung auch erst 10 Tage nach ihren Kollegen ins Training einsteigen. Welche Veränderungen spürt ihr Körper konkret?

„Das genau zu erklären ist schwierig. Klarerweise bin ich noch nicht fit. Ich habe mehr als 5 Monate, auch weil ich vor dem Meisterschaftsabbruch mich verletzt habe, kaum trainiert. Ich habe danach zwar wieder mit dem Lauftraining begonnen, dann kam meine Corona-Erkrankung und ich musste das Training erneut unterbrechen. Deshalb tue ich mich zurzeit ein wenig schwer. Das hat aber mit Corona wahrscheinlich keinen direkten Zusammenhang, aber die Muskeln bereiten mir Schwierigkeiten. Immer wieder ein leichtes Ziehen, bis hin zu leichten Krämpfen. Auch die Knochen schmerzen oft ohne Grund.“


Die Vorbereitung auf die sogenannte Rückrunde fand heuer später als gewohnt statt. Die Temperaturen waren nicht mehr ganz so winterlich. Eine positive Randerscheinung?

„Jetzt zu starten, vor allem was mich betrifft, war trotz der wärmeren Temperaturen nicht einfacher, denn ich war doch einige Zeit komplett ohne Training. Dadurch wird der Trainingsstart dann umso beschwerlicher. Sich im Winter aufzuraffen und zum Training zu gehen, ist klarerweise um einiges schwieriger, weil es meist auch schon dunkel ist und die Temperaturen können auch hier ziemlich unter dem Gefrierpunkt sinken. In den letzten Tagen war es aber auch nicht immer so warm und angenehm, aber es waren auch einige Trainingseinheiten dabei, die vom Wetter her schon sehr fein waren.“

Fragen: Christian Morandell

Schlagwörter: Fussball

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