5 Formel 1

Mehrfach ging es beim Toskana-Grand-Prix heiß her. © APA/afp / CLAUDIO GIOVANNINI

Mugello-Reaktionen: „Wollen die uns umbringen?“

Die Formel-1-Premiere in Mugello bot am Sonntagnachmittag rund zweieinhalb Stunden Action pur. Die spektakulären Überholmanöver, wilden Unfälle und mehreren Unterbrechungen ließen in der Boxengasse nach Rennschluss die Wogen hochgehen.

Im Crash-Chaos auf der Ferrari-Hausstrecke in der Toskana fuhr Lewis Hamilton den 100. Mercedes-Erfolg seit dem Wiedereinstieg als Werksteam vor zehn Jahren ein. Der Finne Valtteri Bottas als Zweiter machte beim wilden Rennen mit mehreren Unfall-Unterbrechungen den Tag der Silberpfeile perfekt. Dritter wurde der Thailänder Alexander Albon, der im Red Bull erstmals einen Podestplatz eroberte.

„Es gab heute nicht viele Autos, die langsamer waren als wir“
Sebastian Vettel
Zu einem müden Gruß an die Fans aus seinem lahmenden Ferrari reichte es noch, doch Sebastian Vettels Urteil nach der nächsten Formel-1-Demütigung fiel vernichtend aus. „Es gab heute nicht viele Autos, die langsamer waren als wir. Das ist natürlich bitter“, sagte der viermalige Weltmeister nach Platz zehn in Mugello. Beim 1000. Grand Prix der Scuderia fuhr das Traditionsteam am Sonntag vor den heimischen Tifosi chancenlos hinterher. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr abstauben als nur einen Punkt, aber mehr war am Ende nicht drin“, sagte der 33 Jahre alte Vettel.

Teamkollege Charles Leclerc war als Achter ebenfalls abgehängt. „Uns fehlt die Geschwindigkeit, wir verschleißen die Reifen zu schnell. Es ist das gesamte Projekt, das wir überdenken müssen“, gestand Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.
„Mein Herz rast immer noch“
Lewis Hamilton
Hamilton baute durch seinen 90. Karriere-Triumph seinen WM-Vorsprung auf 55 Punkte vor Bottas aus und kann im kommenden Rennen in Russland mit Rekordhalter Michael Schumacher (91 Siege) gleichziehen. „Das waren heute drei Rennen an einem Tag, es war unglaublich hart. Mein Herz rast immer noch“, versicherte der Brite, nachdem er sichtlich erschöpft aus seinem Auto geklettert war.

Schon der Start ins Ferrari-Jubiläum mündete im Durcheinander. Hamilton kam von der 95. Pole Position seiner Karriere schlecht weg, Bottas raste sofort auf Rang eins. Dahinter versagte der Motor von Max Verstappens Red Bull, der Niederländer fiel ins Mittelfeld zurück und wurde dann von Kimi Räikkönen im Alfa Romeo unsanft ins Kiesbett geschoben. Schon zuletzt in Monza war der vermeintlich stärkste Mercedes-Jäger Verstappen nicht ins Ziel gekommen.

Romain Grosjean und Max Verstappen landeten im Kiesbett. © APA/afp / LUCA BRUNO


Auch für Toro-Rosso-Pilot Pierre Gasly aus Frankreich, in der Vorwoche noch Sensationssieger, war der Arbeitstag nach wenigen Kilometern wegen dieses Unfalls schon vorbei. Weil sich auch der Spanier Carlos Sainz noch in seinem McLaren auf der Strecke drehte, mussten die folgenden Fahrer mühsam ausweichen. Vettel sah Sainz erst spät und beschädigte sich am McLaren den Frontflügel. Die Rennleitung griff ein und beorderte das Safety-Car auf die Strecke. „Ich habe mich bei 300 km/h gedreht und hatte plötzlich drei Wagen vor mir. So einen Unfall wünsche ich keinem“, sagte der künftige Ferrari-Pilot Sainz gegenüber der Gazzetta dello Sport und fügte hinzu: „Zum Glück sind wir alle gesund.“
„Zum Glück sind wir alle gesund“
Carlos Sainz
Nach dem Wiederbeginn fuhr Bottas an der Spitze Schlangenlinien, hielt damit den Rest zu lange auf. Weil am hinteren Ende die ersten Fahrer schon beschleunigten, krachte Antonio Giovinazzi mit seinem Alfa Romeo in den Haas-Rennwagen von Kevin Magnussen. Auch Sainz und Williams-Pilot Nicholas Latifi wurden in den Unfall verwickelt. „Wollen die uns umbringen?“, schimpfte Haas-Pilot Romain Grosjean.

Die Zielgerade war übersät von Trümmerteilen, das Rennen wurde wie schon eine Woche zuvor in Monza vorerst gestoppt. Ein solches Spektakel hatten die Formel-1-Macher wohl eher nicht im Sinn, als sie in der Corona-Notsaison erstmals einen Grand Prix an die Ferrari-Hausstrecke in der Toskana vergaben. Immerhin bekamen die knapp 3000 Zuschauer, die erstmals in diesem Jahr bei einem Rennen zugelassen waren, aufregende Action in Überlänge geboten.

Nach 25 Minuten Pause formierten sich nur noch 13 der 20 Piloten zum Neustart. Wegen überhitzter Bremsen an seinem Renault hatte auch der Franzose Esteban Ocon aufgeben müssen. Diesmal aber ging alles glatt, als die roten Ampeln erloschen. An der Spitze stellte Hamilton die normale Hackordnung wieder her und fuhr ungefährdet zum Sieg.


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Autor: fop/dpa

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