5 Formel 1

Lewis Hamilton zeigt es an: 6 Mal kürte er sich zum Weltmeister. © APA/getty / CLIVE MASON

Hamiltons Meisterwerk: 6. Titel und kein Ende in Sicht

Und wieder einmal hat Lewis Hamilton die WM vorzeitig perfekt gemacht. Nur noch Michael Schumacher ist mit sieben Titeln besser als der Superstar der Silberpfeile. Der Brite scheint auf dem Weg zur neuen Bestmarke aber unaufhaltbar.

Auf dem Circuit of the Americas in Austin steuerte Hamilton am Sonntag seinen Mercedes von Platz fünf auf zwei nach vorne und machte damit vorzeitig alles klar. Auch wenn es mit dem elften Saisonsieg (noch) nicht klappte, belohnte sich Hamilton für die vielleicht beste Saison der Karriere erneut mit der Weltmeisterschaft. „Es ist auf keinen Fall der leichteste, es ist der härteste Titel für mich“, sagte er. Vom Champagner durchnässt ließ er sich am Sonntag vor der Mercedes-Garage feiern und streckte jubelnd sechs Finger für ebenso viele Formel-1-Titel in die Luft.

Die kurze Party nach dem WM-Coup genoss der britische Mercedes-Star in den USA ganz besonders – und wollte in Austin noch nicht an die spätestens jetzt greifbare Bestmarke von Michael Schumacher denken. „Michael zu erreichen, war nie ein Ziel für mich. Ich hätte gedacht, dass es nicht möglich ist, überhaupt nur in die Nähe von Michael zu kommen“, meinte Hamilton.

Allein auf weiter Flur: Hamilton fährt in einer eigenen Liga. © APA/getty / Mark Thompson


Eine Weltmeisterschaft muss er noch gewinnen, um mit Ikone Schumacher gleichzuziehen. Kaum jemand zweifelt daran, dass dem 34-Jährigen das schon 2020 gelingen kann. Die Regularien der Formel 1 verändern sich vorerst kaum, die Silberpfeile dürften sich nach der Dominanz der letzten Jahre nicht plötzlich von der Konkurrenz überrumpeln lassen. Auch Teamchef Toto Wolff sieht keinen Grund, „warum er keinen siebenten Titel holen sollte“. Dafür will ihm der Rennstall den richtigen Wagen bauen und eigene Fehler weiter minimieren.
„Ich arbeite an einem Meisterwerk. Ich habe es noch nicht beendet.“
Lewis Hamilton
„So nah, aber doch so weit weg“ sei die siebte WM-Krone, sagte Hamilton am Sonntag nach Platz zwei in Texas. Unmissverständlich klar machte er, dass das Ende noch lange nicht in Sicht ist. „Dieser Wunsch, immer mehr und mehr zu wollen, ist das, was Hamilton zu einem der Größten aller Zeiten macht“, befand die spanische Zeitung Mundo Deportivo .

>>> Hier liefern wir die Presse-Stimmen zum Hamilton-Titel im Überblick <<<

Fast poetisch sagte der 83-malige Grand-Prix-Sieger: „Ich arbeite an einem Meisterwerk. Ich habe es noch nicht beendet und es dauert seine Zeit.“ Er habe „jetzt gerade die besten Werkzeuge dazu“. Deswegen will er auch nach seinem Vertragsende nach der nächsten Saison weitermachen und in der neuen Formel-1-Ära mit komplett überholten Regeln „ein Pionier“ sein.
„Ich freue mich für ihn, aber nicht für uns“
Sebastian Vettel
Bevor es mit dem Flugzeug noch am Sonntagabend nach England ging, bezeichnete der einzige aktuelle Weltstar der Szene die noch nicht ganz beendete Saison als die härteste seiner Laufbahn. „Jetzt ist der Zeitpunkt, so viele gute Sachen zu schreiben, wie ihr könnt. Wenn jemand sechsmal den Titel gewinnt, dann verdient er das“, sagte der erneut geschlagene Ferrari-Star Sebastian Vettel: „Ich freue mich sehr für ihn, aber nicht für uns, weil wir so weit hinterher waren.“
Ferrari mit schwerem Stand
Der Deutsche schied in Austin schon in der achten Runde wegen eines Aufhängungsschadens aus und fiel in der WM-Wertung auf Rang fünf zurück. Auch im fünften Jahr war er mit der Scuderia völlig chancenlos gegen Hamilton und Texas-Sieger Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil. Ferrari verschlief die erste Hälfte der Saison komplett, und war erst da, als Mercedes sich schon einen gehörigen Vorsprung erarbeitet hatte. Nächstes Jahr soll sich das ändern. Aber es scheint schwer vorstellbar, dass die fehleranfälligen Italiener dauerhaft gegen das perfekt funktionierende System Mercedes bestehen können.

Zum sechsten Mal nacheinander gewann das Werksteam die WM bei den Fahrern und Konstrukteuren. Hamilton holte insgesamt 101 Podestplätze und allein 2019 zehn Erfolge. Zwei weitere Siegmöglichkeiten in Brasilien und Abu Dhabi gibt es noch. „Ich will so weitermachen“, sagte Hamilton.
Familie half Hamilton durch schwierige Zeit
Im Moment des großen Erfolgs zeigte er sich der Brite auch nachdenklich. Die Tode von Aufsichtsratsboss Niki Lauda und Nachwuchsfahrer Anthoine Hubert haben ihm in diesem Jahr schwer zugesetzt. „Wenn so etwas passiert, kommen Zweifel auf. Ist es Zeit aufzuhören oder soll ich weitermachen?“, sagte er zum Unfalltod von Nachwuchsfahrer Hubert in Spa: „Es gibt ja auch ein Leben nach der Formel 1 – und ich will irgendwann eine eigene Familie haben.“

Die negativen Gedanken schob er weg und konzentrierte sich auf das Positive. Dabei halfen ihm seine Eltern, die in Texas samt aktueller Lebenspartner mitjubelten. Für das offizielle Teamfoto holte er alle zu sich. Kurz vorher sagte der aus Mittelengland stammende Hamilton stolz: „Sie haben einfach alles geopfert, damit ich die Chance hatte, das zu machen, was ich jetzt mache.“


Autor: apa/dpa/fop

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