5 Formel 1

Nicht in der Spur: Sebastian Vettel. © APA/afp / INA FASSBENDER

Warum lässt Vettel das Ferrari-Abenteuer so austrudeln?

Lewis Hamilton ist längst eine Ikone des Sports, doch auch Daniel Ricciardo hat am vergangenen Wochenende seine Klasse unter Beweis gestellt. Bei Vettel darf man fragen, warum ein hochbezahlter Sportler das Ferrari-Abenteuer derart emotionslos austrudeln lässt. Das Reife(n)zeugnis vom Nürburgring.

LEWIS HAMILTON: Es war nur noch eine Frage der Zeit, nun hat Lewis Hamilton tatsächlich durch seinen 91. Grand-Prix-Sieg den Rekord von Michael Schumacher eingestellt. Dass es am Nürburgring passierte, kaum mehr als 100 Kilometer von Schumachers Heimat Kerpen entfernt, ist eine Geschichte der Kategorie „ausgerechnet“. Hamilton, der die Bedeutung von Rekorden für sich persönlich gern herunterspielt, war baff und gerührt - auch von der Übergabe eines originalen Schumacher-Helms durch dessen Sohn Mick. Dass bald er allein der Pilot mit den meisten Siegen sein dürfte, muss auch Hamilton erst mal verarbeiten. Seine Rekordjagd kann noch ein paar Jahre anhalten, wenn er denn will. WM-Titel Nummer 7 ist dem Mercedes-Star seit Sonntag kaum noch zu nehmen. Auch in dieser Kategorie zieht er bald mit Spitzenreiter Schumacher gleich.

VALTTERI BOTTAS: Nichts geht mehr für den Finnen. Mit einem Sieg hätte Bottas den WM-Kampf noch einmal etwas spannender gestalten können, nun sind seine Chancen im Titelduell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Hamilton angesichts von 69 Punkten Rückstand nur noch theoretisch. Zwar wurde Bottas Opfer seines defekten Antriebs, doch schon davor zeigte sich, was ihm für ganz oben fehlt: In Führung liegend leistete sich der 31-Jährige einen groben Fahrfehler, Hamilton schlüpfte vorbei. In umgekehrter Konstellation passiert so etwas fast nie.

SEBASTIAN VETTEL: Es war ein weiteres tristes Wochenende für den viermaligen Weltmeister. Platz elf im Heimrennen ist für den Ferrari-Piloten ernüchternd, vor ihm landeten unter anderem der schwer angezählte Haas-Pilot Romain Grosjean und Antonio Giovinazzi, der bei Alfa Romeo vor der Ablösung durch Mick Schumacher steht. Auch Vettels Tage bei Ferrari sind bald gezählt, doch die Art und Weise seiner Abschiedstournee muss jedem Fan in der Seele weh tun. Der SF70 ist ein Desaster, ganz klar. Doch der Deutsche hat mit dem Projekt schon innerlich abgeschlossen und fährt auch entsprechend. Sechs Rennen müssen er und seine Sympathisanten noch durchhalten, dann beginnt für Vettel bei Aston Martin ein neues Kapitel - gewiss mit frischer Motivation. Nur muss man auch fragen dürfen, warum ein 53-maliger Grand-Prix-Sieger und einer der bestbezahlten Piloten im Feld eine Saison so emotionslos auslaufen lässt.

DANIEL RICCIARDO: Sein Wechsel zu Renault vor zwei gut Jahren war ein Rückschritt, das kann der Australier trotz eines Top-Gehalts nicht bestreiten. Bevor er 2021 bei McLaren auf mehr Erfolg hofft, kitzelt Ricciardo aber noch einmal alles raus. Sein dritter Rang am Nürburgring, der erste Podestplatz für das Renault-Werksteam seit dem Formel-1-Comeback 2016, ist der verdiente Lohn für seine Unnachgiebigkeit. Ricciardo ist einer der besten Fahrer im Feld, bei Red Bull weint man ihm längst mehr als eine Träne nach.

Autor: sid

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