5 Formel 1

Sebastian Vettels Einstand bei Aston Martin ging daneben. © APA/afp / ANDREJ ISAKOVIC

Vettel: „Viele Dinge arbeiten gegen mich“

Für die Hymnen zu Ehren des triumphalen Siegers beim mitreißenden Auftaktrennen hatten Mick Schumacher und Sebastian Vettel in der Wüste von Sakhir so gar kein Ohr.


Der eine freute sich unter den geschmückten und erleuchteten Palmen im Fahrerlager des Bahrain International Circuits mit strahlenden Augen trotz Lahm-Auto einfach nur, endlich dabei zu sein. Der andere musste wieder und wieder erklären, warum es auch nach den letzten beiden Frust-Jahren bei Ferrari so losging, wie es bei den Roten in Dauerschleife lief – halt nur in grün.

„Ich fühle mich im Auto noch nicht zuhause.“
Sebastian Vettel

„Ich fühle mich im Auto noch nicht zuhause. Viele Dinge arbeiten gegen mich und ich kann mich nicht wirklich auf das Fahren konzentrieren“, sagte Vettel – ein Fall für Q? Vettels Karriere-Neustart im Wagen mit dem Spitznamen des legendären Bond-Girls Honey Ryder wurde zu dem, was es nicht sein sollte und durfte: Ein Reinfall. Strafen, ein Auffahrunfall, Risiko-Taktik ohne Erfolg.

Vettel (vorne) landete in Bahrain auf Platz 15. Teamkollege Lance Stroll wurde 10. © APA/afp / GIUSEPPE CACACE

Ob ein Tüftler wie aus den James-Bond-Filmen helfen kann – fraglich. Vettel selbst muss vor allem raus aus dem Fehler-Kreislauf. „Es ist meine Aufgabe, das Auto zu fahren und gut Rennen zu fahren, was ich heute nicht getan habe“, sagte Vettel am Sonntagabend. Die Schuld am Auffahrunfall mit Esteban Ocon, für den er eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt bekommen hatte, wollte er auch nur bedingt auf sich nehmen. „Es war nicht das Wochenende, das wir haben wollten,“ räumte Vettel aber ein. Oder wie La Gazzetta dello Sport aus Vettels ehemaliger fahrerischer Heimat sichelte: „Vettel – ein Alptraumbeginn.“
Binotto spitzelt gegen Vettel
Sein ehemaliger Teamchef Mattia Binotto, zu dem Vettel bekanntlich nicht die beste Beziehung pflegte, trat nach dem Auftakt-Wochenende noch einmal gegen Vettel nach: „Wir können uns endlich auf beide Fahrer verlassen“, sagte der Ferrari-Teamchef. Das kann als eindeutige Spitze in Richtung des Deutschen gewertet werden. Bei Vettel lief im letzten Ferrari-Jahr bekanntlich gar nichts mehr zusammen. Die Scuderia sorgte in Bahrain mit den Plätzen 6 (Charles Leclerc) und 8 (Carlos Sainz) für einen ordentlichen Auftakt. Mehr aber auch nicht.

Dass im kompletten April trotz Rekordkalenders mit 23 Rennen nur der Große Preis der Emilia Romagna in Imola ansteht, gibt Vettel und Aston Martin Zeit, das Auto zu verbessern. Nur ein Versuch in vier Wochen, sich aus dem Start-Tief zu katapultieren, ist aber auch wenig, denn eines zeigte das Bahrain-Rennen auch: Die Konkurrenz ist richtig stark. Hinter Mercedes mit Superstar und Sakhir-Sieger Lewis Hamilton und Red Bull mit dem nur knapp geschlagenen Top-Herausforderer Max Verstappen kämpfen McLaren, aber auch Vettels Ex-Team Ferrari und Alpha Tauri um die Top-Ten-Plätze.
Ein Lehrjahr für Mick Schumacher
Dass diese Regionen für ihn in seinem Lehrjahr in weiter Ferne liegen würden, war und ist Mick Schumacher bewusst. Sein erstes Rennen in der Motorsport-Königsklasse lieferte auch den Beweis, dass sein Dienstauto eigentlich nicht konkurrenzfähig ist. „Der Sohn des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher konnte es nicht leichthaben auf dem eher schwachen Haas“, urteilte das britische Boulevardblatt The Sun.

Mick Schumacher wird mit Hass wohl nicht häufig um die Punkte mitfahren können. © APA/afp / GIUSEPPE CACACE


„Er hat viel gelernt“, sagte der Südtiroler Haas-Teamchef Günther Steiner und war voll des Lobes für den 22-Jährigen, der im Interview-Garten des Fahrerlagers zu den gefragtesten Akteuren gehörte. Der Dreher nach der Safety-Car-Phase wurmte Mick Schumacher, ansonsten herrschte erstmal Erleichterung, das Renndebüt erfolgreich ins Ziel gebracht zu haben, nachdem Vater Michael vor 30 Jahren bei seinem Einstandsrennen wegen eines Kupplungsdefekts nur ein paar hundert Meter weit gekommen war.

Es wurde aber auch deutlich, dass Mick Schumacher ein einsames Jahr auf den Strecken in der ganzen Welt vor sich hat: Zu den Rivalen vor ihm ist es mit dem Haas zu weit, hinter Haas kommt nichts mehr, und Teamkollege Nikita Masepin erwies sich bei dessen Debüt nicht als Rivale auf Augenhöhe. Es fehlt ein Maßstab.

Autor: dl/dpa

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