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Mannschaft und Vorstand des SC St. Pankraz haben einen neuen, unkonventionellen Weg eingeschlagen.

Rugby und Transfer-Querdenken: Der Weg des SC St. Pankraz

Trotz aller geographischer und politischer Nähe, Fußballer aus dem Trentino sind im Südtiroler Amateurfußball rar gesät. Sportübergreifende Kooperationen sowieso. Ein Verein aus der 3. Amateurliga geht andere Wege als die Konkurrenz.

Klar, Salurn oder die Weinstraße Süd bedienen sich des Öfteren im Trentino. Als Margreid und Kurtinig noch separat unterwegs waren, bildeten ebenfalls Trentiner Fußballer den Kern der Mannschaften. Mezzocorona und Rotaliana lotsten in der Vergangenheit Spieler aus Südtirol in den Süden. Doch diese Klubs, die direkt an der Grenze zur Südtiroler Nachbarprovinz Trentino ansässig sind, sind die große Ausnahme im Südtiroler Fußball. Andere Grenzvereine, wie Unterland Berg, Eggental oder die ladinischen Vertreter im Amateurbereich, bedienen sich so gut wie nie im Trentino. Obwohl es zum Beispiel ein Spieler aus Cavalese wesentlich näher nach Truden hätte, als einer aus Bozen.

Die Rebellion im Schatten des Nachbarn
Jetzt hat ein Verein aus der 3. Amateurliga einen anderen Weg eingeschlagen: der SC St. Pankraz. Der Klub aus dem Ultental führte bisher ein stiefmütterliches Verhältnis in der niedersten Liga Italiens. Teilweise rangierte man in den letzten Jahren am Tabellenende der 3. Amateurliga. Also hat man sich etwas einfallen lassen. „Wir mussten etwas ändern, um eine positivere und erfolgreichere Zukunft zu haben“, sagt Präsident Lukas Berger.

Der 42-Jährige ist seit wenigen Monaten im Amt, krempelt den 1975 gegründeten SC St. Pankraz gehörig um – und hat Ambitionen: „Der 1. Aufstieg der Vereinsgeschichte ist früher oder später mit Sicherheit ein Thema.“ Lieber früher als später. Das würde helfen, etwas aus dem Schatten herauszutreten. Denn im kleinen Seitental des Meraner Lands gibt der SV Ulten den Ton an. Der ehemalige Oberligist ist seit jeher der federführende Klub in dem Tal, das 4 Dörfer und 3 Fußballvereine fasst.

Lukas Berger, Präsident und Querdenker des SC St. Pankraz, mit

Berger sagt, dass man künftig eine gewichtigere Rolle spielen möchte. Und so kommen zur neuen Saison gleich 4 Spieler vom Nonsberg nach St. Pankraz. Was auf den 1. Blick seltsam wirkt, hat einen schlüssigen Hintergrund. So sind es von Revò, wo einige der neuen Trentiner Spieler wohnen, nach St. Pankraz nicht einmal 30 Kilometer. Die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen, wo man in der Vergangenheit ebenfalls gefischt hat, liegt hingegen fast 45 Kilometer weit entfernt. Auf die Idee kam Berger, weil er beruflich viel am Nonsberg unterwegs ist. Außerdem ebnete Verteidiger Giovanni Flaim, der bereits ein kurzes Intermezzo bei Ulten hinter sich hat, etwas den Weg. Berger ist überzeugt, dass der etwas andere Weg der richtige für seinen Verein ist: „Wenn man als keiner Verein in der 3. Amateurliga interessant sein möchte, dann muss man die Dinge anders machen, als alle anderen.“
Rugby als Faktor im Amateurfußball
Das Querdenker-Gen scheint Berger, der in seiner Jugend ein vielversprechendes Talent bei Passer Meran war, intus zu haben. Neben dem Fischen im Trentiner Spielerteich treibt der SCP-Präsident ein weiteres Projekt voran: die Zusammenarbeit mit Südtirol Rugby. Er hat eine Kooperation mit der Mannschaft aus Bozen gestartet. In der Vorbereitung wird der SC St. Pankraz von den Rugby-Fitnesstrainern unterstützt, danach werden regelmäßig Rugby-Ansätze in die Trainingseinheiten der Fußballer integriert. Das Projekt ist langfristig angesetzt, Schnupperkurse für Kinder und Camps sind geplant. Berger stützt sich auf den gesamtheitlichen Ansatz der beiden Sportarten: „Es sind Mannschaftssportarten, wo man nur miteinander als Team weiterkommt.“ Auch der Austausch sei ihm wichtig, man könne viel vom jeweils anderen lernen.

So oder so, der SC St. Pankraz und sein Präsident haben den konventionellen Weg verlassen um erfolgreich zu sein. Wohin es führt, wird die Zukunft zeigen. Wichtig ist Berger eines: „Die Leidenschaft und der Antrieb etwas gewinnen zu wollen.“ Dafür stehen seine neuen Trentiner Fußballer, der Rugbysport sowieso. Wenn man ihn fragt, warum nicht schon andere Vereine auf solche Ideen gekommen sind, antwortet er: „Ich denke, darüber wird zu wenig nachgedacht.“

Autor: christian staffler

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